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Zu wenig Entscheidungsträger im Krankenhaus kennen Betriebs- und Personaldaten

Freitag, 6. Juli 2018

/Milles Studio, stock.adobe.com

Berlin – Zu wenig Entscheidungsträger in deutschen Krankenhäusern kennen die Daten zur Betriebs- und Personalentwicklung in ihrem Haus. Das kritisierten die Autoren der Studie „Controlling im deutschen Krankenhaussektor 2017/2018“, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

„Nur 75 Prozent der Vorstände beziehungsweise Geschäftsführer eines Krankenhauses erhalten einen monatlichen Personalkostenbericht“, sagte Christian Heitmann von der Managementberatung zeb, einer der Autoren der Studie. „Da müsste eigentlich 100 Prozent stehen.“ Denn diese Zahl bedeute, dass 25 Prozent nicht zeitnah über die Entwicklung im Personalbereich informiert werde. Bei Chefärzten und Klinikleitern werden 50 Prozent monatlich informiert.

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„Wir sehen in den Krankenhäusern ein sehr konservatives Berichtswesen“, fuhr Heitmann fort. So würden sich die Leiter von Krankenhäusern von den Mitarbeitern des Controllings zum Beispiel kaum über die Teilzeitquote berichten lassen (34 Prozent), über die zeitliche Befristung von Verträgen (32 Prozent) oder über die Fehlzeiten (52 Prozent). Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Vereins für Krankenhaus-Controlling (DVKC), Björn Maier, meinte: „Ich muss doch eine Ahnung davon haben, wie sich das Personal innerhalb meines Hauses verschiebt. Ansonsten laufe ich in einen Fachkräftemangel.“

Eine monatliche Gewinn- und Verlust-Rechnung erhielten 77 Prozent der Geschäfts­führer und 39 Prozent der Klinikleiter, fuhr Maier fort. Und eine Deckungsbeitrags-Rechnung bekämen 24 Prozent der Geschäftsführer und 21 Prozent der Klinikleiter.

Dringender Handlungsbedarf

Im Bereich des Berichtswesens im Krankenhaus bestehe ein dringender Handlungs­bedarf, meinte Heitmann. Dies werde sich spätestens dann zeigen, wenn die Kranken­häuser die Pflegepersonaluntergrenzen einhalten müssen, die derzeit von der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband verhandelt werden und die Anfang des kommenden Jahres voraussichtlich zunächst in der Geriatrie und in der Intensivmedizin eingeführt werden. „Wenn die Pflegepersonaluntergrenzen kommen, muss ich diese Kennzahlen kennen, um das Personal in meinem Krankenhaus steuern zu können“, betonte Heitmann. „Ich muss ja wissen, ob ich die Grenzen in den verschiedenen Abteilungen eingehalten habe.“

Anlässlich der Verhandlungen über die Pflegepersonaluntergrenzen hatte der GKV-Spitzenverband kritisiert, dass in vielen Krankenhäusern die  Dienstpläne gar nicht mit den Belegungsstatistiken in Verbindung gebracht würden. Teilweise stimmte Maier zu. „Manche können diese Daten verbinden, andere nicht“, sagte er. Insbesondere die privaten Krankenhausträger seien hier schon weiter.

Krankenhäuser stellen mehr Kodierfachkräfte ein

Heitmann kritisierte, dass in vielen Krankenhäusern die verschiedenen Controlling­bereiche zu wenig zusammenarbeiteten. „Es gibt drei große Bereiche: das Finanz­controlling, das Medizincontrolling und das Personalcontrolling“, sagte er. Zum Beispiel sei es nicht sinnvoll, dass das Personalcontrolling, bei dem es um einen Kostenbereich von etwa 65 Prozent der gesamten Ausgaben gehe, nicht mit dem Finanzcontrolling zusammenarbeite.

In den vergangenen drei Jahren haben die Krankenhäuser insbesondere mehr Mitarbeiter in zwei Controllingbereichen aufgebaut: bei den Kodierfachkräften (+ 43 Prozent) und beim MDK-Management (+ 36 Prozent).  Das sei auch sinnvoll. Denn die im Krankenhaus erbrachte Leistung müsse zu einem abrechenbaren Umsatz für das Krankenhaus führen, der durch diese beiden Berufsgruppen gewährleistet werde. Und da der Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) immer mehr Abrechnungen anfechte, bedürfe es mehr Mitarbeiter im MDK-Management, um die Erlöse für das Krankenhaus zu sichern.

Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass Krankenhäuser aktiv betrügen wollen. Christian Heitmann, zeb

Die Krankenkassen werfen den Krankenhäusern immer wieder vor, bewusst Abrech­nungen zu fälschen, um mehr Erlöse zu erhalten. Heitmann kann einen solchen Vorwurf nicht nachvollziehen. „Ich habe in keinem Krankenhaus den Eindruck gewonnen, dass es aktiv betrügen will“, sagte er. Denn teilweise sei es Ausle­gungssache, ob eine Abrechnung als falsch oder richtig angesehen werde. Was beim MDK in einem Bundesland akzeptiert werde, werde in einem anderen Bundesland nicht akzeptiert.

Der Krankenhausberater nennt ein Beispiel. „Bei bestimmten psychischen Erkran­kungen müssen die Patienten zwölf Stunden am Stück eins zu eins von einer Pflegekraft  betreut werden. Wenn diese Pflegekraft aber nun einmal zur Toilette gehen muss und niemand in der Nähe ist, der die Betreuung des Patienten in dieser Zeit übernimmt, kann die Krankenkasse sagen, sie bezahlt die Rechnung nicht, weil die Vorgabe nicht eingehalten wurde. Nun frage ich Sie: Ist das Betrug?“

Er könne verstehen, dass die Krankenkassen nur das bezahlen wollten, was auch korrekt abgerechnet sei, fuhr Heitmann fort. Er glaube jedoch, dass Abrechnungen bei bestimmten Krankenhäusern auch als politisches Instrument genutzt würden, um eine weitere Konsolidierung des Marktes zu erreichen. Zudem gab Heitmann zu bedenken, wie viele Menschen heute auf beiden Seiten in diesem hochkomplexen System mit der Prüfung der Abrechnungen beschäftigt seien.

Controller sollen mehr Empfehlungen geben

Maier rief die Controller in den Krankenhäusern dazu auf, mehr aktiv zu steuern und der Geschäftsführung Empfehlungen zu geben und weniger Zeit mit dem Sammeln und dem Aufbereiten von Daten zu verbringen. Dies könne einfacher durch eine entsprechende Data-Warehouse-Lösung geschehen. „Nur rund 25 bis 35 Prozent der Zeit werden für die Kommunikation der Ergebnisse gegenüber der Klinikleitung und den Chefärzten verwendet“, sagte Maier. „Das halten wir für dringend ausbaubar.“

Auch die Qualitätskennzahlen der Krankenhäuser, die mit dem Krankenhaus-Strukturgesetz begründet wurden, würden in den Qualitätsberichten noch nicht ausreichend kommuniziert. Heitmann prognostizierte: „Spätestens, wenn nicht erreichte Qualitätskennzahlen zu Abschlägen führen, wird sich das ändern.“

Die Krankenhaus-Controlling-Studie wird einmal im Jahr vom DVKC, dem Lehrstuhl für Controlling der Bergischen Universität Wuppertal und zeb herausgegeben. An der diesjährigen Umfrage beteiligten sich Geschäftsführer beziehungsweise Controllingleiter aus 146 Krankenhäusern und Psychiatrien.

© fos/aerzteblatt.de

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