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Medizin

Krankenhäuser könnten die Zahl der Organspenden maßgeblich steigern

Donnerstag, 5. Juli 2018

/dpa

Kiel – Organspenden von Verstorbenen sind seit 2010 um 30 % zurückgegangen. Ursache dafür sind aber nicht etwa weniger potenzielle Organspender – die haben zwischen 2010 und 2015 sogar um fast 14 % zugenommen. Forscher um Kevin Schulte und Thorsten Feldkamp des Universitätsklinikums Schleswig-Holsteins in Kiel machen die Entnahmekrankenhäuser verantwortlich. Diese würden mögliche Organspender immer seltener erkennen und melden. Das ergab eine deutschlandweite Analyse von mehr als 100.000 Behandlungsfällen, die im Deutschen Ärzteblatt publiziert wurde (Dtsch Arztebl Int 2018; 115(27-28): 463-8).

Postmortale Organspenden nehmen immer weiter ab: 2017 konnten mehr als 1.500 Patienten weniger ein lebensrettendes Organ erhalten als noch 2010.

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Die Zahl der Todesfälle mit einer schweren Hirnschädigung sowie der Anteil der  Patienten mit einer Beat­mungs­therapie vor dem Tod hat zugenommen. So kommt es, dass auch die Zahl der möglichen Organspender in Deutschland zwischen 2010 und 2015 von 23.937 auf 27.258 gestiegen ist. Dass dieser Trend dennoch in sinkenden post­mortalen Organspenden endet, geht nicht, wie so oft vermutet, allein zulasten des Vertrauensverlusts aufgrund des Organallokationsskandals 2012.

Die Analyse des Forscherteams zeigt deutlich, dass es sich vor allem um ein organi­satorisches Problem in den Kliniken handelt. Diese kontaktieren die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Bezug auf Organspenden immer seltener. Dabei sind seit dem 1.8.2012 laut Transplantationsgesetz alle Entnahmekrankenhäuser dazu verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu benennen und mögliche Organ­spender an die DSO zu melden. Die Kontaktquote lag 2010 bei 11,5 % und 2015 nur noch bei 8,2 %. Ebenso sank die Zahl realisierter Organspenden und somit auch die Konversionsquote (Realisations-/Kontaktquote) von 47 auf 39,1 %.

Organspende: Wege aus der Krise

Bei der Suche nach Ansätzen, die die Zahl der Spenderorgane erhöhen könnten, haben strukturelle Verbesserungen an den Kliniken zunächst Priorität. Transplantationsbeauftragte sollen zudem mehr Wertschätzung erfahren. Das Anliegen der Ärzteschaft ist klar: „Wir möchten endlich die Situation der Organspende entscheidend verbessern“, betonte Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery bei der gemeinsamen

Unterschiede zwischen Ost und West

Die Autoren der Studie im Deutschen Ärzteblatt weisen auch darauf hin, dass sich Kontakt- und Realisationsquoten erheblich regional und zwischen den analysierten Universitätskliniken und Krankenhäusern unterscheiden – teilweise um mehr als das 10fache. In den neuen Bundesländern sei die Kontaktquote weniger stark abgefallen, als in den alten Bundesländern.

Ein besseres Meldeverhalten der Entnahmekrankenhäuser könnte die Zahl der Organ­spenden maßgeblich steigern, schlussfolgern die Autoren aus den neuen Daten. Eine zunehmend ablehnende Einstellung der Betroffenen und deren Angehörigen gegen­über der Organspende habe hingegen nur geringfügig Einfluss auf den Rückgang der Spenden.

Rückgang der Organspenden in Deutschland

Die Anzahl der Organspender ist in Deutschland seit 2010 um mehr als ein Drittel von 1 296 auf 797 im Jahr 2017 zurückgegangen (1). Deswegen konnten 2017 über 1 500 Patienten weniger eine lebensrettende Organtransplantation erhalten als noch 2010 (2). Schätzungen zufolge führt eine Organtransplantation durchschnittlich zu einem Lebenszeitgewinn von 4,3 Jahren, sodass der aus dieser Entwicklung

© gie/aerzteblatt.de
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