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Medizin

Bluttest ermöglicht das Ablesen der inneren Uhr

Dienstag, 3. Juli 2018

Die Funktionen des Körpers unterliegen tageszeitlichen Schwankungen, was auch die Wirkung von  Medikamenten beeinflussen kann. /agsandrew, stock.adobe.com

Berlin – Ein neuer Bluttest soll den Status der inneren Uhr eines Patienten erstmals objektiv bestimmen. Ist der innere Rhythmus bekannt, können Patienten beispielsweise die Einahme von Medikamenten zeitlich darauf abstimmen, um ihre Wirkung zu verbessern. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler um Achim Kramer vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Journal of Clinical Investigation publiziert (2018; doi: 10.1172/JCI120874).

Ziel des internationalen Teams war die Identifizierung von Biomarkern im Blut, die für die individuelle, Innenzeit charakteristisch sind. Zunächst wurde bei mehreren Probanden über den gesamten Tag die Aktivität aller 20.000 Gene einer bestimmten Gruppe von Blutzellen bestimmt. Mit Computeralgorithmen ließen sich aus diesen Datensätzen 12 Gene isolieren, die verlässlich die Innenzeit anzeigen. Die Biomarker einer einzigen Blutprobe können auch dann noch einen Spättyp von einem Frühtyp unterscheiden, wenn die betreffende Person entgegen ihrem biologischen Rhythmus früh am Morgen von einem Wecker geweckt wird.

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Eine Therapie unter Berücksichtigung der Tageszeit wurde bislang wegen einer fehlenden Diagnostik der Innenzeit selten angewandt. Achim Kramer, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Kramer ist überzeugt, dass die Chronotherapie der konventionellen Therapie oft überlegen ist: „Eine Therapie unter Berücksichtigung der Tageszeit wurde bislang wegen einer fehlenden Diagnostik der Innenzeit selten angewandt. Wir denken, dass dieser erste objektive Test der Innenzeit dazu beitragen wird, dass die Tageszeit bei Therapie und Diagnose viel mehr an Bedeutung gewinnen wird.“ Je nachdem, ob die innere Uhr eines Menschen zum Spät- oder Frühtyp zählt, könnten Ärzte Medikamente wirksamer und verträglicher einsetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist die antihypertensive Chronotherapie.

Antihypertensive Chronotherapie: Beachtung der „inneren Uhr“

Die antihypertensive Chronotherapie ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Berücksichtigung biologischer Rhythmen und ihrer Normabweichungen im klinischen Alltag zu einer personalisierten Medizin beitragen kann. Ein Beitrag aus Anlass des Nobelpreises für Medizin 2017. Die Verfügbarkeit des ambulanten Blutdruck-Monitorings (ABDM) seit den 1980er-Jahren hat die Hypertonieforschung aus

In klinischen Folgestudien wollen die Wissenschaftler nun die Wirksamkeit einer personalisierten Chronotherapie nachweisen. Kennt man das Zeitfenster, in dem ein Wirkstoff besonders effektiv ist, kann man die Wirkung der Behandlung so optimieren und gleichzeitig das Risiko von Nebenwirkungen verringern.

© gie/EB/aerzteblatt.de

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