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Hawaii verbietet bestimmte Sonnencremes

Dienstag, 26. Juni 2018

/dpa

Honolulu – Als erster US-Bundesstaat hat Hawaii vor wenigen Wochen ein Gesetz verabschiedet, das den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten enthaltenen Chemikalien verbietet, trotz des Widerstands mehrerer Sonnencreme-Hersteller. Am 1. Januar 2021 tritt es in Kraft. Hawaii will damit den Ozean und die Riffe schützen.

„Das ist ein historisches Gesetz für unsere Meere“, sagte der demokratische Bundes­staatssenator Mike Gabbard. Er hoffe, dass man in 20 Jahren zurückschauen könne und sehe, dass dies der Moment gewesen sei, an dem man der Verschmutzung den Kampf angesagt habe, und dass das Gesetz auf der ganzen Welt kopiert werde. Zuvor gab es unter anderem in einigen Teilen Mexikos und an einigen Unesco-Weltnaturerbestätten ähnliche Verbote.

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Octinoxat und Oxybenzon

Das Problem sehen Wissenschaftler vor allem in zwei Inhaltsstoffen: Octinoxat und Oxybenzon, beide in Hawaii nun verboten. Sie werden in vielen Sonnencremes als UV-Filter benutzt, sollen die Ultraviolettstrahlung der Sonne davon abhalten, die Haut des Menschen zu schädigen. „Diese Chemikalien sind inzwischen überall in der Natur zu finden, von der Arktis bis hin zu abgelegenen Korallenriffen im Südpazifik. Man findet sie in Delfinen, Eiern von Wildvögeln, vielen Fischen, die wir essen, und in Korallen“, sagte der Forscher Craig Downs vom Haereticus-Labor in Virginia.

Mögliche Folgen der Chemikalien im Meer können demnach zum Beispiel Korallen­bleiche oder Schäden am Erbgut von Fischen oder Korallen sein. „Auch andere Chemikalien in Sonnencreme können Schäden verursachen, aber die Forschung ist noch ziemlich jung und es ist noch nicht viel veröffentlicht worden“, sagte er. Natürlich sind die Chemikalien in Sonnencremes nicht die einzige Gefahr für Meere und Korallenriffe – aber Experten hoffen, dass dieses Problem sich einfacher in den Griff bekommen lässt als beispielsweise der Klimawandel und die Verschmutzung durch Abwässer oder Plastikmüll.

210 Liter pro Tag

Rund 14.000 Tonnen Sonnencreme landen Schätzungen zufolge jedes Jahr im Meer. Wo besonders viele Touristen sind – wie in Hawaii mit seinen rund neun Millionen Besuchern jährlich – ist der Schaden im Meer besonders deutlich. Alleine auf der Insel Maui landen nach Hochrechnungen jeden Tag rund 210 Liter Sonnencreme im Meer.

Gleichzeitig sind die Korallenriffe rund um die Insel in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft, teilweise um mehr als die Hälfte. „Meine Prognose ist, dass es bald keine lebenden Korallenriffe in Hawaii mehr geben wird, die Touristen besichtigen können“, sagte Downs. „Hawai'i wird wie die Florida Keys, ein netter Platz, um am Strand zu liegen, aber es wird seinen kostbarsten Bodenschatz und seine größte Touristenattraktion verloren haben.“

Auch in Deutschland sind UV-Filter aus Sonnencremes in Gewässern zu finden – zum Beispiel in der Ostsee, wie Messungen in Strandnähe 2015 ergeben haben. Es geht im Meerwasser um Konzentrationen im Nanogramm-Bereich, wie Kathrin Fisch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde erläutert. „Ein Nanogramm pro Liter ist wie ein Salzkorn in einem Olympiaschwimmbecken.“

Auch das Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich vorsorglich seit Jahren mit UV-Filtern. Hintergrund sind Erkenntnisse, dass einige der Stoffe hormonähnlich wirken, sich in der Umwelt und in Organismen anreichern und toxischen Stress auslösen können – mit unklaren Langzeitfolgen für Ökosysteme. „Die Konzentrationen an chemischen UV-Filtern, die in deutschen Gewässern gemessen werden, sind bisher noch so, dass kein Fisch akut lebensbedroht ist“, sagte UBA-Experte Jürgen Arning. Ein flächendeckendes Monitoring von Gewässern in Hinblick auf UV-Filter gebe es nicht.

3-Benzylidencampher ist ein Beispiel für einen UV-Filter, der in der EU aus Kosmetik verbannt wurde, weil durch die Hormonwirkung schädliche Folgen für Organismen in Gewässern angenommen werden. Zu den beiden auf Hawaii beanstandeten Substanzen gebe es noch keine endgültige Bewertung im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung, erklärte Arning. Für ihn ist der Fall Hawaii eine Ausnahme. „Es gibt eigentlich fast nie die Situation, dass man ein Umweltproblem klar auf eine bestimmte Chemikalie zurückführen kann. Es kommen mehrere Faktoren zusammen.“

Schutz vor UV-Licht ratsam

Aus dermatologischer Sicht sei hierzulande zum Schutz vor UV-Licht zu raten, sagte der frühere Direktor der Hautklinik der RWTH Aachen, Hans Merk. Er betonte aber auch, dass Sonnencreme hierzulande als Kosmetik eingestuft wird und damit für die Inhaltsstoffe laxere Regelungen gelten würden als etwa in den USA, wo die Cremes als Medikament klassifiziert werden.

Sonnencremes mit mineralischen Filtern sind Merk zufolge unter dem Aspekt möglicher Umweltschäden nicht unbedingt die bessere Wahl. Zink- und Titanoxid hätten sich in einer Studie auch als korallenschädlich erwiesen, die zugrundeliegenden Mechanismen seien noch nicht genau verstanden. Gerade für Schnorchler und Taucher sei deshalb UV-Schutz durch Textilien statt Cremes ratsam – weitere Empfehlungen seien beim bisherigen Kenntnisstand nicht möglich. © dpa/aerzteblatt.de

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