NewsÄrzteschaftNotfallversorgung: Ärzteschaft stellt Software für Triage vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Notfallversorgung: Ärzteschaft stellt Software für Triage vor

Montag, 25. Juni 2018

/dpa

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will künftig bei der Erstbewertung von Notfällen die Software „SmED“ (Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland) einsetzen. Mithilfe eines Algorithmus´ soll auf diese Weise strukturiert und bundeseinheitlich beurteilt werden, welche Notfallpatienten akut im Krankenhaus behandelt werden müssen und in welchen Fällen die Behandlung im ambulanten Bereich oder zu Hause erfolgen kann. Damit reagiert die KBV auf die seit Jahren ansteigende Zahl der Patienten, die zur Behand­lung die Notaufnahmen von Krankenhäusern aufsuchen, obwohl sie besser in den Praxen oder Bereitschaftspraxen niedergelassener Ärzte versorgt werden könnten.

„Ob ein Patient ein Notfall ist oder nicht, darüber entscheidet in unserem offenen System, das keine verbindliche Anlaufstelle kennt, in erster Instanz der Patient selbst“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, heute bei der Vorstellung des neuen Systems vor Journalisten in Berlin. Um die knappe Ressource Arztzeit sinnvoll einzusetzen, habe die KBV nun ein Leitsystem entwickeln lassen, das die Menschen gewissermaßen an die Hand nehme und auf den richtigen Pfad leite.

Anzeige

Software wird in den nächsten drei Jahren erprobt

„SmED basiert auf einem bereits etablierten evidenzbasierten System, mit dem Patientenbeschwerden hinsichtlich ihrer Dringlichkeit und der richtigen Versor­gungsebene zur weiteren Abklärung ihres Anliegens eingeschätzt werden können“, erklärte der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dominik von Stillfried. „Die Patienten erhalten eine gezielte Empfehlung, etwa: sofort ins Krankenhaus, Termin beim niedergelassenen Arzt reicht aus oder Hausmittel verschaffen Linderung.“ Neben der Einordnung der Beschwerden bietet SmED auch eine Dokumentation für die anschließende Behandlung.

Geplant ist, die Software ab dem kommenden Jahr in elf Kassenärztlichen Vereini­gungen (KVen) zu testen. Dabei soll sie sowohl zum Einsatz kommen, wenn Patienten die bundesweite Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, 116117, anrufen als auch am Tresen einer vertragsärztlichen Notfallpraxis. In neun KVen werde es eine telefonische Vermittlungszentrale geben, so von Stillfried. Zudem werde es an 25 verschiedenen Standorten in Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern eingesetzt.

Das Projekt wird unter dem Namen „DEMAND – Implementierung einer standardi­sierten Ersteinschätzung als Basis eines Demand Managements in der ambulanten Notfallversorgung“ durch den Innovationsfonds gefördert. Es läuft über einen Zeitraum von drei Jahren und wird wissenschaftlich evaluiert.

System fußt auf einer Schweizer Software

SmED fußt auf einer Software, die in der Schweiz entwickelt wurde und dort bereits seit Jahren zum Einsatz kommt. „Die medizinischen Inhalte des Systems referenzieren unter anderem auf das Projekt ‚Red Flags‘ des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern, bei dem mehr als 250 wissenschaftliche Arbeiten berücksichtigt wurden“, erklärte Andreas Meer, Geschäftsführer der Schweizer in4medicine AG, die die Schweizer Software entwickelt hat.

Im Hinblick auf die Anwendung in Deutschland würden die Empfehlungen noch einmal überprüft und laufend angepasst. Für die Weiterentwicklung, die Qualitätssicherung und die Evaluation sowie für die Bereitstellung der Software in Deutschland wurde ein mehrjähriger Kooperationsvertrag zwischen Zi, dem aQua-Institut und in4medicine geschlossen.

