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Medizin

Mutationen zeigen drohende Leukämie an

Dienstag, 10. Juli 2018

/toeytoey, stockadobecom

Toronto – Der akuten myeloischen Leukämie (AML) gehen trotz ihrer raschen klinischen Entfaltung, die unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen würde, genetische Veränderungen voraus, die laut einer Studie in Nature (2018; doi: 10.1038/s41586-018-0317-6) bereits Jahre vor der klinischen Diagnose nachweisbar sind. Die Forscher fanden auch Veränderungen im Blutbild, die einen bevorstehenden Beginn der Leukämie vermuten lassen.

Vor 4 Jahren hatte ein Team um John Dick vom University Health Network in Toronto entdeckt, dass Patienten, die später an einer AML erkranken, bereits Monate oder Jahre vor der explosionsartigen Vermehrung der Blutzellen Zellklone im Knochenmark haben, die anhand von bestimmten Mutationen identifiziert werden können. Die gleichen Mutationen liegen jedoch auch bei einer altersbedingten klonalen Hämato­poese (ARCH) vor, die nicht notwendigerweise zur AML führt.

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Um die Prä-AML von der ARCH zu unterscheiden, haben die kanadischen Forscher zusammen mit Kollegen aus Europa Blutproben von Teilnehmern der EPIC-Studie untersucht, die im Mittel 6,3 Jahre nach der Blutentnahme an einer AML erkrankt waren. Obwohl an der EPIC-Studie mehr als eine halbe Million Menschen teilnahmen, waren diese Ereignisse recht selten. Die AML ist zwar die häufigste akute Leukämie im Erwachsenenalter, es erkranken jedoch pro Jahr weniger als 4 Menschen auf 100.000 Einwohner.

Der Vergleich von 95 Patienten mit späterer AML und 414 Kontrollen führte zur Entdeckung von genetischen Abweichungen, die eine spätere AML ankündigen, was in einer zweiten Untersuchung von 20 Prä-AML-Patienten und 262 Kontrollen bestätigt werden konnte.

Einige Mutationen, die in sich Splicing-Genen befanden (die verschiedene Genabschnitte zur Boten-RNA zusammensetzen), traten bei den Prä-AML-Patienten 17,5-fach häufiger auf. Im Prinzip könnten die Informationen für die Konstruktion eines Gentests benutzt werden, mit dem die AML vorhergesagt werden könnte.

Ein solcher Test ist jedoch unrealistisch, da die Kosten zu hoch wären und angesichts der Seltenheit der AML auch bei einer hohen Spezifität mit vielen falsch-positiven Ergebnissen zu rechnen wäre. Ein Screening wäre außerdem nur sinnvoll, wenn mit einer Behandlung der Ausbruch der AML verhindert werden könnte. Solch eine Behandlung gibt es jedoch derzeit nicht.

Die Forscher haben deshalb die Clalit-Datenbank ausgewertet, die die elektronischen Krankenakten von mehr als 3,45 Millionen Patienten aus Israel gespeichert hat. Von diesen sind 875 an einer AML erkrankt. Die Patienten wiesen subtile Unterschiede im Blutbild auf, und mithilfe eines Computerprogramms zum maschinellen Lernen wurde ein Risikorechner konstruiert, der eine AML mit einer Sensitivität von 25,7 % und einer Spezifität von 98,2 % 6 bis 12 Monate vor dem Ausbruch vorhersagen kann.

Die Prädiktion könnte nach Berechnung der Autoren noch verbessert werden, wenn häufiger Blutproben von der Bevölkerung entnommen würden. Auch hier bleibt der klinische Nutzen vorerst unklar (bis eine Möglichkeit zur Prävention gefunden wird). © rme/aerzteblatt.de

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