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Medizin

Kaffeetrinker leben länger

Dienstag, 3. Juli 2018

/dpa

Bethesda – Eine Analyse der UK Biobank zeigt, dass Kaffeetrinker ein geringeres Sterberisiko haben. Die Publikation in JAMA Internal Medicine (2018: doi: 10.1001/jamainternmed.2018.2425) deutet auf eine dosisabhängige mögliche Schutzwirkung hin, die aber nicht vom Stoffwechsel des Koffeins abhängig war.

Kaffee scheint ein gesundes Genussmittel zu sein. Frühere epidemiologische Studien haben den Konsum bereits mit einem verminderten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Morbus Parkinson, Lebererkrankungen sowie auf Darmkrebs und Endometriumkarzinom in Verbindung gebracht.

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Auch eine Analyse der UK Biobank, die seit 2006 Blutproben von britischen Erwachsenen sammelt, die beim National Health Service als Patient registriert sind, bestätigt die protektive Assoziation. In den ersten beiden Jahren nahmen eine halbe Million Personen die Einladung an. In den Assessment Centers machten sie auch ausführliche Angaben zu ihrem Lebensstil. Unter anderem wurden sie auch danach gefragt, wie viele Becher Kaffee sie am Tag trinken und wie sie gewöhnlich ihren Kaffee zubereiten.

In den ersten 10 Jahren seit der Untersuchung sind 14.255 der zu Beginn der Studie im Durchschnitt 57 Jahre alten 498.134 Teilnehmer gestorben. Die von Erikka Loftfield vom National Cancer Institute in Bethesda und Mitarbeitern vorgestellte Analyse ergab, dass bereits ein Becher Kaffe am Tag das Sterberisiko um 8 % senken könnte. Die „protektive“ Wirkung stieg mit der Zahl der Becher auf bis zu 14 % bei den Personen, die acht oder mehr Becher am Tag tranken.

Die inverse Assoziation wurde sowohl für den Tod an Krebserkrankungen als auch für den Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden. Gemahlener Kaffee hatte eine etwas günstigere Wirkung als der in England beliebte Instantkaffee oder als koffeinfreier Kaffee.

Der Vergleich der Genvarianten ergab, dass die Metabolisierung von Koffein in der Leber keinen Einfluss auf die inverse Korrelation hatte. Unklar ist noch, ob unterschiedliche Kaffeezubereitungen (Filterkaffee, Cappuccino, Espresso oder Latte) das Risiko beeinflussen.

Wie bei allen epidemiologischen Studien kann die protektive Wirkung nicht abschließend bewiesen werden. Es bleibt möglich, dass die Kaffeeliebhaber noch andere Gewohnheiten haben, etwa eine gesündere Ernährung oder körperliche Bewegung, die statt des Kaffeekonsums erklären, warum sie (etwas) länger leben.

© rme/aerzteblatt.de
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eiermaier1964
am Donnerstag, 5. Juli 2018, 03:51

eiermaier1964

Koffein hat zwei Seiten . Ohne Kaffee fühle ich mich nach 2 Wochen irgendwie ruhiger und gesünder.
Doch dann fange ich wieder mit 2 Tassen morgens an, weil es einen Kick gibt. Kaffee ist (und das wissen viele nicht)ein relativ starkes Suchtmittel, jedoch mit vernachlässigbaren sozialen und gesundheitlichen Folgen. Trotzdem verursacht chronischer Kaffeekonsum über 2 Tassen (über 200mg Koffein) morgens Erscheinungen wie bei der generalisierten Angststörung. Deshalb halte ich die "Reklame" hier für 8 Tassen etc. für bedenklich.
´hajodba@gmx.de
am Mittwoch, 4. Juli 2018, 22:22

"Ich trinke als "Typ-2-Diabetiker" täglich 10 Tassen Kaffee"

Seit ich "2013" von der geplanten Studie "Hilft Kaffeetrinken gegen Diabetes?" gelesen habe, praktiziere ich dies "konsequent" und mit
Erfolg. Jeden Vormittag trinke ich "10 Tassen Kaffee" und meine
"Blutzuckerwerte" gehen bis zum Mittag un den "Normalbereich".
Dabei spritz ich "kein Insulin"
Allerdings gibt es eine "kleine Einschränkung": Es funktioniert nur,
wenn ich am Vormittag "3-4 Stunden intensiv am PC eschrieben"
habe. Bei "körperlicher Arbeit" ist der "Rückgang geringer". Da
mein "Blutdruck bei ca 130/70" konstant bleibt, ist alles soweit in
Ordnung. Und die bei einem "über 70-Jährigen".

H. Jürgen Barth, Rodalben
drsyhofmann
am Mittwoch, 4. Juli 2018, 20:03

Angenehmeres Leben

Wer die Zeit hat, täglich 8 Tassen Kaffee zu trinken, hat einfach weniger Stress oder gönnt sich diese vielen kleinen Pausen der Zubereitung und Trinkens. Wasser kann man eher nebenbei trinken, schon allein wegen der Temperatur. Kaffeetrinker regenerieren sich zwischendurch und leben möglicherweise auch deshalb länger.
yddar
am Mittwoch, 4. Juli 2018, 16:02

Bluthochdruck

Wenn Kaffeetrinker länger leben, dann leben Nicht-Kaffeetrinker kürzer. Diese Nicht-Kaffeetrinker sind oft Menschen, die ein Kaffeeverbot haben, weil sie Bluthochdruck haben. Man könnte daher auch titeln: Bluthochdruckkranke sterben früher.
doc.nemo
am Mittwoch, 4. Juli 2018, 15:47

Publish and Forget

Ohne genaue Kenntnis des Studiendesigns, der Daten und deren Auswertung ist die Studie nicht zu bewerten. Selbst prospektive Lifestyle-Studien sind mit so vielen Unwägbarkeiten belastet, dass insbesondere Minimaleffekte kaum sicher erfasst werden können. Ich schätze mal, man wird auch diese Arbeit in die Kategorie Publish and Forget einreihen können.
@wo1953: Die Nichtexistenz von etwas ist nicht sinnvoll nachweisbar. Daran krankt auch das in Deutschland und Europa gängige "Vorsorgeprinzip".
wo1953
am Mittwoch, 4. Juli 2018, 11:49

Sind Teetrinker krank

Wieder wird die Sau des gesunden Kaffees durchs Dorf getrieben! Für mich als Wissenschaftler stellt sich die Frage warum ein Getränk das nicht nachweisen kann, das es nicht krebserregend ist (--> USA -Starbucks) so gesund ist? Ist die Fragestellung der Studie nicht falsch? Warum trinken Menschen keinen Kaffee? Wird hier Ursache und Wirkung verwechselt? Können diese Menschen Kaffee trinken weil sie als Gesunde z.B. die Röststoffe oder Inhaltsstoffe vertragen , die andere nicht vertragen? Ist diese gute Verträglichkeit nur ein Indikator des Gesundheitszustandes und nicht die Wirkung des Kaffees? Meine Meinung ist: "Aufgabenstellung verfehlt. Setzen Note fünf"!!!
klausenwächter
am Dienstag, 3. Juli 2018, 21:16

Entscheidende Antwort

Wieviele Jahre lebt denn nun ein Kaffeetrinker länger als ein Teetrinker?
Frager
am Dienstag, 3. Juli 2018, 18:20

Confounders?

Bzgl welcher Variablen wurde die Cox-Regression denn adjustiert?

Es könnte doch gut sein, dass wohlhabendere Menschen sich mehr Kaffee leisten. Bekanntermaßen leben die auch länger, aber vllt aus anderen Gründen.

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