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Ärzteschaft

Mit Daclizumab behandelte MS-Patienten weiterhin kritisch beobachten

Mittwoch, 27. Juni 2018

München/Göttingen – Ärzte sollten Patienten mit Multipler Sklerose (MS), die den Antikörper Daclizumab (Handelsname Zinbryta) erhalten haben, weiterhin gut beobachten, weil schwere Enzephalitiden und Meningoenzephalitiden auch noch Monate nach Absetzen entstehen könnten. Das empfiehlt das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS).

Erkenntnisse aus sieben untersuchten Fällen aus dem KKNMS-Zentrum Göttingen sollen behandelnden Neurologen helfen, diese gefährlichen Erkrankungen zuverlässig zu erkennen. „Alle ehemaligen Daclizumab-Patienten sollten auf diese Symptome hin beobachtet werden, um die potentiell tödlich verlaufenden Nebenwirkungen frühzeitig und zuverlässig zu erkennen“, empfiehlt Wolfgang Brück, Vorstandsmitglied des KKNMS und Direktor des Instituts für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen. Er weist auf fünf Punkte hin.

  • Auf systemische Symptome wie Fieber oder gastrointestinale Symptome achten, welche zusätzlich zu Symptomen einer Meningo-/Enzephalitis auftreten. 
  • Bei den betroffenen Patienten Wesensänderungen beachten, die auftreten können.
  • Eosinophilen Granulozyten können im peripheren Blut erhöht sein, daher diese bestimmen.
  • Bei MRT-Kontrollen sollten Ärzte neben neuen Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen auf eine meningeale Kontrastmittelaufnahme, eine Kontrastmittelaufnahme des Ependyms, der Hirnnerven oder spinaler Nerven achten. Auch Veränderungen, wie sie bei einer Vaskulitis gesehen werden, können auftreten.
  • Im Liquor finden sich typischerweise eine erhöhte Zellzahl und ein deutlich erhöhtes Gesamtprotein.

Die Hersteller Biogen und AbbVie hatten das Medikament Zinbryta im Frühjahr diesen Jahres vom Markt genommen. Es war 2016 zur Behandlung der schubförmigen MS zugelassen wurde.

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Zinbryta enthält den monoklonalen Antikörper Daclizumab, der am CD25-Rezeptor von T-Zellen bindet und diese damit unempfindlich macht gegen die Signale von Inter­leukin 2. Die resultierende immunsuppressive Wirkung wurde zunächst zur Prävention von Abstoßungsreaktionen bei Patienten mit Nierentransplantationen genutzt. In dieser Indikation war Daclizumab zwischen 1999 und 2009 als Zenapax zugelassen, bis der Hersteller auf die Zulassung verzichtete – wie es hieß aus kommerziellen Gründen.

Im August 2016 wurde Daclizumab erneut zugelassen, allerdings nicht für Nieren­transplantierte, sondern als Zinbryta zur Behandlung von erwachsenen MS-Patienten mit schubförmiger Verlaufsform. Im vergangenen Jahr wurde der Einsatz jedoch auf Patien­ten beschränkt, bei denen eine rasch fortschreitende MS nicht auf andere Behand­lungs­optionen angesprochen hatte. © hil/aerzteblatt.de

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