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Medizin

Schlaganfall: Auch Hochbetagte können von Thrombektomie profitieren

Freitag, 29. Juni 2018

/dpa

Lissabon – Auch hochbetagte Patienten können nach einem Schlaganfall von einer Thrombektomie profitieren. Allerdings sind auch die Risiken beachtlich. Deshalb ist die Patientenauswahl und Risikoeinschätzung besonders wichtig. Das berichtete eine portugiesische Arbeitsgruppe beim vierten Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Lissabon.

„Immer mehr Studienergebnisse belegen die hohe Wirksamkeit der mechanischen Entfernung von Blutgerinnseln nach einem Schlaganfall. Doch noch beschäftigt die Forschung, für wen dieses noch relativ neue Verfahren die beste Behandlungsoption darstellt“, berichtete Ary Lopes de Sousa auf dem Kongress.

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Studien weisen auf Vorteile hin

Bei der endovaskulären Thrombektomie gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, auch größere Gefäßverschlüsse zu entfernen. Dabei wird der Thrombus mit einem über die Leiste eingeführten Katheter aus dem Gehirngefäß herausgezogen. Zahlreiche internationale Studien haben gezeigt, dass die endovaskuläre Behandlung einen deutlichen Fortschritt im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie darstellt.

Ary de Sousa und seine Kollegen untersuchten den Behandlungserfolg einer Thrombektomie bei mehr als 200 Patienten, die einen vorderen akuten ischämischen Schlaganfall erlitten hatten, zuvor im Alltag aber nicht oder nur leicht beeinträchtigt waren. Die Patienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine mit Personen unter 80 und eine mit Personen ab 80 Jahren. Laut den Wissenschaftlern gab es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede in der Behandlung selbst, etwa was das Zeitfenster betrifft, bis zu dem der Blutdurchfluss des verstopfen Gefäßes wiederhergestellt wurde. 

In der älteren Gruppe waren drei Monaten nach der Behandlung zwei Drittel der Patienten in ihren Alltagsverrichtungen mäßig bis stark eingeschränkt. Das waren deutlich mehr Menschen als in der jüngeren Gruppe, wo mit 46 Prozent nur knapp die Hälfte in ihrem Alltag eingeschränkt war. Auf der anderen Seite gab es ein Drittel der Patienten jenseits der 80, die drei Monate nach der Behandlung ihren Alltag wieder ohne oder mit nur leichten Beeinträchtigungen durch den Schlaganfall meistern konnten. Die Mortalität unterschied sich laut den Forschern zwischen den Altersgruppen nicht.

„Für Hochbetagte jenseits der 80 scheint die Thrombektomie also riskanter zu sein als für jüngere Patienten. Doch wenn einem Drittel der Patienten jenseits der 80 der Eingriff zu einem behinderungsfreien Leben verhilft, müssen wir die Faktoren herausfinden, die dieses positive Ergebnis begünstigen. Denn dann können wir das moderne Verfahren gezielt auch jenen Hochbetagten zukommen lassen, die davon profitieren können“, sagte Ary de Sousa auf dem Kongress.

© hil/aerzteblatt.de

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