Meer erklärte, wie die Software funktioniert: Im ersten Schritt werde getestet, ob eine unmittelbare Lebensbedrohung vorliegt. Wenn dies der Fall ist, wird sofort der Rettungsdienst informiert. Ist dies nicht der Fall, werden von einer speziell geschulten Fachkraft zunächst die Patientendaten erhoben, danach die sogenannte Leitbeschwerde. Es wird erfragt, seit wann diese besteht, wie stark sie ist und welche weiteren Beschwerden vorliegen. Im Anschluss stellt das System dar, welche medizinischen Handlungsoptionen vorliegen und gibt eine Empfehlung ab.

Schweiz: 50 Prozent der Anrufer wird Selbstbehandlung empfohlen

Bei der Leitbeschwerde „Ohrenschmerzen“, die seit mehr als einer Woche anhält, die einen starken Schmerz hervorruft und die von einer Entzündung im Bereich der Ohrmuschel begleitet wird, gibt das System unter anderem die Empfehlung: ‚Die medizinische Behandlung muss nicht sofort erfolgen, sollte aber nicht bis morgen oder übers Wochenende aufgeschoben werden. Eine medizinische Behandlung sollte innerhalb der nächsten 24 Stunden erfolgen.“

Meer betonte, dass die Empfehlung der Software nur eine Grundlage für die Entscheidung bilde. Die finale Entscheidung werde von den Fachkräften vorgenommen, bei der auch von der Empfehlung des Systems abgewichen werden könne. „In der Schweiz haben wir gute Erfahrungen mit dem System gemacht“, sagte Meer. Bei etwa 50 Prozent der Anrufenden sei eine Selbstbehandlung empfohlen worden. Bei weniger als einem Prozent habe ein lebensbedrohlicher Notfall vorgelegen.

Henke: Überall die gleiche Sprache sprechen

Zur Anpassung und Weiterentwicklung der Software hat das Zi einen medizinischen Beirat eingerichtet. Dort sind nicht nur niedergelassene Haus- und Fachärzte, sondern durch den Marburger Bund (MB) und die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) auch im Krankenhaus tätige Ärzte vertreten.

„Wir halten es für sehr wichtig, dieses Projekt als einen wichtigen Baustein im Rahmen eines umfassenden Ersteinschätzungsverfahrens von Anfang an auch aus unserer Sicht zu begleiten“, betonte der 1. Vorsitzende des MB, Rudolf Henke. „Unser Ziel ist es, dass im Bereich der Ersteinschätzung überall die gleiche Sprache gesprochen wird. Wir wollen, dass die gleiche Ersteinschätzung langfristig sektorenunabhängig sowohl unter der 116117 als auch unter der 112 und wohl ergänzt um eine Dringlichkeitseinstufung auch in der Notaufnahme eingesetzt werden kann.“ Die geplante neue Software könne dieses Gesamtziel unterstützen.

„Wir werden anhand von Beispielfällen die hinterlegten Algorithmen überprüfen, um sicher zu sein, dass Red Flags, die die Einweisung in eine Klinik auslösen sollten, auch tatsächlich zu den notwendigen Konsequenzen führen“, so Henke.

In Notaufnahmen zuerst Hochrisikopatienten erkennen

Auch Harald Dormann, Vorstandsmitglied der DGINA, begrüßte SmED, da hierdurch möglicherweise eine bestehende Orientierungslücke von akut hilfesuchenden Patienten geschlossen werden könne. Neben den Algorithmen der Leitstellen, die lebensbedrohliche Patientenanfragen koordinieren, und den etablierten Erstsichtungsmethoden der Notaufnahmen, die Hochrisikopatienten fokussieren, könnte SmED eine wichtige Lücke im Niedrigrisikobereich schließen.

