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Medizin

Vaginales Mikrobiom überträgt Schwangerschafts­stress

Dienstag, 10. Juli 2018

/Igor Borodin, stockadobecom

Baltimore – Epidemiologische Studien zeigen, dass Stress in der Schwangerschaft zu neuropsychologischen Entwicklungsstörungen bei den Kindern führen kann. Tierex­perimentelle Studien in Nature Neuroscience (2018; doi: 10.1038/s41593-018-0182-5) führen dies teilweise auf das vaginale Mikrobiom zurück.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Stress – und hier sind neben mentalen auch körperliche Belastungen wie Hungersnöte gemeint – die Entwicklung von Kindern nachhaltig stören kann. So erkrankten Männer, deren Mütter im Hungerwinter 1946/47 in den Niederlanden schwanger waren, häufiger an einer Schizophrenie. In England und Finnland erkrankten Kinder, deren Mütter während der asiatischen Grippe von 1957 schwanger waren, häufiger an unipolaren und bipolaren Störungen. Wie der Stress der Mutter die Entwicklung neuropsychiatrischer Störungen beim Kind fördert, ist nicht bekannt.

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Ein Forscherteam um Tracy Bale von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore vermutet, dass das vaginale Mikrobiom eine Rolle spielen könnte. Die Bakterien im Geburtskanal bilden bei den Neugeborenen die Grundlage für die Entwicklung der Darmflora. Die Darmbakterien wiederum beeinflussen das Immun­system, was Auswirkungen auf die Hirnentwicklung haben könnte. Das klingt weit hergeholt, doch die Experimente, die Bale an Mäusen durchgeführt hat, stützen diese Hypothese.

Die Forscherin fand heraus, dass der Wurf von trächtigen Mäusen, die einem vermehrten Stress ausgesetzt waren (etwa weil die Forscher den Duft von Füchsen im Käfig versprüht hatten), untergewichtig war und eine verminderte Körpergröße hatte. Dieser Effekt konnte auch bei Jungtieren ausgelöst werden, die nach einer stressfreien Schwangerschaft per Kaiserschnitt geboren wurden und dann dem vaginalen Mikro­biom eines gestressten Muttertieres ausgesetzt wurden. Die Übertragung des Mikrobioms nicht gestresster Muttertiere war dagegen nicht in der Lage, die Folgen einer mit Stress belasteten Schwangerschaft abzumildern.

In einer früheren Studie hatte Bale übrigens herausgefunden, dass auch der Stress des Vatertieres bei den Nachkommen die Entwicklung des Gehirns beeinflussen kann. Anders als bei den Muttertieren war der im gesamten Leben erlebte Stress der Auslöser von, wie Bale vermutet, epigenetischen Veränderungen in der DNA der Spermien, die dann die neuropsychologische Entwicklung der nächsten Generation beeinflusste (J Neurosci. 2013; 33: 9003–9012). © rme/aerzteblatt.de

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