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Politik

Landessozialgericht Berlin-Bran­denburg erklärt Qualitäts­prüfungs-Richtlinie für rechtswidrig

Freitag, 6. Juli 2018

/dpa

Berlin – Das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg hat die Qualitätsprüfungs-Richtlinie vertragsärztliche Versorgung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) für rechtswidrig erklärt (Az.: L 7 KA 52/14). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rät den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die entsprechenden Stichproben­prüfungen zunächst auszusetzen. Der G-BA muss die betroffene Richtlinie laut KBV nun überarbeiten. Die Revsision hat das LSG nicht zugelassen.

Die Richter des Landessozialgerichts stellten in der Entscheidung vom 9. Mai, die jetzt bekannt wurde, fest, dass Ärzte keine personenbezogenen Daten im Rahmen von Qualitätsprüfungen an ihre jeweilige KV übermitteln dürfen. Die KVen dürften „nur pseudonymisierte Daten“ von den Niedergelassenen anfordern, heißt es konkret in den Entscheidungsgründen, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegen.

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Der KBV zufolge betrifft das Urteil die Qualitätsprüfungen für konventionelles Röntgen und Computertomografie, Kernspintomografie, Arthroskopie, die substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger, die neuropsychologische Therapie, die Magnetresonanz­tomografie der weiblichen Brust sowie weitere (fakultative) Stichprobenprüfungen in einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen.

Im vorliegenden Fall war ein Vertragsarzt, der unter anderem Drogenabhängige therapiert, von seiner KV aufgefordert worden zwölf namentlich benannte Patienten und dessen vollständigen Behandlungsdaten wie etwa die ausführliche Anamnese und Ergebnisse der körperlichen Untersuchung zur Qualitätsprüfung vorzulegen. Da dies aus Sicht der KV nicht vollständig erfolgte, gab es Streit um Fristen und eine mögliche Rückzahlung der Honorare. Der Vertragsarzt begründete sein Verhalten auch damit, dass die KV die Patientendaten nicht pseudonymisiert angefordert habe.

Während das Sozialgericht Berlin noch der KV Recht gab, deutete das LSG die Rechts­lage nun anders. Es hob die Entscheidung der Vorinstanz auf. Gerade bei Patienten mit Suchterkrankungen und wegen des mit der Suchterkrankung verbundenen, weitverbreiteten sozialen Makels sei ein „behutsamer Umgang mit deren Sozialdaten geboten“. Dies sehe der Gesetzgeber im § 299 Sozialgesetzbuch auch so vor, hieß es. © may/EB/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 8. Juli 2018, 23:56

Naja

in NRW MÜSSEN alle Patienten vor Aufnahme einer Substitutionsbehandlung einer namentlichen Datenübermittlung für die Qualitätssicherung schriftlich zustimmen. Wird die Einwilligung verweigert, darf eine Substitution "auf Kasse" nicht begonnen werden - so einfach ist das. Die werden schon eine Möglichkeit finden, diesen Richterspruch irgendwie zu umgehen.
Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 7. Juli 2018, 10:32

Die EU-DSGVO zeight erste POSITIVE Ergebnisse!

Das Az.: L 7 KA 52/14 ist noch nicht als pdf im Internet, was da aber zu lesen ist, stimmt mich sehr hoffnungsvoll.
Bisher war es eher so, daß wir uns von der Datenschutzerklärung auf der Homepage bis zur Patienteninformation eher über eine neue Bürokratie-Art ärgern mußten - als wäre das Arztgeheimnis nicht schon "wasserdicht" genug gewesen, um die Patientendaten zu sichern.
Der Fall des Kollegen in Berlin, dem das LSG Recht zugesprochen hat zeigt, wie sehr wir als Ärzte scheinbar hilflos dem MDK, den Krankenkassen oder der KV ausgeliefert sind, daß wir uns aber nicht wie in einem totalitären System fühlen brauchen.
Dieses Urteil wird Kreise ziehen!
Ich kann mir z.B. kaum vortstellen, wie das E-health-Gesetz, die gematik und die Konnektoren nach diesem Urteil ungeschoren davonkommen können.
Danke nach Berlin!
Danke dem klagenden Kollegen dort und dem gerechten Gericht!
LNS

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