Er betonte jedoch, dass in den Notaufnahmen der Krankenhäuser sofort nach dem Eintreffen der Notfallpatienten eine medizinische Ersteinschätzung erfolgen müsse, die auf die Identifizierung und Priorisierung von Hochrisikopatienten fokussiere. Dafür ständen bereits international standardisierte Ersteinschätzungssysteme wie die „Manchester Triage“ zur Verfügung. Die Vorteile gegenüber SmED beständen dabei darin, dass neben den klinischen Symptomen auch Vitalwerte beurteilt würden und somit auch Patienten als Hochrisikopatienten identifiziert werden könnten, die nicht in der Lage sind, sich adäquat zu artikulieren oder die sich mit atypischen Symptomkonstellationen vorstellen.

Lösung muss aus der Ärzteschaft kommen

Hofmeister betonte, dass die Lösung des Problems der derzeit teilweise stattfindenden Fehlallokation von Notfallpatienten nicht von Politikern kommen müsse, sondern aus der Ärzteschaft selbst.

Und Henke erklärte: „Die Probleme in der Notfallversorgung lassen sich nur gemeinsam lösen, in ärztlicher Kooperation und über die Sektorengrenzen hinweg. Deshalb sollte eine Neustrukturierung der Notfallversorgung dem Grundgedanken einer sektorenübergreifenden Herangehensweise folgen, die alle beteiligten Sektoren einbezieht.“

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #98693
Joker61
am Montag, 16. Juli 2018, 11:34

Chance vergeben

Schade - da wird nun ein Haufen Geld ausgegeben für die Entwicklung eines neuen Systems - dabei gibt es derartige Systeme bereits seit Jahren auch in deutschen Notaufnahmen. Zum weitverbreiteten Manchester Triage System, welches auch vom G-BA als geeignetes Instrument anerkannt wurde (zwischen den Zeilen des Beschlusses lesen!) gibt es bereits eine evaluierte Telefonvariante. Hätte man sich für diese entschieden, so stünde sofort ein bereits umfangreich evaluiertes System (England, Portugal/Azoren, Norwegen) zur Verfügung. Die Rettungsleitstellen in Deutschland und deren Softwarehersteller interessieren sich aus diesem Grund bereits für die Manchester Telefon Triage! Aber bei der KBV wird lieber das Rad neu erfunden... Chance vertan!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 27. Juni 2018, 10:55

SmED – Kopfgeburt der KBV?

Das Deutsche Ärzteblatt stellt mit dem "strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland" (SmED) ein "softwarebasiertes Instrument zur Begutachtung von Notfallpatienten" ohne spezifische Quellenangaben vor. Und im gesamten Internet ebenso wie auf den Webseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) finden sich keinerlei detaillierte Informationen?

Hoffnung besteht nur auf zukünftige Aufklärung durch die KBV: Sie will offensichtlich erst zur KBV-Herbsttagung 2018 mit "Perspektiven des Sicherstellungsauftrags" am 10. Oktober 2018, 10 bis 17.30 Uhr punkten http://kbv.de/html/herbsttagung.php
Aus dem Anmeldetext:
"Nach dem gelungenen Auftakt des Formats der KBV Herbsttagung in 2016 dient auch die diesjährige Herbsttagung am 10. Oktober 2018 als Plattform für ein breites Fachpublikum, um die Perspektiven des Sicherstellungsauftrags zu beleuchten.
Vor diesem Hintergrund werden aktuelle Konzepte und Projekte zur Bedarfsplanung, integrierten Notfallversorgung und intersektoralen Versorgung vorgestellt. Im Anschluss werden auf dem Podium Innovationsprojekte zur Sicherstellung der Versorgung präsentiert.
Am Nachmittag wird die Themenpalette erweitert um standardisierte Ersteinschätzung, Patienteninformation und -befähigung, und Plattformökonomie, als ein mögliches Modell für Ärzte und Patienten..."

