NewsPolitikLebenshilfe und Caritas gegen Pränatest als Kranken­kassenleistung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Lebenshilfe und Caritas gegen Pränatest als Kranken­kassenleistung

Freitag, 29. Juni 2018

/itataekeerati, stock.adobe.com

Berlin –Lebenshilfe und Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) haben vor der Zulassung eines Bluttests für Schwangere als Leistung der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) gewarnt. Der Pränatest sei unzuverlässig und führe zudem dazu, dass ein Leben mit Down-Syndrom als nicht lebenswert eingestuft werde, erklärten beide Organisationen heute in Berlin.

Erst vorgestern kam das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesund­heitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) in seiner Bewertung der Studienlage zum Bluttest auf Down-Syndrom aber zu einem anderen Ergebnis. Demnach können die Tests Trisomie 21 zuverlässig bestimmen. „Für Trisomie 21 sind die Tests mit über 99 Prozent ähnlich sensitiv und spezifisch wie die invasiven Methoden“, heißt es. Die Zuver­lässigkeit der Tests auf die seltenen Trisomien 13 und 18 ließen sich nicht robust schätzen.

Anzeige

Ethisch-politische Diskussion Sache des Gesetzgebers

Würde schwangeren Frauen mit erhöhtem Risiko für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom eine solche nicht-invasive Pränataldiagnostik angeboten, ließe sich vermutlich ein Teil der Fehlgeburten vermeiden, die bei invasiver Diagnostik wie der Fruchtwasseruntersuchung auftreten, betonte das Institut weiter.

Der G-BA hatte im Herbst 2016 ein Bewertungsverfahren eingeleitet, in dem geprüft wird, ob der Pränatest eine Regelleistung der Krankenkassen bei Risikoschwanger­schaften wird. Der Vorsitzende Josef Hecken hatte dazu erklärt, der G-BA habe den Auftrag, wissenschaftlich-technisch zu überprüfen, ob mit dem neuen Verfahren bestimmte Gendefekte zuverlässig erkannt werden könnten. Es sei aber Aufgabe des Gesetzgebers, eine ethisch-politische Diskussion über das Verfahren zu führen.

Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, die frühere Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD), erklärte dazu, der Bericht zeige die Schwierigkeiten des Bluttests. „Danach ist das positive Testergebnis bei bis zu 18 Prozent der Frauen falsch – sie erwarten gar kein Kind mit Down-Syndrom.“ Schmidt kritisierte zudem, dass das Institut für seine Bewertung 22 Studien herangezogen habe, von denen allerdings 17 auch nach Institutseinschätzung nicht wissenschaftlichen Standards entsprächen.

„Der Bluttest auf Trisomie 21 erweckt den Eindruck, ein Leben mit Down-Syndrom sei nicht lebenswert“, unterstrich die Lebenshilfe. Solche selektiven Untersuchungen widersprächen dem, was Menschen mit Down-Syndrom selbst und auch ihre Familien sagten. Auch die Caritas Behindertenhilfe sieht in dem Abschlussbericht des Instituts keine Grundlage für eine Aufnahme des Bluttests als Krankenkassenleistung. Es sei nicht gesichert, dass der Test die Zahl der risikoreicheren invasiven Diagnostiken verringere. Zudem spielten ethische Bewertungen in der Studie keine Rolle. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #111366
simplicissimus500
am Samstag, 13. Oktober 2018, 22:01

Gleiches Recht für alle

Gleiches Recht für alle muss heißen, dass die Krankenkassen die Kosten für den Bluttest übernehmen.
Avatar #111366
simplicissimus500
am Samstag, 13. Oktober 2018, 21:59

Falsche Diskussion

Es geht doch gar nicht darum, ob Menschen mit Behinderung geboren werden. Es geht darum, ob es weniger Vermögenden eher zugemutet werden kann oder soll, ein behindertes Kind zu bekommen. Besserverdienenden ist es doch sowieso überlassen, einen Bluttest machen zu lassen oder nicht. Es ist eine Debatte um die Vorrechte Vermögender, bzw. um die Benachteiligung der Menschen mit geringerem Einkommen.
LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2018
Köln – Erhalten Schwangere einen auffälligen pränataldiagnostischen Befund, befinden sie sich oft in einer schwierigen und überfordernden Situation. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Bundeszentrale bietet Praxen Hilfestellung zu auffälligen pränataldiagnostischen Befunden
6. Dezember 2018
Berlin – Vor einer breitangelegten Anwendung von nichtinvasiven pränatalen Tests (NIPT) etwa durch Massenscreenings in der Schwangerschaft warnte heute der Berufsverband niedergelassener
Pränatalmediziner warnen vor breitangelegtem Einsatz nichtinvasiver pränataler Tests
6. November 2018
Bonn – Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert eine politische Debatte über einen Bluttest, der bereits im frühen Stadium einer Schwangerschaft Trisomie 21 bei ungeborenen Kindern
Katholikenkomitee warnt vor „Abtreibungsautomatismus“
2. November 2018
Hannover – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) spricht sich dafür aus, Maßnahmen der nichtinvasiven Pränataldiagnostik (NIPD) bei Risikoschwangerschaften als Kassenleistung anzuerkennen,
Evangelische Kirche für vorgeburtliche Bluttests mit Beratung als Kassenleistung
15. Oktober 2018
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die von Abgeordneten des Bundestags angestrebte Klärung ethischer Fragen bei Bluttests für Schwangere etwa auf ein Down-Syndrom positiv aufgenommen. „Da man
Bundesärztekammer begrüßt parlamentarische Debatte über pränatale Bluttests
12. Oktober 2018
Berlin – Mehr als 100 Parlamentarier haben sich für eine Entscheidung des Bundestages zur Regelung vorgeburtlicher Bluttest ausgesprochen. Die Orientierungsdebatte über den Nutzen nichtinvasiver
Abgeordnete positionieren sich zu pränatalen Bluttests
11. Oktober 2018
Berlin – Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat sich hinter eine fraktionsübergreifende Initiative von Bundestagsabgeordneten gestellt, die eine parlamentarische Debatte über vorgeburtliche Bluttests
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER