NewsMedizinFolsäure im Mehl könnte für weniger Psychosen beim Nachwuchs sorgen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Folsäure im Mehl könnte für weniger Psychosen beim Nachwuchs sorgen

Mittwoch, 4. Juli 2018

Aufgrund der in vielen Ländern beobachteten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Supplementierungsempfehlung mit Folsäure werden heute in gut 80 Ländern weltweit Mehl bzw. Getreide und daraus hergestellte Produkte mit Folsäure angereichert.  /redfox331, adobe.stock.com
Aufgrund der in vielen Ländern beobachteten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Supplementierungsempfehlung mit Folsäure werden heute in gut 80 Ländern weltweit Mehl bzw. Getreide und daraus hergestellte Produkte mit Folsäure angereichert.  /redfox331, adobe.stock.com

Charlestown – Ernähren sich Mütter von mit Folsäure angereicherten Getreideprodukten, hat das einen positiven Einfluss auf die kortikale Entwicklung des Fetus. Die erhöhte Folsäureexposition könnte zudem das Risiko für psychiatrische Störungen des Nachwuchs reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Beobachtungsstudie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.1381).

Im März 1996 hat die US-Regierung beschlossen, dass Lebensmittelproduzenten Getreideprodukte mit 140 μg Folsäure pro 100 g anreichern müssen. Stichtag war der 1. Januar 1998. Auf diese Weise sollte eine erhöhte fetale Folsäureexposition gewährleistet werden, die vor allem Frauen und ihrem Nachwuchs im ersten Schwangerschaftsmonat während der kritischen Neuralrohrentwicklung zu Gute kommt.

Forscher des Massachusetts General Hospital (MGH) hatten die kortikale Dicke mittels Magnetresonanztomografie (MRT) und das psychiatrische Risiko bei fast 300 Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren analysiert, die zwischen 1993 und 2001 geboren wurden. Sie wollten prüfen, ob eine erhöhte fetale Folsäureexposition, wie sie die US-Regierung 1996 vorgeschrieben hat, die postnatale Gehirnentwicklung verändert. Zum Vergleich wurden 2 weitere Kohorten mit mehr als 1.000 Jugendlichen untersucht: Philadelphia Neurodevelopmental Cohort (PNC, Jahrgang 1992-2003) und die National Institutes of Health Magnetic Resonance Imaging Study of Normal Brain Development (NIH, 1983-1995).

In der MGH-Kohorte korrelierte die Exposition mit Folsäure mit der kortikalen Dicke im Frontal- und Temporallappen. Die altersbedingte Ausdünnung des Temporal- und Parietallappes verzögerte sich. Ähnliche Beobachtungen machten die Forscher in der fast zeitgleichen PNC-Kohorte. Jugendliche in der PNC-Kohorte mit einer verzögerten Ausdünnung in frontalen, temporalen und parietalen Regionen zeigten zudem seltener Psychosesymptome (Odds Ratio: 0,37-0,59). In der NIH-Kontrollkohorte, die geboren wurden, bevor die Folsäure-Regelung 1997 in Kraft getreten ist, konnten die Forscher in allen Gehirnregionen eine frühere Ausdünnung beobachten.

Neben der bereits bekannten Risikominimierung für Neuralrohrdefekte, könnte Folsäure daher auch Psychosen vorbeugen, schlussfolgern die US-Forscher. Weltweit haben sich bereits 81 Länder dazu entschlossen, Getreideprodukte mit Folsäure anzureichern. Deutschland ist nicht dabei. Im Gegensatz zum Scientfic Advisory Committee on Nutrition rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von einer flächendeckenden Mehlanreicherung ab. Über die kontroversen Empfehlungen berichten 2 Forscher in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts.

Neuralrohrdefekte: Das Veto gegen Folsäure im Mehl sollte überdacht werden

Um die Rate an Neuralrohrdefekten zu senken, ist es in vielen Ländern schon lange üblich, Nahrungsmittel mit Folsäure anzureichern. Hierzulande wurde dem jedoch erneut eine Absage erteilt. Es gibt aber Kritik an dieser Entscheidung. Im September 2017 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Stellungnahme zum Thema Sicherheit der Folsäureanreicherung auf Bevölkerungsebene

© gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER