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Gängige Desinfektions­methoden in der Klinik auch gegen Chikungunya-Virus wirksam

Dienstag, 10. Juli 2018

/contrastwerkstatt, stock.adobe.com

Hannover – Aufgrund der Klimaveränderungen dringen mittlerweile Infektionserreger, die noch bis vor wenigen Jahren Tropenkrankheiten auslösten, bis nach Europa vor. Einer dieser tropischen Erreger ist das Chikungunya-Virus, das bislang vor allem in Afrika, Indien und der Karibik verbreitet war. Wissenschaftler des Twincore – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung konnten jetzt nachweisen, dass gängige Desinfektionsmethoden in der Klinik vor dem Erreger schützen. Ihre Studie ist im Journal of Infectious Diseases erschienen (2018; doi: 10.1093/infdis/jiy359).

Eine Infektion mit dem Virus äußert sich in hohem Fieber, starken Gelenk- und Muskelschmerzen und häufig auch Hautausschlägen. Meist klingt die akute Infektion nach 2 Wochen ab, aber schätzungsweise mehr als ein Drittel der Betroffenen leidet unter langanhaltenden Gelenk- und Muskelschmerzen und in einigen Fällen unter neurologischen Beschwerden. „Das Leid der Menschen, die mit dem Virus infiziert sind, ist groß. Vor allem bei chronischen Verläufen haben die Betroffenen häufig über Jahre mit starken Schmerzen und Beeinträchtigungen zu leben“, erläutert Christine Goffinet, Leiterin der Arbeitsgruppe Angeborene Immunität und Virale Invasion am Twincore.

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Im Augenblick existiert weder ein Impfstoff noch eine spezifische antivirale Therapie gegen das Virus – die einzige Möglichkeit, sich vor einer Infektion zu schützen, ist, sich vor dem Überträger zu schützen: Besonders die Gelbfiebermücke und die Asiatische Tigermücke verbreiten das Virus „Durch eine Mutation des Virus in den letzten Jahren, ist die Asiatische Tigermücke zu einem zusätzlichen Überträger des Virus geworden“, sagt Sergej Franz, Nachwuchswissenschaftler in der Arbeitsgruppe. Diese Mückenart, die sich in wärmeren Klimazonen besonders wohl fühlt, breitet sich im Zuge der Klimaerwärmung immer weiter aus. Die Erkrankung brach bereits in Italien, Süd-Frankreich und in Süddeutschland aus. In den Jahren 2007 und 2017 kam es zu Ausbrüchen mit Hunderten Betroffenen in Italien.

Franz hat die unterschiedlichsten Verfahren getestet, um den Erreger abzutöten: „Da Chikungunya noch vorwiegend in Ländern mit schlechter medizinischer Infrastruktur verbreitet ist, haben wir zunächst Desinfektionsmittel nach Rezepten der Weltgesund­heitsorganisation WHO getestet“, erläutert er.

Die WHO stellt seit vielen Jahren 2 Rezepte zur Verfügung, nach denen Desinfektions­mittel mit einfachen Mitteln direkt in Krisengebieten angemischt werden können. Sie kosten nur etwa ein Zehntel vorgemischter Markenprodukte und basieren im Wesentlichen auf den Alkoholen Ethanol und Isopropanol. „Diese Rezepturen funktionieren in der empfohlenen Dosierung gut, dürfen aber nicht unterdosiert werden“, beschreibt er seine Ergebnisse.

Auch handelsübliche Flächen- und Handdesinfektionsmittel deaktivierten das Chikungunya-Virus sehr effektiv. Ebenfalls sehr empfindlich reagiert das Virus auf Erhitzen: Bereits ab 70 Grad Celsius werden alle Viren inaktiviert. „Einzig beim Austrocknen zeigt sich das Virus recht widerstandsfähig. Im Gegensatz zu einigen anderen verwandten Viren konnten wir es nach dem Eintrocknen durch die Zugabe von Wasser wieder reaktivieren“, erläutert der Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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