NewsMedizinLipolanthine: Neues Antibiotikum gegen MRSA entdeckt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lipolanthine: Neues Antibiotikum gegen MRSA entdeckt

Montag, 25. Juni 2018

Eine Petrischale mit MRSA-Keimen (Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus), aufgenommen im Universitätsklinikum Regensburg. /dpa
Eine Petrischale mit MRSA-Keimen (Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus), aufgenommen im Universitätsklinikum Regensburg. /dpa

Berlin – Eine neue Wirkstoffklasse soll gegen multiresistente Bakterien wirken. Entdeckt hat die Klasse von Lipopeptid-Antibiotika ein Wissenschaftlerteam des Fachgebiets Biologische Chemie von der Technischen Universität (TU) Berlin zusammen mit der französischen Firma DEINOVE. Die Ergebnisse haben die Forscher in Nature Chemical Biology veröffentlicht (2018; doi: 10.1038/s41589-018-0068-6). Die mit dem Namen Lipolanthine getaufte Gruppe an Antibiotika hat nach Ansicht der Forscher großes Potenzial, sich weiter zu vergrößern.

Berichte über erste „völlig resistente“ Infektionen unterstreichen die medizinische und gesellschaftliche Bedeutung der Entwicklung neuer Antibiotika, die sich grundlegend von den bereits genutzten unterscheiden. Mit diesem Ziel untersuchten die Forscher eine Stammsammlung an Bakterien auf ihre Produktion antibakteriell wirksamer Moleküle.

Anzeige

Aus einer Kultur des Bakteriums Microbacterium arborescens konnten sie eine Verbindung mit starker Aktivität gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und andere pathogene Bakterien isolieren. Später erhielt dieses Molekül den Namen Microvionin. „Bakterien und Pilze stellen eine sehr gute Quelle für bioaktive Wirkstoffe dar, denn im Wettstreit um limitierte Ressourcen bekämpfen sich Mikroorganismen in der Natur gegenseitig. Dies können wir uns zunutze machen“, erklärt Roderich Süßmuth von der TU Berlin.

Microvionin besteht aus einem Peptid- und einem Fettsäureteil, wobei 3 der Aminosäuren so modifiziert werden, dass sich zwei Ringstrukturen ausbilden (bizyklisch). Durch dieses charakteristische Strukturmerkmal mit einer Thioetherbrücke, lässt sich Microvionin den Lanthipeptiden zuordnen, einer Klasse an ribosomal synthetisierten und posttranslational modifizierten Peptiden (RiPPs).

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderten Projekts entdeckten die Forscher eine unerwartete chemische Struktur und Biosynthese von Micro­vionin (siehe Kasten). „Was uns zusätz­lich interessiert, ist die ziemlich unge­wöhnliche Fettsäuremodifikation. Hier scheinen zum ersten Mal bei ribosomal synthetisierten Peptiden 2 Biosynthese­wege zusammen zu laufen, nämlich ribosomal synthetisierte Peptide und Polyketidsynthasen, deren Zusammenspiel so bisher nicht beobachtet wurde“, erläutert Süßmuth.

Nocavionin –  eins von 10 weitere Kandidaten

Vor allem aufgrund der unerwarteten Struktur und Biosynthese wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob es noch weitere ähnliche Verbindungen in der Natur gibt. Mithilfe des Genome Minings analysierten sie bakterielle Genome auf bestimmte Biosynthese-Gencluster und fanden dabei mehr als 10 potenzielle Kandidaten. Aus einem dieser Stämme (Nocardia terpenica) wurde ein weiteres verwandtes Molekül isoliert: Nocavionin.

Dass sich die Antibiotika in der Gruppe der Lipolanthine bald noch weiter vergrößern wird, da ist sich Roderich Süßmuth sicher: „Wir versuchen auch die anderen Moleküle zu isolieren und Rückschlüsse zwischen der Struktur und Bioaktivität zu ermitteln.“ Microvionin solle jetzt zu einem nutzbaren Medikament entwickelt werden.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) gehören zu den bekanntesten multiresistenten Krankenhauskeimen, die nosokomiale Infektionen verursachen. Vor allem für Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann eine MRSA-Infektion mitunter tödlich enden. Durch die Resistenzen gegen verbreitete Antibiotika ist diesen Infektionen nur schwer bis gar nicht beizukommen.

© gie/EB/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Juli 2019
Hamburg – In Hamburg sind im vergangenen Jahr 26 Menschen gestorben, deren Tod mit Krankenhauskeimen in Verbindung steht. Das war ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als 69 solche Fälle
Weniger Todesfälle in Hamburg in Verbindung mit Krankenhauskeimen
12. Juli 2019
Oxford – Die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP), das vor allem bei schweren Infektionen stark ansteigt, kann in der ambulanten Behandlung von Patienten mit akuten Exazerbationen einer
CRP-Schnelltest kann Antibiotika bei COPD-Exazerbationen einsparen
11. Juli 2019
Sydney – Rund 20 % der Silbermöwen in Australien sind mit multiresistenten Bakterien infiziert. Das berichten Forscher der Murdoch University in Perth in einer Studie im Journal of Antimicrobial
Viele australische Möwen tragen multiresistente Keime
8. Juli 2019
Bonn – Einen ganzheitlichen Blick auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt verfolgt die neue Arbeitsgruppe „One Health“ des Universitätsklinikums und der Universität Bonn. Über die Grenzen von
Bonner Arbeitsgruppe untersucht Verbreitung von Antibiotikaresistenzen
3. Juli 2019
London – Grippeinfektionen der Lunge verlaufen bei Mäusen, deren Darm zuvor durch Antibiotika von Bakterien befreit wurde, häufiger tödlich. Die Gründe sind nach einer Studie in Cell Reports (2019;
Wie Antibiotika die Abwehr von Grippeviren in den Lungen behindern
1. Juli 2019
Amsterdam – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rät vom Einsatz von Bakterienlysaten zur Behandlung von Atemwegsinfektionen ab, da es nach Einschätzung des Ausschusses für Humanarzneimittel
EMA will Einsatz von Bakterienlysaten auf Prophylaxe beschränken
27. Juni 2019
Linköping/Schweden – Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae (CRE), die gegen die meisten Breitband-Antibiotika unempfindlich sind, haben sich außerhalb Europas offenbar stark ausgebreitet. Nach den
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER