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Medizin

Chlamydien überlisten menschliches Abwehrsystem

Dienstag, 3. Juli 2018

/dpa

Würzburg – Eine Erklärung, wie Chlamydien sich dem Angriff des menschlichen Immunsystems entziehen und die typischen Symptome einer Infektion unterdrücken, liefert jetzt eine neue Studie von Wissenschaftlern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sie ist in der Zeitschrift Nature Microbiology erschienen (doi 10.1038/s41564-018-0182-y).

Weltweit sind mehr als 131 Millionen Menschen mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis infiziert. Es ist damit der Hauptverursacher sexuell übertragbarer Krankheiten. Die Infektion verläuft in der Regel ohne spürbare Symptome und bleibt deshalb in einer Vielzahl der Fälle unbemerkt. Dies erleichtert die Ausbreitung des Erregers und erhöht die Wahrscheinlichkeit für weitere Infektionen, beispielsweise mit dem HI-Virus oder mit dem Erreger der Gonorrhoe, Neisseria gonorrhoeae.

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Der Kampf zwischen Erreger und Immunsystem folgt beim Menschen häufig einem festen Muster: Nach einer Infektion nehmen spezielle Leukozyten die Arbeit auf. Sie können zum einen die Krankheitserreger aufnehmen und verdauen. Zum zweiten sondern sie spezielle Substanzen ab, die die Bakterien in der Umgebung schädigen. Und zum dritten bilden sie Strukturen, die manche Mikroorganismen binden und dadurch unschädlich machen können –  „neutrophil extracellular traps“ oder „neutrophile außerzelluläre Fallen“ genannt.

„Wir konnten nachweisen, dass freie Chlamydien auch bei direkter Interaktion keine sogenannten polymorph-nuklearen Leukozyten (PMNs) aktivieren. Sobald PMNs Chlamydien angreifen, sind diese Immunzellen gelähmt und reagieren nicht mehr auf die Aktivierung durch verschiedene Reize“, erläutert Thomas Rudel, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Zwei Rezeptoren und ein spezielles Protein haben die Forscher als zentrale Akteure in diesem Kampf der Bakterien gegen das Immunsystem identifiziert – die Formylpeptid-Rezeptoren vom Typ 1 (FPR1) und vom Typ 2 (FPR2) sowie den „Chlamydialen Protease-ähnlichen Aktivierungsfaktor“ (CPAF).

Wie es Chlamydien schaffen, den Aktivierungsprozess der Immunzellen zu unterbinden, haben Rudel und sein Team jetzt aufgedeckt. „Wir haben CPAF als die Substanz identi­fiziert, die die angeborene Immunantwort blockiert“, sagte Rudel. In ihren Experi­menten konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Chlamydien, die kein CPAF bilden konnten, problemlos von den Immunzellen erkannt und anschließend effizient abgetötet wurden. Darüber hinaus ist es ihnen gelungen, den Formylpeptid-Rezeptor 2 als Ziel von CPAF zu identifizieren. „FPR2 wird von CPAF gespalten und von der Oberfläche der Immunzellen entfernt“, schildert Rudel das zentrale Ergebnis der neuen Studie. 

Die Tatsache, dass CPAF außerhalb der Zelle eine zentrale Rolle in dem Infektions­prozess spielt, birgt nach Ansicht der Wissenschaftler die Chance für neue Medi­kamente gegen den Erreger. Eine Substanz, die CPAF blockiert, könne ein geeignetes Therapeutikum gegen Chlamydien-Infektionen sein. Dafür sei allerdings ein weiter vertieftes Verständnis der Strategien nötig, die Chlamydien zur Lähmung des angeborenen Immunsystems des Wirtes anwenden, so die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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