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Bewertungsportal: Jamedas Neutralität weiterhin fragwürdig

Montag, 9. Juli 2018

/dpa

Berlin – Mehrere Ärzte klagen erneut gegen das Arztbewertungsportal Jameda mit dem Ziel, ihre Profile löschen zu lassen. Darauf hat Rechtsanwalt Carsten Brennecke aus Köln jetzt hingewiesen. Seiner Meinung nach können Ärzte ihr Profil bei Jameda nach wie vor löschen lassen.

Zwar habe Jameda nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) Änderungen auf seiner Internetseite vorgenommen. Diese sind Brennecke zufolge aber kosmetischer Natur. Es gebe weiterhin Ungleichbehandlungen auf dem Portal, sagte er. So werde auf dem Profil nicht zahlender Ärzte allgemeine Werbung eingeblendet, während Profile zahlender Ärzte werbefrei seien. Auf den Profilen nicht zahlender Ärzte würden zudem Werbeartikel eingeblendet, die angeblich von zahlenden Ärzten verfasst worden seien, sodass nun auf diesem Weg eine Umleitung auf zahlende Profile stattfinde.

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Mitte Februar hatte der BGH entschieden, dass Jameda das Profil einer Kölner Dermatologin löschen muss. Grundlage des Urteils war, dass in der Gestaltung des Portals zahlende und nichtzahlende Ärzte ungleich behandelt wurden. Der BGH stellte damals fest, dass Jameda somit kein neutrales Bewertungsportal mehr sei und nicht zahlende Ärzte unter diesen Voraussetzungen nicht dulden müssen, dass ihr Profil gezeigt wird.

In Reaktion darauf hatte Jameda Änderungen an seiner Internetseite vorgenommen, die die Neutralität des Portals wiederherstellen sollten. Zum Beispiel wird auf den Profilen nicht zahlender Ärzte keine unmittelbare Werbung mehr eingeblendet. Viele Ärzte zeigen sich seither verunsichert, ob sie einen Anspruch auf Löschung ihres Profils haben. © KK/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 10. Juli 2018, 22:09

Komisch

ich zahle nicht für Jameda oder sonstwen und habe trotzdem überall 5-Sterne-Bewertungen... einfach gut sein und gut zuhören scheint zu reichen...
Avatar #737969
Dr. Peter Gorenflos
am Dienstag, 10. Juli 2018, 08:11

konstruiertes Echtheits-Postulat, manipulierte Bewertungs-Durchschnitte und unlauterer Wettbewerb

Jamedas Echtheits-Postulat der Bewertungen ist konstruiert und führt in die Irre. Das beweist eine WDR Sendung vom 8.11.2017 und eine RBB Sendung vom 7. Mai dieses Jahr. Beliebige Passanten einer Einkaufsstraße in Köln und Berlin haben Ärzte bewertet, die sie gar nicht kannten, und diese Bewertungen sind im Profil der Ärzte tatsächlich veröffentlicht worden. Jeder kann diesen Test mit unbekannten Ärzten/Zahnärzten selbst durchführen – die Empirie entscheidet über den Sachverhalt, nicht die Suggestion - und wird dabei ggf. nur dann auf Probleme stoßen, wenn er einen Jameda-Kunden schlecht bewertet, denn das ist nicht im Geschäfts-Interesse des Portals.
Wenn Jamedas Echtheits-Postulat der Bewertungen ernst gemeint wäre, dann würde man bei jeder Bewertung einen Behandlungs-Nachweis verlangen. Das ist ganz einfach: man legt der Bewertung ein Smartphone-Foto von einem Rezept, einer Krankschreibung oder einer Überweisung bei und auf Nachfrage des betroffenen Arztes/Zahnarztes leitet man es anonymisiert an diesen weiter. Wenn das aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht geht, dann muss die Anonymität des Bewerters aufgehoben werden, andernfalls gäbe es eine Lizenz zu Intrige und Verleumdung, die mit rechtsstaatlichen Prinzipien nicht vereinbar ist. Apropos Datenschutz: ist der Web-Auftritt Jamedas überhaupt mit der DSGVO vereinbar, mit der man uns in den Praxen das Leben schwermacht?
Bewertungsfabriken sind jedenfalls nur die Spitze des Eisberges und wenn Jameda gegen diese vorgeht, macht man sich nur vom Bock zum Gärtner. Denn der ZEIT-Artikel vom 18. Januar legt nahe, dass nicht nur die Bewertungs-Durchschnitte manipuliert werden, er legt auch nahe, dass zahlende Kunden selbst für zahlreiche Positiv-Bewertungen sorgen. Das merkt man u.a. auch an der Einförmigkeit und der Standardisierung der Texte. Jameda kann also kein Interesse an der Echtheit der Bewertungen haben. Das wäre nicht im Interesse seiner Kunden, die wenigstens teilweise ihren Ruf aufpolieren (lassen), nicht im wirtschaftlichen Interesse des Portals, dass von seinen zahlenden Kunden lebt, aber keineswegs von der Echtheit der Bewertungen. Natürlich können das auch zwangsrekrutierte Kollegen im Portal tun und sei es aus Notwehr. Aber die Anzahl der schlechten Bewertungen - darin liegt der eigentliche Schlüssel der Bewertungsdurchschnitts-Manipulation – verringern sie nur dann signifikant, wenn sie „Schutzgeld“ bezahlen, wie das die Rechtsanwältin von Astrid Eichhorn formulierte. Es bleibt dabei: Jameda muss sein Werbe-Portal strikt von einem nicht-kommerziellen Bewertungs-Portal - mit gleichen Spielregeln für alle – trennen. Andernfalls müssen alle Teilnehmer ausdrückliche Zustimmung erteilen. Wenn das nicht geschieht, kommt das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) zur Anwendung, wie das der ehemalige Vorsitzende des Bundesgerichtshofes, Wolfgang Büscher, in seinem wegweisenden Artikel „Soziale Medien, Bewertungsplattformen & Co“ formuliert. Hier sind die Kammern gefragt. Wenn sich Jameda daran nicht hält, stattdessen Patienten täuscht und Kollegen korrumpiert, dann muss dem Portal das Handwerk gelegt werden.
Avatar #20481
koeh
am Montag, 9. Juli 2018, 19:03

Jameda finde ich gut

Niemand ist gezwungen ein Bewertung zu schreiben, aber wenn er das tut, macht er das selbst und findet den Behandler gut oder eben nicht gut. Als Orientierung bei der Suche finde ich jameda sehr hilfreich.
LNS

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