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Politik

Jeder Siebte geht krankheitsbedingt in Frührente

Mittwoch, 4. Juli 2018

/dpa

Berlin – Mehr als jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland steigt vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Arbeitsleben aus. Jeder siebte davon (13,5 Prozent) geht aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung, wie der heute in Berlin veröffentlichte Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt.

Ein weiteres Drittel der verfrüht aus dem Job ausgeschiedenen Arbeitnehmer nimmt deutliche finanzielle Einbußen in Kauf, um früher in Rente zu gehen. Besonders betroffen von einer Frühverrentung sind Beschäftigte mit körperlich belastenden Berufen wie im Bau- und Holzgewerbe, gefolgt von Verkehrs- und Lagerarbeitern sowie den Beschäftigten aus der Metallbranche. Nicht aufgelistet im Report der TK sind Pflegeberufe, was durch die grobe Rasterung des Studiendesigns verschuldet wurde, erklärt Thomas Grobe vom Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua). In anderen Auswertungen würden diese aber standardmäßig zu den sehr stark belasteten Berufen zählen.

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„Es nützt nichts, das Renteneintrittsalter immer weiter hochzuschrauben, wenn schon heute nicht einmal jeder Zweite so lange arbeitet“, warnte TK-Chef Jens Baas. Politik, Unternehmen, aber auch Krankenkassen müssten Lösungen finden, damit die Menschen leistungsfähig blieben und überhaupt bis zum Rentenbeginn arbeiten könnten. Dies sei gerade vor dem Hintergrund wichtig, dass gerade die geburtenstarke Generation der Babyboomer langsam ins Rentenalter komme. Denn durch die Frühverrentung gehe auch ein enormes Wissens- und Leistungspotenzial verloren.

Zudem seien gut ausgebildete Fachkräfte „in vielen Branchen Mangelware, und viele Arbeitgeber suchen händeringend gute Leute“, erklärte Baas. Das betriebliche Gesundheitsmanagement wie zum Beispiel Fitnessstudios oder Seminare zu Stress und Ernährung werde daher immer wichtiger. 

Für den Gesundheitsreport 2018 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen ihrer rund fünf Millionen versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozial­ver­sicherungs­pflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Wir haben erstmals seit 2004 – seitdem die Erstattung rezeptfreier Arzneimittel weggefallen ist – einen kleinen Rückgang um 1,7 Prozent festgestellt. Thomas Grobe, Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua)

Arzneimittelverordnungen sinken

Neben den Erwerbsbiografien halte der Gesundheitsreport der TK auch eine „kleine Sensation“ bei den Arzneiverordnungen parat, berichtete Grobe. Insgessamt habe sich hier wenig getan mit einer Ausnahme: „Wir haben erstmals seit 2004 – seitdem die Erstattung rezeptfreier Arzneimittel weggefallen ist – einen kleinen Rückgang um 1,7 Prozent festgestellt.“ Der lasse sich zu einem wesentlichen Teil auf die rückläufigen Verordnungszahlen von Protonenpumpenhemmern zurückführen.

Insgesamt hatten Erwerbspersonen im Jahr 2017 Rezepte für 23,2 Millionen Präparate mit 1.317 Millionen definierten Tagesdosen zulasten der TK bei Apotheken eingereicht. Fast 70 Prozent der Erwerbspersonen lösten 2017 mindestens ein Rezept ein. Durchschnittlich waren es Rezepte über 4,43 Präparate mit insgesamt 247 Tagesdosen pro erwerbstätigem Versicherten. Im Vorjahr wurden noch 4,54 Präparate und
252 Tagesdosen verordnet.

Die meisten Verordnungen konnte die TK 2017 in Sachsen-Anhalt ermitteln. Besonders  bemerkenswert erscheint der TK hingegen das geringe Verordnungsvolumen bei  
Erwerbspersonen in Berlin gemessen an dem vergleichsweise hohen regionalen Krankenstand. © afp/gie/aerzteblatt.de

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