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Medizin

Babys schlafen besser mit Beikost in den ersten sechs Monaten

Mittwoch, 11. Juli 2018

/Monkey Business, stock.adobe.com

London – Babys, die in den ersten 6 Monaten zusätzlich zum Stillen auch feste Nahrung bekommen, könnten im Vorteil gegenüber jenen sein, die ausschließlich gestillt werden. Sie schlafen länger, wachen nachts seltener auf und haben weniger Schlafprobleme. Das ergab eine randomisierte Studie mit etwa 1.300 Babys in England und Wales, die in JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0739).

Die Daten stammen aus der Studie „Enqueating About Tolerance“ (EAT), die von der Food Standards Agency und dem Medical Research Council finanziert wurde. Sie wurde zwischen Januar 2008 und August 2015 im St. Thomas Hospital in London durchgeführt.

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Die eine Hälfte der Teilnehmer befolgte die Standardempfehlungen für Säug­lingsernährung und wurde ermutigt, etwa 6 Monate lang ausschließlich zu stillen. Die 2. Gruppe, die weiterhin stillen sollte, wurde gebeten, ab dem Alter von 3 Monaten feste Nahrung zuzuführen.

Die Eltern füllten jeden Monat einen Onlinefragebogen zur Ernährung, Stillzeit und Schlafdauer aus, bis ihr Baby 12 Monate alt war. 94 % der Eltern nahmen über weitere 3 Jahre an der Befragung alle 3 Monate teil. Zudem wurde die Lebensqualität der Mütter beurteilt. Der Zusammenhang von Schlafverhalten und Beikost sei bislang noch nie so deutlich dokumentiert worden wie in dieser Studie, erläutert Berthold Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Auswertung zeigte, dass Säuglinge, die früh Beikost zu sich nahmen, länger schliefen und weniger wach lagen als jene, deren Eltern die die Standard­empfehlungen befolgten. Am deutlichsten wurde der Unterschied im Alter von 6 Monaten. Babys, die feste Nahrung zusätzlich zum Stillen bekamen, schliefen pro Nacht 16,6 Minuten länger – fast 2 Stunden länger pro Woche. Sie wachten auch seltener auf, statt etwas mehr als 2-mal pro Nacht nur noch bis zu 1,74-mal pro Nacht. Und ihr Mütter berichteten über ein besseres Wohlbefinden. „Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die weit verbreitete Ansicht der Eltern, dass die frühe Einführung fester Nahrung den Schlaf verbessert“, sagt Gideon Lack vom King's College London.

Offizielle Institutionen empfehlen keine Beikost in den ersten Monaten

Mit fester Nahrung füttern 75 % der britischen Mütter schon vor dem 5. Monat ihren Nachwuchs. Jede 4. Mutter gibt an, dass das nächtliche Aufwachen ihre Entscheidung beeinflusst hätte. Aktuell rät die Regierung Großbritanniens Müttern dazu, ihre Kinder in den ersten 6 Monaten zu stillen. Das entspricht den Empfehlungen der Weltgesund­heitsorganisation (WHO). Feste Nahrung würde Babys nicht dazu bringen, nachts durchzuschlafen, heißt es in der aktuellen Leitlinie auf der Webseite des NHS. Dieser Ratschlag sollte überprüft werden, fordert Lack.

Keine genaue Zeitangabe macht hingegen das britische Ministerium für Gesundheit. Es empfiehlt, feste Nahrung zuzuführen, wann immer der Säugling bereit dafür ist. Nächtliches Aufwachen sei nicht unbedingt ein Zeichen für Hunger. Auch in Deutsch­land sprechen sich verschiedenste Institutionen in ihren Empfehlungen gegen die Beikost vor dem 4. oder 5. Monat aus. Die Europäische Lebensmittelbehörde schreibt: In Abhängigkeit von Wachstum und Entwicklung kann es in einigen Fällen notwendig sein, Beikost bereits vor dem vollendeten 6. Lebensmonat zu füttern (aber nicht vor dem vollendeten 4. Monat!).

Zeitpunkt der Beikost beeinflusst Übergewicht und Allergien

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfiehlt die erste Gabe von Beikost ebenfalls erst zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Monats. Beikost bereits vom 4. Monat an sei mit Übergewicht assoziiert, erklärt Koletzko, der die DGKJ-Ernährungskommission leitet. „In der Studie bekamen 3 bis 4 Monate alte Babys auch nur Joghurt in winzigen Mengen. In diesem Alter können Säuglinge meist noch gar nicht vom Löffel essen.“

Ein weiterer Aspekt sind Allergien. Inzwischen hätten schon rund 10 Studien gezeigt, dass Kinder, die sehr spät Beikost bekommen, ein erhöhtes Allergierisiko haben, sagt
Koletzko. Bei der Gabe von Beikost im Alter von 4 bis 6 Monaten entwickle das Immunsystem dagegen eine gute Toleranz. © gie/dpa/aerzteblatt.de

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