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„Insulin-auf-Probe“ kann Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen nicht aufhalten

Dienstag, 26. Juni 2018

/dpa

Seattle – Die Hoffnung, die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen wie bei Erwachsenen durch eine vorübergehende Therapie mit einem Basal-Insulinanalogon zu bremsen, hat sich in einer Pilotstudie in Diabetes Care (2018; doi: dc180787) nicht erfüllt. Nähere Untersuchungen des Stoffwechsels (dc180243 und dc180244) ergaben, dass die Insulinresistenz bei den Heran­wachsenden deutlich ausgeprägter ist als bei Erwachsenen mit beginnendem Typ-2-Diabetes.

Zu den besorgniserregenden Entwicklungen der letzten Jahre gehört, dass immer mehr Kinder und Jugendliche am Typ-2-Diabetes erkranken, der früher als Altersdiabetes bezeichnet wurde und noch früher (in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg) eine seltene Erkrankung war, während heute fast jeder zehnte Erwachsene betroffen ist.

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Ein Typ-2-Diabetes kann durch eine gesunde Ernährung vermieden werden. Im Frühstadium der gestörten Glukosetoleranz hat auch eine Behandlung mit Metformin eine präventive Wirkung erzielt. Diabetologen aus China haben vor zehn Jahren in einer Studie gute Erfahrungen mit einer vorübergehenden Insulintherapie gemacht. Die Funktion der Beta-Zellen wurde durch die „Insulin-auf-Probe“-Kur so weit normalisiert, dass die Patienten über viele Monate gar keine Medikamente mehr benötigten (Lancet 2008; 371: 1753-1760).

Dies hat das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) zu einer Gruppe von Studien veranlasst, in denen nach Wegen gesucht wird, die Insulinsekretion bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder Typ-2-Diabetes zu verbessern.

Derzeit laufen drei RISE-Studien („Restoring Insulin Secretion“), davon zwei bei Erwachsenen und eine bei Kindern. In der RISE Adult-Studie werden Erwachsene mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes mit Placebo, Metformin, Metformin plus Liraglutid oder mit Insulin glargin gefolgt von Metformin behandelt. Die BetaFat-Studie vergleicht Metformin mit einem Magenband.

In der RISE Peds-Studie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, wurden 91 Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren mit gestörter Glukosetoleranz oder beginnendem Typ-2-Diabetes (HbA1c unter 8 Prozent) auf zwei Behandlungsgruppen randomisiert. Alle Kinder waren adipös (BMI 85. Perzentile oder höher), bei 60 Prozent lag eine gestörte Glukosetoleranz vor, bei den anderen 40 Prozent war vor weniger als sechs Monaten ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden.

In der ersten Gruppe wurden die Patienten zunächst über drei Monate mit Insulin glargin behandelt. Ziel war ein Blutzucker von 4,4 bis 5,0 mmol/l (80 bis 90 mg/dl). Es folgte eine neunmonatige Therapie mit Metformin (bis zu 1000 mg zweimal täglich).

In der zweiten Gruppe wurden die Teilnehmer über die gesamten 12 Monate mit Metformin behandelt. Die Teilnehmer wurden dann für weitere drei Monate nach Beendigung der Behandlung überwacht. Primärer Endpunkt war die Beta-Zell-Funktion, die vor und nach der Behandlung sowie drei Monate später mit der hyperglykämischen Clamp-Technik ermittelt wurde.

Bei der hyperglykämischen Clamp-Technik wird der Blutzuckerspiegel durch eine intravenöse Infusion von Glukose konstant auf einem bestimmten Niveau gehalten. Die Bestimmung des Insulinspiegels zeigt dann an, wie stark die Reaktion der Beta-Zellen ausfällt.

Wie das Team um Sharon Edelstein von der University of Washington School of Medicine in Seattle berichtet, gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Beta-Zell-Funktion hatte sich – anders als erhofft – in beiden Gruppen am Ende der Behandlung sogar leicht verschlechtert. Die „Insulin-auf-Probe“-Kur hatte ihr Ziel – anders als in der Studie aus China an Erwachsenen – offenbar nicht erreicht.

Der Vergleich der Insulinwirkung von 66 jugendlichen und 355 erwachsenen Teilnehmern des RISE-Projekts liefert eine mögliche Erklärung für die enttäuschenden Ergebnisse. Bei den jugendlichen Patienten zeigte die hyperglykämische Clamp-Technik überraschenderweise eine um 46 Prozent schlechtere Insulinwirkung an: Die Beta-Zellen mussten deutlich mehr Insulin produzieren, um die per Infusion zugeführte Glukosemenge auf die Zellen zu verteilen. Auch der Abbau von Insulin in der Leber war vermindert.

Ein Glukosetoleranztest bestätigte, dass die prädiabetischen Kinder und Jugendlichen deutlich mehr Insulin benötigten als Erwachsene mit einen Prädiabetes.

Die Studie kann allerdings nicht genau klären, worauf die schlechtere Insulinwirkung, sprich Insulinresistenz, bei den jugendlichen (Prä)-Diabetikern beruht. Dass sie (einzig) Folge des Typ-2-Diabetes ist, muss bezweifelt werden. Der Editorialist John Buse von der Universität von North Carolina in Chapel Hill weist darauf hin, dass die Insulinwirkung während der Pubertät und im heranwachsenden Alter auch bei gesunden Menschen vermindert ist. Da es keine Vergleichsgruppe mit stoffwechselgesunden Jugendlichen in der RISE-Studie gab, muss unklar bleiben, welchen Anteil Physiologie und Pathologie an der verminderten Insulinwirkung haben. © rme/aerzteblatt.de

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