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Medizin

Opiate könnten Narkolepsie lindern

Freitag, 29. Juni 2018

/dpa

Los Angeles – Die zufällige Entdeckung einer erhöhten Hypocretin-Konzentration im Gehirn von Drogentoten brachte US-Forscher auf die Idee, die Narkolepsie, die durch einen Mangel an Hypocretin ausgelöst wird, mit Opiaten zu behandeln. Erste tierexperimentelle Studien in Science Translational Medicine (2018; 10: eaao4953) zeigen, dass die Therapie erfolgreich sein könnte.

Im Jahr 2000 hatte ein Team um Jerome Siegel von der Universität von Kalifornien in Los Angeles entdeckt, dass die Narkolepsie mit einem Verlust von 90 Prozent der etwa 80.000 Gehirnzellen einhergeht, die den Neurotransmitter Hypocretin (Orexin) bilden. Inzwischen gilt es als erwiesen, dass die Narkolepsie wenigstens teilweise auf einen Mangel an Hypocretin zurückgeht (was unter anderem zur Entwicklung des Schlafmittels Suvorexant geführt hat, einem reversiblen Orexin-Antagonisten).

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Die US-Forscher haben kürzlich die Gehirne von vier Menschen untersucht, die nach einer Überdosis Heroin gestorben waren. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass die Zahl der Hypocretin-bildenden Zellen um 54 Prozent höher war als bei Menschen ohne Opiat-Sucht. Sie behandelten daraufhin gesunde Mäuse mit Morphium. Schon nach kurzer Zeit kam es bei den Nagern zu einem Anstieg der Hypocretin-Produktion im Gehirn, die bis zu vier Wochen nach dem Absetzen der Behandlung anhielt.

Als nächstes behandelten die Forscher Mäuse, die aufgrund eines Gendefekts an einer Narkolepsie litten, mit Morphin. Dies linderte bei den Tieren die Kataplexie, ein plötzlicher Verlust des Muskeltonus, der auch beim Menschen zu den Symptomen der Narkolepsie gehört. Im Gehirn der Tiere wurde später ein Anstieg der Hypocretin-Konzentration nachgewiesen.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Opioide zur Behandlung der Narkolepsie eingesetzt werden könnten. Andererseits könnten Orexin-Antagonisten bei der Behandlung der Opiatsucht nützlich sein. Klinische Studien wurden bisher nicht durchgeführt. 

Es gibt jedoch Fallberichte, in denen Patienten mit Narkolepsie, die zur Schmerz­behandlung Codein erhielten, über eine Besserung der Narkolepsie-Symptome berichteten (Pharmacotherapy 1996; 16: 463-5). Es ist auch bekannt, dass Patienten mit Narkolepsie unter einer Behandlung mit Methylphenidat, Amphetaminen oder Opiaten selten eine Abhängigkeit entwickeln. Auf die Ergebnisse klinischer Studien darf man gespannt sein. © rme/aerzteblatt.de

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