NewsMedizinLancet zieht nach tödlichen Experimenten Artikel zurück
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lancet zieht nach tödlichen Experimenten Artikel zurück

Montag, 9. Juli 2018

Paris – Die renommierte medizinische Fachzeitschrift Lancet hat zwei Artikel des in Ungnade gefallenen italienischen Chirurgen Paolo Macchiarini zurückgezogen. Das Magazin verwies zur Begründung auf wissenschaftliche Mängel und ethische Bedenken. Macchiarini wird beschuldigt, gefährliche experimentelle Verfahren zur Luftröhren-Transplantation an nicht schwerkranken Patienten unternommen zu haben.

Die Rücknahme eines wissenschaftlichen Artikels ist ein ungewöhnlicher Schritt für den Lancet. Den Schritt unternahm sie nach eigenen Angaben auf Anfrage des schwedischen Karolinska Instituts, bei dem Macchiarini früher gearbeitet hatte.

Anzeige

In den Artikeln, die 2011 und 2012 erschienen, habe Macchiarini seine Forschungs­ergebnisse zu positiv dargestellt und sie nicht kritisch hinterfragt, schrieb der Präsident des Karolinska Instituts, Ole Petter Ottersen, in einer von Lancet veröffentlichten Stellungnahme. Zudem habe es ihm an einer „ethischen Erlaubnis“ gemangelt. Als der Chirurg zwischen 2011 und 2014 die umstrittenen Experimente unternahm, war er an dem schwedischen Forschungsinstitut tätig. Er war entlassen, worden, als Zweifel an seiner Methode aufkamen. Das Institut ist bekannt für die Vergabe des Nobelpreises für Medizin.

Bei dem getesteten Verfahren wird das Gerüst einer künstlichen Luftröhre mit Stammzellen beschichtet. So soll sich ein künstliches Organ entwickelt, das vom Immunsystem des Patienten nicht abgestoßen wird. Macchiarini und seine Kollegen transplantierten acht dieser Luftröhren. Sieben der Patienten starben, Zustand und Aufenthaltsort des achten sind nicht bekannt.

Das Verfahren wurde zunächst als Durchbruch der regenerativen Medizin gepriesen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass das riskante Verfahren an mindestens einem Menschen ausgeführt worden war, der damals nicht schwer krank war. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #749945
Leonid Schneider
am Dienstag, 10. Juli 2018, 12:15

Deutsche Seite der Macchiarini-Affäre

Es gab eine weitere Retraction-Forderung von Karolinska. Aber der deutsche Aspekt und die hiesige Attitüde zu Medizinethik überwog. Details hier: http://forbetterscience.com/2018/06/07/karolinska-gets-taught-german-medical-ethics/
LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2018
London – Das Karzinogen N-Nitrosodiethylamin (NDEA), dessen Nachweis in Valsartan-Chargen weltweit zum Rückruf von Hochdruckmedikamenten geführt hat, wurde jetzt auch, allerdings in geringen Mengen,
NDEA-Spuren auch in Losartan: EMA lässt weitere Sartane untersuchen
20. September 2018
Straßburg – Der radikale Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen ist mit einer Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Deutsche Gerichte hätten dem Mann zurecht in
Urteil: Kein Vergleich von Abtreibung mit Holocaust
17. September 2018
Düsseldorf – Das Transplantationszentrum der Universitätsklinik Essen darf trotz mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen seine Arbeit fortsetzen. Es habe nach wie vor einen
Essener Transplantationszentrum darf Arbeit fortsetzen
13. September 2018
Essen – Der Haftbefehl gegen den Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie an der Uniklinik Essen ist unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Dies teilte die
Haftbefehl gegen Essener Transplantationsmediziner ausgesetzt
13. September 2018
Oldenburg – Das Klinikum Oldenburg sieht sich von Vorwürfen einer erhöhten Sterberate nach Bauchspeicheldrüsen-Operationen durch ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten entlastet. Die Operationen
Gutachten: Bauchspeicheldrüseneingriffe am Klinikum Oldenburg korrekt
13. September 2018
Paris – Im Skandal um Brustimplantate aus Industriesilikon ist die vierjährige Haftstrafe für den Gründer des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) jetzt endgültig. Das oberste französische Gericht
Haftstrafe im Skandal um Brustimplantate mit Industriesilikon endgültig
11. September 2018
Frankfurt am Main – In einem Schadensersatzprozess wegen mangelhafter Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main den
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER