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Kinder- und Jugendgesundheit: Präventionskurse und Appelle bringen wenig

Mittwoch, 27. Juni 2018

Kochkurs für Kinder bei der Grünen Woche. /dpa
Kochkurs für Kinder bei der Grünen Woche. /dpa

Berlin – Bei der Hinführung zu einem gesunden Lebensstil sind Einzelmaßnahmen wie Trainings- oder Kursangebote, die auf eine Verhaltensänderung bei Personen oder Familien abzielen, wenig effektiv. Zudem kommen solche Maßnahmen bei sozial benachteiligten Gruppen kaum an. Zu dieser Einschätzung kommt das Robert Koch-Institut  (RKI). Es stützt sich dabei auf neue Daten aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), die im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurden (2018; doi: 10.17886/RKI-GBE-2018-067).

Sinnvoller sei es, Maßnahmen umzusetzen, die an den konkreten Lebensbedingungen und gesellschaftlichen Strukturen ansetzen. Wichtig sei, die Lebensumstände der Menschen so zu verändern, dass es ihnen leichter falle, gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen. „Angesichts der bereits früh im Lebenslauf ausgeprägten sozialen Unterschiede im Gesundheitsverhalten sind Maßnahmen für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche und ihre Lebensbedingungen besonders wichtig“, sagte der RKI-Präsident Lothar Wieler.

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Die RKI-Wissenschaftler erfassen in der Studie den sozioökonomischen Status mit einem Index, der auf Angaben der Eltern zu ihrem Bildungsstand, ihrer beruflichen Stellung und der Einkommenssituation basiert. Mittels Fragebogen erhobenen die Forscher Daten von 6.810 Mädchen und 6.758 Jungen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren.

Wie häufig sich Kinder und Jugendliche im Freien bewegen, hängt danach maßgeblich von den Wohnverhältnissen ab, von Grünflächen, Sportangeboten und dem Verkehrsaufkommen. Die Verhältnisse spielen offenbar auch bei der Ernährung eine wichtige Rolle. So steige die Wahrscheinlichkeit einer ungesunden Ernährung, wenn in der Nachbarschaft vor allem Fast-Food-Angebote dominierten.

Die RKI-Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien sich häufiger ungesünder als Gleichaltrige aus bessergestellten Familien ernähren. Zudem treiben sie seltener Sport und sind häufiger übergewichtig oder adipös. Mindestens 90 Minuten Sport pro Woche treiben nur knapp 54 Prozent der 3- bis 17-jährigen Mädchen (rpt: 3- bis 17-jährigen) und knapp 63 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Heranwachsende, deren Mütter oder Väter mindestens eine Stunde wöchentlich Sport treiben, haben eine doppelte so hohe Chance, selbst Sport zu treiben, wie solche, deren Eltern unter eine Stunde pro Woche aktiv sind.

„Neben dem Vorleben eines gesunden Lebensstils in der Familie und in den Lebenswelten, in welchen Kinder und Jugendliche aufwachsen, müssen auch Wohnumgebungen gesundheitsorientierter gestaltet werden, damit Kinder und Jugendliche dabei unterstützt werden, die nationalen Empfehlungen zu körperlich-sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung zu erreichen“, schreiben die RKI-Forscher. 

Jugendliche trinken weniger Alkohol

Die KiGGS-Daten ergaben auch, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland wesentlich weniger Tabak rauchen als noch vor zehn Jahren und auch weniger Alkohol trinken. Gut die Hälfte der befragten 11- bis 17-Jährigen (51 Prozent) hatte schon Alkohol getrunken. Von regelmäßigem Rauschtrinken berichten 7 Prozent. Bei der KiGGS-Erhebung vor zehn Jahren waren es noch rund 64 und 12 Prozent.

Auch beim Rauchen gibt es einen positiven Trend: Gut 7 Prozent der 11- bis 17-Jährigen rauchen der Studie zufolge zumindest gelegentlich, rund die Hälfte davon tut es täglich. Zehn Jahre vorher rauchten noch 21,4 Prozent zumindest gelegentlich. Auch die Zahl der regelmäßigen Raucher hat stark abgenommen. Rauchten Elternteile, so hatten die Jugendlichen ein doppelt so hohes Risiko, dies ebenfalls zu tun. Eine weitaus größeren Einfluss hatten jedoch Freunde. Wie viele Jugendliche E-Zigaretten dampfen, wurde nicht untersucht. Die Zahlen deuten laut Studienautoren zwar auf einen Erfolg der Präventionsmaßnahmen hin, es bestehe aber weiter Handlungsbedarf.

© hil/dpa/aerzteblatt.de

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