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Medizin

Neuer HIV-Impfstoff erzielt robuste Immunität bei Affen und Menschen

Montag, 9. Juli 2018

/psdesign1, stockadobecom

Boston – Ein sogenannter Mosaik-Impfstoff, der Antigene verschiedener Varianten des HI-Virus enthält, hat in einer ersten klinischen Studie eine robuste Immunantwort erzielt. Nach den begleitenden tierexperimentellen Untersuchungen könnte der Impfstoff zwei Drittel aller Geimpften vor einer Infektion schützen. Die im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31364-3) publizierten Ergebnisse haben eine Folgestudie veranlasst, die derzeit in fünf afrikanischen Ländern durchgeführt wird.

Die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs hat sich als schwierig erwiesen, da das HI-Virus sehr variabel ist und außerdem mit den CD4-Zellen einen zentralen Bestandteil des Immunsystems infiziert. Nach ersten Misserfolgen wurde vor zehn Jahren eine erfolgversprechende Strategie gefunden. Sie bestand aus einer kombinierten Primer/Booster-Impfung.

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Als Primer wurde die DNA-Vakzine ALVAC-HIV von Sanofi Pasteur verwendet. Sie besteht aus einem (für den Menschen ungefährlichen) Kanarienpockenvirus, das mit jeweils einer Version der HIV-Gene „env“, „gag" und „pol“ versehen ist. Als Booster wurde AIDSVAX von VaxGen verwendet. Es enthält das rekombinant hergestellte HIV-Oberflächenprotein Gp120.

In der RV144-Studie wurde mit der kombinierten ALVAC-HIV/AIDSVAX-Impfung ein Impfschutz von 31 Prozent erzielt (NEJM 2009; 361: 2209-20). Für eine Zulassung war die Schutzwirkung zu gering. Die Ergebnisse der RV144-Studie zeigten jedoch, dass die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs nicht aussichtslos ist.

Zu den Weiterentwicklungen gehören mehrere Mosaik-Impfstoffe des Herstellers Janssen. Ihr Primer enthält die HIV-Gene „env“, „gag" und „pol“ in mehreren Versionen, die die verschiedenen weltweit existierenden HIV-Varianten (Clade) repräsentieren sollen. Als Trägervirus dient ein modifiziertes Adenovirus vom Serotyp 26 (Ad26). Dieser Primer wurde in der APPROACH-Studie mit verschiedenen Boostern kombiniert.

An der APPROACH-Studie nahmen insgesamt 393 gesunde Probanden aus den USA, Ruanda, Uganda, Südafrika and Thailand teil, die nicht mit HIV infiziert waren. Ziel der Phase 1/2a-Studie war die Verträglichkeit des Impfstoffes. Nach den jetzt von Dan Barouch von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeitern mitgeteilten Ergebnissen gab es keine Sicherheitsprobleme. Die häufigsten Beschwerden betrafen Lokalreaktionen an der Injektionsstelle, die je nach Kombination bei 69 bis 88 Prozent der Patienten auftraten. Nebenwirkungen vom Grad 3 traten bei fünf der 393 Teilnehmer (1 Prozent) auf. Es handelte sich um Bauchschmerzen plus Durchfall (bei demselben Teilnehmer), eine Erhöhung der Aspartat-Aminotransferase, Schwindelgefühle, Rückenschmerzen und Unwohlsein.

Vor diesem Hintergrund interessieren die Daten zur erzielten Immunität in den einzelnen Gruppen. Die beste Immunität wurde von der Kombination des Mosaik-Ad26-Primers mit Boostern erreicht, die erneut den Mosaik-Ad26-Impfstoff und zusätzlich eine hohe Dosis des Oberflächen-Proteins gp140 enthielt. Diese Kombination erzeugte bei allen Patienten Antikörper gegen das Env-Protein sowie zu 80 Prozent eine Antikörper-abhängige zelluläre Phagozytose-Reaktion und zu 83 Prozent eine T-Zell-Reaktion.

Die Forscher haben den Impfstoff auch an 72 Rhesusaffen mit Placebo verglichen. Die Kombination aus Ad26-Primer und „Ad26 plus gp140“-Booster induzierte eine mit dem Menschen vergleichbare Immunantwort und gewährleistete einen 67-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit dem SHI-Virus („simian-human immunodeficiency virus“), das dem HI-Virus beim Menschen entspricht.

Die guten Ergebnisse der APPROACH-Studie, die im letzten Jahr bereits auf der 9. International AIDS Society Conference on HIV Science in Paris vorgestellt wurden, haben bereits eine Anschlussstudie veranlasst. Die Phase-2b-Studie HVTN 705/HPX2008 („Imbokodo“) untersucht seit November 2008 an 2.600 jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren aus fünf afrikanischen Ländern südlich der Sahara, ob der Impfstoff vor einer HIV-Infektion schützen kann. Erste Ergebnisse der Studie werden für das Jahr 2021 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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