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Medizin

Penicillinallergie fördert Infektion mit MRSA und C. difficile

Montag, 2. Juli 2018

/sharky1, stockadobecom

Boston – Die Angabe einer Penicillinallergie führt nicht selten zur Verordnung von Breitbandantibiotika. Dies hat laut einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 361: k2400) eine erhöhte Zahl von Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) oder Clostridium difficile zur Folge.

Die Angabe einer Penicillinallergie in der Krankenakte oder durch den Patienten führt häufig dazu, dass die Ärzte auf andere Antibiotika ausweichen. Unter den 64.141 britischen Hausarztpatienten mit Penicillinallergie, deren Daten in der Datenbank THIN (Health Improvement Network) gespeichert wurden, verordneten die Ärzte vierfach häufiger Makrolide oder Clindamycin als bei 237.258 Patienten gleichen Alters oder Geschlechts, bei denen keine Penicillin-Allergie dokumentiert waren. Auch Fluorochinolone, Tetrazykline und Sulfonamide gehörten nach einer Analyse von Kimberly Blumenthal vom Massachusetts General Hospital in Boston zu den häufigeren Alternativen.

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Viele dieser Antibiotika haben ein breiteres Wirkungsspektrum als Penicillin, was das Risiko auf die Entwicklung multiresistenter Erreger erhöht. Bei der von Hausärzten bevorzugten oralen Applikation muss zudem mit Auswirkungen auf die Darmflora gerechnet werden. Die US-Forscher haben untersucht, ob die Patienten in den folgenden Jahren häufiger an Infektionen mit MRSA oder C. difficile erkranken. MRSA ist der wichtigste multiresistente Keim, C. difficile ist Erreger komplizierter Darminfektionen.

Blumenthal fand heraus, dass innerhalb von sechs Jahren 1.365 Patienten mit Penicillinallergie eine Infektion mit MRSA erlitten und bei 1.688 eine C. difficile-Infektion dokumentiert wurde. Beide Infektionen traten signifikant häufiger auf als in der Vergleichsgruppe der Hausarztpatienten ohne Penicillinallergie.

Für MRSA-Infektionen ermittelte Blumenthal eine adjustierte Hazard Ratio von 1,69, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,51 bis 1,90 signifikant war. Für C. difficile-Infektionen betrug die Hazard Ratio 1,26 (1,12 bis 1,40).

Die Penicillinallergie könnte damit ein wichtiger Grund für den Anstieg von Infek­tionen mit MRSA oder C. difficile sein. Viele Komplikationen wären nach Ansicht der Allergologin Blumenthal vermeidbar, da die meisten Penicillinallergien keine sind. Allergologische Untersuchungen kämen in etwa 95 Prozent der Fälle zu dem Ergebnis, das keine Sensibilisierung vorliegt.

Der Grund sind Fehldiagnosen (ein virales Exanthem wird als Allergie fehlgedeutet), falsche Annahmen der Patienten (die beispielsweise Kopfschmerzen als Zeichen einer Unverträglichkeit deuten) und die Tatsache, dass Penicillinallergien bei 80 Prozent der Patienten innerhalb von zehn Jahren von selbst ausheilen. Eine rechtzeitige allergo­logische Untersuchung könnte den Einsatz von Breitbandantibiotika vermindern und viele Patienten vor schweren Infektionen schützen.

© rme/aerzteblatt.de

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