Ohne detaillierte Vorinformationen soll dann die Katze aus dem Sack gelassen und folgende Punkte referiert werden:
"1. Triage standard NTS (Netherlands)
Tessa Postuma, Nederlandse Triage Standaard
2. SmED: Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland
Dr. Andreas Meer, in4medicine
3. Triage am gemeinsamen Tresen - Aus Sicht einer Anlaufpraxis
Dr. Reimar Vogt, Ärztezentrum Pahlen-Dörpling
4. Triage am gemeinsamen Tresen - Aus Sicht eines Krankenhauses
Dr. Peter-Friedrich Petersen, Zentrale Notaufnahme Klinikum Frankfurt Höchst" (Zitat Ende) http://kbv.de/html/herbsttagung.php

Dringt man genauer in das aus der Schweiz entlehnte SmED-Konzept ein, findet man nur Althergebrachtes und Bekanntes:
https://notfallpflege.ch/files/_Demo/Dokumente/Veranstaltungen/Skripte_FB_2012/Telefontriage_A_Meer.pdf
A. Die "Telefon-Triage bedeutet eine bewusste Entscheidung zu treffen, damit Patienten:
– mit dem richtigen Beschwerdebild: WAS?
– zur richtigen Zeit: WANN?
– am richtigen Ort: WO?
– durch die richtige Person: WER?
– medizinisch richtig beurteilt und behandelt werden: WIE?"

B. Den "Gesprächsleitfaden 'BIRNE'
– B = Beschwerde -> Leitbeschwerde/Leitsymptom erfassen
– I = Information -> Notwendige Informationen einholen
– R = Ratschlag -> Ratschlag erteilen, Handlungsanweisungen geben
– N = Netz -> Netz zur Absicherung
– E = Evaluation -> Wurden die Anweisungen verstanden, können diese
durchgeführt werden" und

C. "Befragung nach Dimensionen
– Dimension der unmittelbaren Lebensbedrohung
• Gewinnt einen Eindruck zum Allgemeinbefinden und den Vitalzeichen
– Symptomorientierte Dimension
• Dauer
• Beginn
• Lokalisation
• Stärke/Höhe/Ausprägung
• Art und Weise
• Auslösende Faktoren
• Verlauf
– Patientenorientierte Dimension
• Kontext
• Zusätzliche Einflüsse
• Begleitbeschwerden
• Begleitdiagnosen
• Medikamente
– Handlungsorientierte Dimension
• Bereits versuchte Handlungsmaßnahmen/Therapien
• Bereits stattgehabte Arztbesuch/e" (Zitat Ende)
https://notfallpflege.ch/files/_Demo/Dokumente/Veranstaltungen/Skripte_FB_2012/Telefontriage_A_Meer.pdf

Zusammengefasst liest sich das entsprechende Weiterbildungsangebot so:
http://docplayer.org/10304787-Die-richtige-behandlung-zur-richtigen-zeit.html
"in4medicine AG Pavillonweg 3 3012 Bern Schweiz Tel: +41 31 370 13 30
'Die richtige Behandlung – zur richtigen Zeit'
Weiterbildungsangebot..."
"Lernziele
3.3.1. Modul 1 Grundlagen
- Die Teilnehmenden (TN) führen ein Beratungsgespräch durch anhand des
Gesprächsleitfadens BIRNE
- Die TN führen die Symptombefragung nach Dimensionen durch, unter
Einbezug des med. Leitfadens RED FLAGS
- Die TN erlangen Sicherheit bei der Erfassung der Dringlichkeit für die
besprochenen Leitsymptome
- Die TN sind in der Lage zu den besprochenen Leitsymptomen Handlungsempfehlungen abzugeben
- Die TN setzen das Gelernte in ihrem Praxisalltag um
3.3.2. Modul 2 Vertiefung
- Die Teilnehmenden (TN) führen ein Beratungsgespräch durch anhand des
Gesprächsleitfadens BIRNE und des medizinischen Leitfadens RED FLAGS
- Die TN bestimmen die Dringlichkeit der definierten Leitsymptome
- Die TN stellen Handlungsempfehlungen für definierte Leitsymptome zusammen
- Die TN verstehen die verschiedenen Fragetechniken und wissen in welchen
Gesprächssituationen sie anzuwenden sind.
- Die TN erlangen Sicherheit in der praktischen Anwendung des medizinischen
Leitfadens RED FLAGS
- Die TN setzen das Gelernte in ihrem Praxisalltag um" (Zitat Ende)
http://docplayer.org/10304787-Die-richtige-behandlung-zur-richtigen-zeit.html

Leserinnen und Leser des Deutschen Ärzteblattes können aus ihren beruflichen Erfahrungen mit Anamnese, Untersuchung, Beratung, Therapie sicherlich beurteilen, dass für die vertragsärztliche Versorgung ein "strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland" (SmED) beim besten Willen keine herausragende Innovation ist. Damit blamiert sich nur die KBV.

Bereits mit der Namensgebung "SmED": "Strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland" als angeblich innovatives softwarebasiertes Instrument zur Begutachtung von Notfallpatienten setzt sich die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) einer gewissen Peinlichkeit aus.

Denn der Begriff SMED steht als Akronym bereits für "Single Minute Exchange of Die" (SMED; dt.: Werkzeugwechsel im einstelligen Minutenbereich) und bezeichnet im Zusammenhang mit Quick Change Over (QCO, zu Deutsch schnelles Rüsten) ein Verfahren, das die Rüstzeit einer Produktionsmaschine oder einer Fertigungslinie reduzieren soll.
https://de.wikipedia.org/wiki/Single_Minute_Exchange_of_Die

Das englische Substantiv "Die" (Plural: dice, dies) hat übrigens nichts mit dem Verb "to die" (sterben) zu tun, sondern bezeichnet den technischen Begriff "Matrize" als Urform z. B. im Gießerei-Verfahren. Musterbeispiel für SMED ist der nur noch in Sekunden getaktete Reifenwechsel beim Boxenstopp in Formel-1-Autorennen.

SmED der KBV kann keineswegs Anamnese, Untersuchung, Beratung, Therapie in der vertragsärztlichen Versorgung ersetzten, führt aber mit Sicherheit zu einem erhöhten bürokratischen Aufwand mit zusätzlicher Dokumentationspflicht und Qualitätssicherung elementarer ärztlicher Untersuchungs- und Behandlungstechniken.

Nur noch vergleichbar mit Fehlentscheidungen zu KBV-Notfallpauschalen mit GOP 01205 und 01207 nach EBM als unerwünschte Klinik-Almosen. Dazu habe ich am 11.5.2017 in der ÄZ kommentiert:

"KBV-Absurditäten-Abklärungspauschale? - Die neue Abklärungspauschale im Bereitschafts- und Notfalldienst kann bei Notfallbehandlung nun nicht mal im Zwei-Minutentakt funktionieren!

Ist es Naivität oder Ignoranz, wenn der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Kollege Dr. med. Andreas Gassen behauptet, die Pauschale sei eingeführt worden, weil es Fälle gebe, in denen Patienten mit Bagatellerkrankungen oder nur für ein Rezept eine Notfallambulanz aufsuchten?

Dr. med. Gassen im O-Ton weiter: „Diese Patienten soll der Krankenhausarzt dann zum niedergelassenen Arzt schicken. Für diese Abklärung hat das Krankenhaus bisher kein Geld bekommen“, ist eine krasse Fehleinschätzung. Denn selbstverständlich wurden derartige "Bagatellfälle" zur Quersubvention aufwändiger echter Notfälle voll abgerechnet, entsprechend dem gleichmacherischen Durchschnitts-Vergütungs-Prinzip mit Regelleistungsvolumina (RLV) in der haus- und fachärztlichen, vertragsärztlichen Praxis."

Selbstverständlich werden ausnahmslos alle in Klinik-Ambulanzen
"notfallmäßig" auftauchenden, sogenannten Bagatellfälle für Rp.-Wünsche, AU und Befindlichkeitsstörungen als Notfallpatienten abgerechnet und bei freier Bettenkapazität auch stationär aufgenommen. Die gesamte Krankenhausökonomie lebt davon!

