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Politik

AOK startet Gesundheitsnetzwerk an Berliner Geburtskliniken

Mittwoch, 4. Juli 2018

/Paul-Georg Meister, pixelio.de

Berlin – Im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin-Schöneberg hat die AOK heute zusammen mit den beteiligten Partnern Vivantes und Sana eine weitere Ausbaustufe ihres digitalen Gesundheitsnetzwerks vorgestellt. Dort und in drei weiteren Berliner Geburtskliniken – in den Vivantes-Kliniken Friedrichshain und Am Urban sowie in der Sana Geburtsklinik in Lichtenberg – ist jetzt eine digitale Patientenakte für Schwangere verfügbar.

Die werdenden Mütter und ihre behandelnden Ärzte in den Kliniken sollen von schnell verfügbaren medizinischen Daten profitieren. Niedergelassene Ärzte sind derzeit noch nicht mit im Boot. Weitere sechs Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren in Berlin sollen bis Ende 2018 folgen. Offiziell war das bundesweite AOK-Projekt bereits im März in Mecklenburg-Vorpommern gestartet. Dort wurden ein Ärztenetz und zwei Kliniken über die Plattform vernetzt, um insbesondere das Aufnahme- und Entlassmanagement zu optimieren.

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„Im deutschen Gesundheitswesen wird schon viel zu lange darüber geredet, wie wichtig es wäre, Patienten und Ärzte zu vernetzen. Wir reden nicht nur, sondern tun es jetzt tatsächlich“, begründete Martin Litsch, Vorstand des AOK-Bundesverbandes, die Initiative. Das Gesundheitsnetzwerk habe das Potenzial, mehr Transparenz über medizinische Informationen und Daten zu schaffen und dadurch die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern.

Patienten und Ärzte profitieren

Über die Patientenakte im Netz können die Patientinnen eigene Daten und Dokumente digital zur Verfügung stellen und umgekehrt auch von der Klinik einsehen. So können werdende Mütter per Datenupload ihren Mutterpass, Arztberichte etwa zu früheren Geburten und die Ergebnisse ambulanter Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung stellen.

Weitere Services: Videoaufnahmen müssen nicht mehr per CD-ROM übermittelt werden, sondern sind über die digitale Patientenakte abrufbar. Vor der Geburt können Schwangere sich zudem Kreißsäle in 3-D ansehen, Informationen zu den Geburtskliniken abrufen und gleich auch online einen Termin vereinbaren, berichtete eine Patientin. Ärzte hingegen können strukturierte Dokumente wie Ultraschall- und Laborbefunde, Geburts- und OP-Bericht, Entlassbrief, Arztbriefe oder ein Stillprotokoll in die Akte laden. Auch der Austausch von Dokumenten zwischen den vernetzten Kliniken ist möglich.

„Geburtstermine sind mitunter schwer planbar. Deshalb ist es für mich wichtig, vorab alle relevanten Informationen der schwangeren Frau aus dem Mutterpass einsehen zu können“, erläuterte Mandy Mangler, Chefärztin der Geburtsklinik am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. Die Vermeidung von Doppeluntersuchungen und der schnellere Informationsfluss sind aus Sicht von Jens-Peter Scharf, Chefarzt der Frauenklinik am Sana Klinikum Lichtenberg, wesentliche Vorteile der Vernetzung. Zudem schaffe das Projekt eine enge Verbindung zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor. Nach ihrer Entbindung kann die Mutter beispielsweise den Entlassbrief aus der digitalen Akte heraus auch an den ambulanten Frauenarzt weiterleiten – derzeit noch per E-Mail, künftig auch direkt im Gesundheitsnetzwerk.

Schrittweiser Ausbau des Netzwerkes

„Wir bauen Schritt für Schritt ein bundesweites Gesundheitsnetzwerk, das die Vernetzung der Leistungserbringer untereinander und der Versicherten im Mittelpunkt hat“, erläuterte Christian Klose, der zuständige Projektleiter und Chief Digital Officer (CDO) der AOK Nordost. Einerseits werde das Netz in der Breite ausgebaut, indem immer neue Partner gewonnen werden, wie weitere Kliniken, Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und andere Krankenkassen, andererseits in der Tiefe durch Entwicklung immer neuer Anwendungen, die einen Mehrwert böten.

Bei der Entwicklung des Netzwerkes achte man zudem auf „Anschlussfähigkeit“ auch zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur, betonte Klose. Der sektorenübergreifende Austausch soll über das internationale IHE-Verfahren (Integrating the Healthcare Enterprise) ermöglicht werden. Datensicherheit sei dabei ein entscheidender Punkt: „Wir nutzen eine dezentrale Datenhaltung, das heißt, die Daten bleiben dort, wo sie erfasst wurden, etwa im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik, weil sie dort eben am sichersten sind“, erläuterte Klose. Es werde lediglich eine Verlinkung hergestellt mit einer Registry, also einem System, in dem hinterlegt ist, wer auf die Daten zugreifen darf. „Die Daten werden also nicht doppelt und dreifach gespeichert“, so Klose.

Anbindung der niedergelassenen Ärzte

Ausnahmen von diesem Szenario gibt es ihm zufolge im Bereich der ambulanten Ärzte, weil hier keine 24/7-Verfügbarkeit der Server gewährleistet ist. Hier sei etwa denkbar, dass mehrere Ärzte gemeinsam Server nutzen können, die durch KVen oder durch Arztnetze betrieben werden. Letzteres werde erfolgreich in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. Für die Anbindung der niedergelassenen Ärzte an das Gesundheitsnetzwerk wird laut Klose das KV-Safenet der KVen genutzt.

In Berlin ist dies allerdings noch etwas weniger verbreitet als in anderen Regionen. Der Zugriff auf die Patientenakte aus den Arztinformationssystemen heraus wird über die S3C-Schnittstelle der gevko ermöglicht. Darüber hinaus sei man im Gespräch mit den Praxissoftwareherstellern, um Lösungen für größere Anwendungsszenarien gemeinsam zu erstellen, meinte der CDO.

Die Verlinkung erfolgt dabei laut Klose immer erst durch die Freigabe des Arztes: „Er entscheidet, welche Dokumente dem Gesundheitsnetz zugeführt werden, und dann können andere Ärzte auf diese Dokumente direkt aus ihrem Primärsystem heraus zugreifen, sofern der Versicherte zugestimmt hat.“

Zugriff perspektivisch auch per App

Der Patient kann von zu Hause aus über ein sicheres Login-Verfahren auf seine Daten zugreifen. Die Registrierung erfolgt unter anderem über das Post-Ident-Verfahren. Gestartet wird zunächst mit einem responsiven Webdesign der Patientenakte, dass sich an das jeweilige Endgerät anpasst. Perspektivisch sei aber auch eine App-Version der Akte geplant. Der Patient kann bis auf Dokumentenebene hin entscheiden, welches Dokument von welchem Arzt eingesehen werden kann. „Die AOK hat zu keiner Zeit Zugriff auf diese Daten“, hob Klose hervor.

Das Gesundheitsnetzwerk solle als offene Plattform schrittweise allen Akteuren zur Verfügung stehen – auch anderen Krankenkassen, betonte Litsch. Nach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sollen weitere Schritte in den anderen Bundesländern folgen, kündigte er an. Je nach den regionalen Gegebenheiten sollen dabei unterschiedliche Anwendungen für die Versicherten mit unterschiedlichen Partnern umgesetzt werden.

© KBr/aerzteblatt.de

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