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Medizin

Zervixkarzinom: HPV-Test erkennt Präkanzerosen früher als Pap-Abstrich

Mittwoch, 4. Juli 2018

Der Pap-Abstrich dient der Früherkennung des Zervixkarzinoms und dessen Vorstufen, die mittels  Papanicolau-Färbung sichtbar gemacht werden. /dpa

Vancouver – Eine Untersuchung auf Virus-Gene (HPV-Test) kann in einem Zervixabstrich Präkanzerosen früher nachweisen als die konventionelle zytologische Untersuchung (Pap-Test). Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 43-52).

Fast alle Zervixkarzinome werden durch humane Papillomaviren (HPV) verursacht, deren Gene heute in den Abstrichen nachgewiesen werden können. Der Test ist wesentlich sensitiver als die in den 1940er Jahren von George Papanicolaou entwickelte zytologische Untersuchung. Da nicht jede Infektion zum Krebs führt, könnte der Wechsel vom Pap-Test zum HPV-Test zu einer deutlichen Zunahme unnötiger Folgeuntersuchungen führen. Außerdem ist offen, ob der Test die Zahl der Frauen senkt, bei denen wegen einer fortgeschrittenen Präkanzerose eine Operation erforderlich wird. Fachgesellschaften machen deshalb den Wechsel vom Pap- zum HPV-Screening von den Ergebnissen langfristiger direkter Vergleichsuntersuchungen abhängig.

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Pap-Abstrich und HPV-Gentest im Vergleich

Ein solcher Vergleich findet derzeit in der kanadischen „HPV FOCAL Study“ statt. Die Studie wird im Rahmen des Vorsorgeprogramms der Provinz British Columbia durchgeführt. Sie umfasst mehr als 25.000 Frauen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, die eine Einladung zur Vorsorgeuntersuchung angenommen hatten und bei denen in den 5 Jahren davor keine zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN2 oder höher) diagnostiziert worden war.

Die Studie hatte 3 Gruppen. In der ersten Gruppe wurden die Abstriche zur konventionellen zytologischen Begutachtung in ein Labor geschickt, wo Laboranten in einer Pap-Färbung nach verdächtigen Zellen suchen. Dies geschah wie heute üblich in einer Dünnschichtzytologie („liquid based cytology“).

In der zweiten Gruppe wurde mittels Gentest nach einer Infektion mit onkogenen HPV gesucht. In der dritten Gruppe wurde die Zuverlässigkeit des HPV-Tests durch eine frühzeitige Nachuntersuchung geprüft. Dieser Arm der Studie wurde vorzeitig abgebrochen und ist nicht Gegenstand der Publikation, die die Integration der HPV-Tests in das normale Screening (ohne frühzeitig Nachuntersuchung) prüfen soll.

Die Vorsorge sieht vor, dass sich Frauen bei einem positiven Test einer Kolposkopie unterziehen, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Bei einem negativen Test wurden die Frauen in der Studie nach 24 Monaten (Pap-Test) beziehungsweise nach 48 Monaten (HPV-Gruppe) erneut zur Vorsorge eingeladen.

Die erste Screening-Runde fand zwischen 2008 und 2012 statt. Aufgrund der höheren Sensitivität des HPV-Tests wurden damals in der HPV-Gruppe mehr Abstriche mit einem CIN3 oder schlechter gefunden (Br J Cancer 2012; 107: 1917-1924). Die Frauen wurden deshalb häufiger zu einer Kolposkopie geschickt (57 versus 30,8 %).

HPV-Screening führt zu früherer Diagnose von CIN3 Läsionen

In der Zeit bis zur Abschlussuntersuchung nach 48 Monaten war es umgekehrt. Eine CIN3 oder schlechter wurde in der HPV-Gruppe bei 2,3 pro 1.000 Frauen diagnostiziert gegenüber 5,5 pro 1.000 Frauen in der Zytologie-Gruppe. Gina Suzanne Ogilvie vom BC Women’s Hospital and Health Centre in Vancouver und Mitarbeiter ermitteln eine Risk Ratio von 0,42, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,25 bis 0,69 hochsignifikant ist.

Das Screening hatte also zweifellos zu einer früheren Diagnose von CIN3 Läsionen (oder schlechter) geführt. Die Gesamtzahl der CIN3 Läsionen (oder schlechter), die bei der Erstuntersuchung oder nach 48 Monaten entdeckt wurden (9,3 versus 9,8 pro 1.000 Frauen) war jedoch gleich (Risk Ratio 0,94; 0,71-1,26).

Bei den CIN2-Läsionen, die sich spontan zurückbilden können, gab es einen ähnlichen Trend. Sie wurden bei der Erstuntersuchung häufiger, bei der abschließenden Untersuchung dagegen seltener gefunden, so dass die Gesamtrate (20,4 versus 20,2 pro 1.000 Frauen) am Ende gleich war (Risk Ratio 1,01; 0,83-1,23).

Unter dem Strich könnte das HPV-Screening eine Verbesserung bedeuten, weil behandlungsbedürftige Präkanzerosen (CIN3 oder schlechter) frühzeitig entdeckt werden. Weiterhin unbewiesen ist allerdings, ob das HPV-Screening auch die Inzidenz und die Mortalität des invasiven Zervixkarzinoms senkt. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.500 Frauen, von denen 1.500 am Zervixkarzinom sterben. Darunter sind allerdings viele Frauen, die nicht regelmäßig am Screening teilgenommen haben.

© rme/aerzteblatt.de

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