So berichtet auch das aktuelle Deutsche Ärzteblatt (DÄ), dass die Krankenhaus Direktoren dafür plädieren, mit Kliniken als erste Anlaufstelle in der Notfallversorgung mehr Umsatz zu generieren:

"Berlin – Krankenhäuser müssen offiziell die erste Anlaufstelle für die ambulante Notfallversorgung werden. Das hat der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) gefordert und zugleich Pläne von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Marburger Bund (MB) vom vergangenen Freitag zurückgewiesen. Damit ist ein vor sich hin schwelender Streit erneut entbrannt.

KBV und MB hatten sich nach einer Sitzung für eine gemeinsame und einheitliche erste Anlaufstelle für die Notfallversorgung von Patienten ausgesprochen. Vorgesehen ist, dass Rettungs- und vertragsärztlicher Bereitschaftsdienst in diese Anlaufstelle, in der entsprechend qualifiziertes Personal eine erste Einschätzung des Patienten vor­nehmen soll, einbezogen werden. Eine Reform soll zudem die Notfallnummer 112 und die bundes­weite Bereitschaftsdienstnummer 116117 einbeziehen."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77180/Notfallversorgung-Krankenhausdirektoren-plaedieren-fuer-Klinik-als-erste-Anlaufstelle

Die Notfall-Abklärungs-Pauschalen der KBV
- GOP 01205 für die Inanspruchnahme des Notdienstes tagsüber an Wochentagen; einmal im Behandlungsfall, 45 Punkte
und
- GOP 01207 für die Inanspruchnahme des Notdienstes nachts, an Wochenenden und Feiertagen; einmal im Behandlungsfall, 80 Punkte
waren, sind und bleiben ebenso wie das von der KBV kreierte SmED Realsatire.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #79783
Practicus
am Montag, 25. Juni 2018, 23:34

back to topic

Intelligente Algorithmen beherrschen die Triage mindestens ebenso gut wie Ärzte oder speziell geschulte KrankenpflegerInnen, und mit jedem Tag des Einsatzes lernen die Systeme dazu. Der britische NHS arbeitet auch schon länger mit Anbietern entsprechender Syteme erfolgreich zusammen
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 25. Juni 2018, 23:10

Versagen der Leitenden

Die Gewalt gegenüber Nothelfern hat sich innerhalb von 5 Jahren zugespitzt. Vor 10 Jahren redeten die Leiter im Rettungsdienst den Teams Schuldgefühle ein, wenn sie Opfer von Tätlichkeiten wurden. Dann folgten Schulungen zum Umgang mit Aggression. Was benötigen die Helfer heute?
https://www.waz.de/panorama/rettungskraefte-angegriffen-notaerztin-schwer-verletzt-id214668089.html
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 25. Juni 2018, 22:49

Also muß die rechtliche Definition geändert werden

"Die rechtliche Defi nition bezieht sich nicht nur auf lebensbe-
drohliche Situationen, sondern umfasst alle Patienten, die die Infrastruktur der Notfallversorgung in Anspruch nehmen. So gilt auch ein Patient als Notfall, der in der Nacht aufgrund einer Bagatellerkrankung die Notaufnahme aufsucht."
11
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 25. Juni 2018, 22:21

Klare amerikanische Analysen

"Emergency rooms (ERs) are intended to provide care for acute and life-threatening medical conditions for people of all ages, but use is highest among older adults and young children (1). In 2012, 18% of children aged 0–17 years visited the ER at least once in the past year (2). Rising health care costs make it important to understand the reasons that families with children seek ER care, rather than less expensive office-based or outpatient care (3). Families visiting the ER at night or on weekends may have different characteristics or reasons for using the ER than those who visit during the day (4). Previous research among adults found that the majority visited the ER because “only a hospital could help,” or the “doctor’s office [was] not open” (5). This report provides comparable statistics on reasons for children’s ER use." [https://www.cdc.gov/nchs/data/databriefs/db160.htm]

