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Medizin

Verapamil erhält Beta-Zellen bei beginnendem Typ-1-Diabetes

Dienstag, 10. Juli 2018

/tunedin, stockadobecom

Birmingham/Alabama – Der Kalziumantagonist Verapamil, der seit Jahrzehnten zur Behandlung kardialer Erkrankungen und zur Blutdrucksenkung eingesetzt wird, hat in einer ersten klinischen Studie in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0089-4) den Untergang von Betazellen verhindert, was zu einem verminderten Insulinbedarf und weniger Hypoglykämien führte.

Es gibt derzeit keine klinisch vertretbare Möglichkeit, den Untergang der restlichen Betazellen zu verhindern, die bei der Diagnose des Typ-1-Diabetes dem Angriff des Immunsystems noch entgangen sind. Eine hochdosierte Immunsuppression scheidet aus, da die Folgen für den Patienten gravierender wären als die täglichen Insulin­injektionen, die heute bedarfsabhängig nach der Kontrolle des Blutzuckers erfolgen.

Eine Restproduktion von Insulin wäre allerdings sinnvoll, da sie das Risiko von schweren Hypoglykämien vermindert und den Insulinbedarf senken könnte. Vor einigen Jahren entdeckte ein Team um Anath Shalev von der Universität von Alabama in Birmingham, dass das Protein TXNIP („thioredoxin-interacting protein“) an der Zerstörung der Betazellen mitwirkt. Da Verapamil die Bildung von TXNIP in den Zellen vermindert, ergab sich ein möglicher neuer Therapieansatz.

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Nach günstigen Ergebnissen an Tiermodellen wurde im Februar 2015 eine erste klinische Studie an Patienten durchgeführt, bei denen die Diagnose des Typ-2-Diabetes nicht länger als 3 Monate zurücklag und bei denen noch eine Restproduktion von Insulin nachweisbar war.

Nach den jetzt vorgestellten Ergebnissen scheint Verapamil auch beim Menschen den weiteren Verlust von Betazellen verlangsamen zu können. Während in der Placebo­gruppe der Insulinbedarf im Verlauf eines Jahres um 70 % zunahm, mussten die Patienten in der Verapamilgruppe die Dosis nur um 27 % steigern. Die Differenz von 43 % war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1 bis 84 % signifikant. Der Einspareffekt wurde dabei in der Verapamilgruppe nicht durch höhere HbA1c-Werte erkauft.

Auch die Zahl der Hypoglykämien wurde gesenkt. In der Verapamilgruppe kam es zu 0,5 Ereignissen pro Monat im Vergleich zu 2,7 Ereignissen pro Monat in der Placebo­gruppe. Auch hier war die Behandlungsdifferenz von 2,2 Ereignissen pro Monat mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,1 bis 4,2 Ereignissen pro Monat signifikant.

Da Verapamil seit Jahrzehnten, wenn auch zumeist bei älteren Patienten, eingesetzt wird und Risiken und Nebenwirkungen gut bekannt sind, spräche im Prinzip nichts gegen einen Therapieversuch. Bei den Patienten der Studie erwies sich die Therapie als verträglich. Es kam weder zu Blutdruckabfällen, noch zur Bradykardie oder einer Verlängerung von PR- beziehungsweise QT-Intervallen.

An der Studie hatten jedoch vorsichtshalber nur erwachsene Patienten im Alter von 18 bis 44 Jahren teilgenommen. Das Manifestationsalter des Typ-1-Diabetes liegt jedoch heute bei Kindern und Jugendlichen. Der nächste Schritt dürfte deshalb darin bestehen, die Sicherheit und Effektivität in dieser Altersgruppe zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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