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Krebsmedikamente gepanscht: Zwölf Jahre Haft für Apotheker

Freitag, 6. Juli 2018

Der angeklagte Apotheker (rechts) wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. /dpa

Essen – Nach einem der größten Medizinskandale der vergangenen Jahre muss ein Apotheker aus dem Ruhrgebiet wegen gepanschter Krebsmedikamente für zwölf Jahre in Haft. Nach Überzeugung des Essener Landgerichts hat der 48-Jährige jahrelang lebenswichtige Medikamente seiner Patienten gestreckt, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Außerdem wurde heute ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Mann aus Bottrop verhängt.

In der Apotheke wurden laut Urteil individuell zubereitete Infusionslösungen hergestellt, die in ihrer „Qualität nicht unerheblich gemindert waren“. Der Schaden für die Krankenkassen beläuft sich nach Berechnungen der Richter auf rund 17 Millionen Euro. Dieser laut Urteil illegal erzielte Gewinn wird vom Staat eingezogen. „Wir sind überzeugt, dass mindestens 14.500 Arzneimittel zwischen 2012 und 2016 unterdosiert waren“, sagte Richter Johannes Hidding.

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Auch Hygieneverstöße

Dies sei das Ergebnis eines Vergleichs zwischen eingekauften und abgerechneten Wirkstoffen. Außerdem gehen die Richter von großen Hygieneverstößen aus. Der Angeklagte sei nicht nur einmal dabei beobachtet worden, wie er das Labor in Straßenkleidung betreten habe. „Dabei ist Hygiene gerade für immungeschwächte Krebspatienten immens wichtig“, hieß es im Urteil. Der Angeklagte habe von den Straftaten wirtschaftlich erheblich profitiert. „Er hat ganz schlicht aus Habgier gehandelt“, sagte Hidding. „Luxusgüter spielten für ihn eine ganz große Rolle.“

Der 48-Jährige war am 29. November 2016 festgenommen worden, er sitzt seitdem ununterbrochen in Untersuchungshaft. Bei einer Durchsuchung der Bottroper Apotheke waren zuvor unterdosierte Infusionslösungen sichergestellt worden, die zur Auslieferung bereitstanden.

Die Staatsanwaltschaft hatte dreizehneinhalb Jahre Haft gefordert. Der 48-Jährige habe sich auf Kosten von Menschen bereichert, die um ihr Leben bangten, hatte Staats­anwalt Rudolf Jakubowski in seinem Plädoyer argumentiert. „Und das zur Fortsetzung seines luxuriösen Lebensstils – zum Beispiel zum Bau einer Villa mit Wasserrutsche.“

Der Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Verteidiger hatten einen Freispruch beantragt.

Opfer und Hinterbliebene kritisierten, dass wichtige Fragen in dem Verfahren am Landgericht Essen offengeblieben seien. Vor allem konnte nicht geklärt werden, wie viele Patienten unterdosierte Medikamente erhalten hatten. Anfänglich war die Staatsanwaltschaft von mehr als 1.000 betroffenen Patienten ausgegangen.

Der Skandal war von zwei Mitarbeitern des Angeklagten aufgedeckt worden. Für ihre Enthüllungen wurden sie 2017 mit dem Deutschen Whistleblower-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird an Menschen vergeben, die Risiken eingehen, um Missstände aufzudecken, die ihnen in ihrer dienstlichen oder amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sind. © dpa/aerzteblatt.de

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