Es fehlen vergleichbare Aussagen zu den Gründen der Inanspruchnahme von Notfalleinrichtungen in Deutschland.
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 25. Juni 2018, 22:17

Fehlende Transparenz der Notfallversorgung in Deutschland

Der National Ambulatory Care Survey 2015 berichtet, daß 35,4% der Notfallpatienten innerhalb von 15 min gesehen worden sind. 9% der Untersuchungen führten zu Einweisungen ins Krankenhaus. 43,3% der Versicherten wurden als Notfälle registriert [https://www.cdc.gov/nchs/fastats/emergency-department.htm]. Es fehlen Vergleiche mit den Leistungen der deutschen Notfallversorgung. Die fortwährend zitierten steigenden Fallzahlen können nicht in einer wissenschaftlichen Recherche gefunden werden.
Der Anteil der Armen an der Notfallversorgung zeigt in Amerika eine leicht steigende Tendenz und liegt etwa bei 30%. Bis zu 25% der Patienten sind nicht versichert. Ein Drittel der Patienten ist privat versichert.
Es fehlen vergleichbare Darstellungen für Deutschland. Die Verwendung des ICD-Codes für Armut stieß bereits vor 10 Jahren bei den Kassenärztlichen Abrechnungsstellen auf verständnislose Ablehnung der Diagnose.
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 25. Juni 2018, 21:51

Verleich erforderlich

Die elektronische Anleitung der Mitarbeiter von Notdienstzentralen sollte mit langjährig gebräuchlichen klinischen Systemen verglichen werden. Dies kann mit Fallvignetten simuliert werden. Mit der Zuordnung von Wartezeiten kann mit dem Manchester Triage System die Kapazität einer Notfalleinrichtung mit der Warteschlange abgeglichen werden. Welchen Vorteil bietet demgegenüber die Beurteilung der Dringlichkeit mit SmED?
LNS

Nachrichten zum Thema

17. August 2018
Bochum – Die Jungen Liberalen (JuLi) setzen sich für eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes ein, sodass die Möglichkeit einer Notfall-SMS für Menschen mit eingeschränkter Sprechfähigkeit
Junge Liberale wollen Notruf per SMS für Menschen mit Sprachbehinderung
10. August 2018
Weimar – Thüringen will die Zahl seiner Rettungsleitstellen deutlich reduzieren. Ein gestern in Weimar vorgestelltes Gutachten im Auftrag des Innenministerium empfiehlt, statt der bisherigen 13 nur
Rettungsleitstellen in Thüringen sollen reduziert werden
7. August 2018
Berlin – Forderungen für eine sinnvolle Digitalisierung der Notfallmedizin in Deutschland haben die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche
Fachgesellschaften legen Fünf-Punkte-Plan für Digitalisierung der Notfallversorgung vor
6. August 2018
Hamburg – Der neue Notfalldienst Arztruf Hamburg 116117 ist in Hamburg im Juni und Juli etwas weniger genutzt worden als beim Start im Mai. Doch das sei normal während des Sommers, erklärte Jochen
Neuer Notfalldienst in Hamburg etwas weniger genutzt
2. August 2018
Delmenhorst – Bei Hausbesuchen von Patienten könnte Telemedizin bald eine größere Rolle spielen. In Delmenhorst, Lemwerder und Ganderkesee in Niedersachsen wird derzeit getestet, ob der
Sanitäter übernehmen Bereitschaftsdienste in Niedersachsen
26. Juli 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin will die ambulante Notfallversorgung in der Hauptstadt verbessern. Dreh- und Angelpunkt soll dabei auch künftig die bundesweite Telefonnummer des
Intelligente Leitstelle soll ambulante Notfallversorgung in Berlin steuern
25. Juli 2018
Witten – Experten der Universität Witten/Herdecke, des Pflege e.V. und anderer Einrichtungen haben Verbesserungen der oft überlasteten zentralen Notaufnahmen in den Krankenhäusern gefordert. So
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER