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Medizin

NDM: Mensch übertrug multiresistente Bakterien auf seine Hunde

Mittwoch, 11. Juli 2018

Escherichia coli /dpa

Helsinki – In Finnland hat ein Hundebesitzer E.-coli-Bakterien mit einer NDM-Resistenz auf seine beiden Hunde übertragen, die daraufhin an einer Otitis media erkrankten. Der Bericht in Eurosurveillance (2018; 23: pii=1700497) ist die weltweit erste bekannt gewordene Übertragung dieser Art.

Das Enzym NDM („New Delhi metallo-beta-lactamase“) versetzt Bakterien in die Lage, die meisten Beta-Lactam-Antibiotika einschließlich der Carbapeneme abzubauen. Die erstmals 2009 in Indien entdeckte NDM-Resistenz ist in den letzten Jahren auch in anderen Ländern aufgetreten, unter anderem in Kroatien. Dort hatte ein Ehepaar aus dem ländlichen Finnland im Mai 2013 ihren Urlaub verbracht. Thomas Grönthal von der Universität Helsinki und Mitarbeiter vermuten, dass einer der beiden Partner sich damals mit E. coli infizierte, die über eine NDM-5-Resistenz verfügten.

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Im Dezember des Jahres erkrankte einer der beiden Finnischen Laufhunde, im November des folgenden Jahres auch der andere an einer Otitis media, die nicht durch Antibiotika kuriert werden konnte. Der Tierarzt ließ deshalb im Frühjahr 2015 Abstriche von Mikrobiologen der Universität Helsinki untersuchen. Dort wurden dann meropenemresistente E. coli entdeckt. Später stellte sich heraus, dass es sich um den Stamm ST167 handelt, der über eine NDM-5-Resistenz verfügt.

Der Tierarzt setzte die systemischen Antibiotika ab und behandelte die Tiere topisch mit Chloramphenicol und Antiphlogistika, was bei beiden Hunden die Mittelohr­entzündung linderte.

Für die Veterinäre stellte sich die Frage, wie sich die Hunde infiziert haben könnten. Carbapenem-Resistenzen wurden bei Tieren bisher in Finnland nicht beobachtet. Der Einsatz von Carbapenemen ist in der Tiermedizin in Finnland nicht erlaubt.

Die Ärzte ließen daraufhin das kinderlose Ehepaar untersuchen. Bei beiden wurden ESBL-produzierende E. coli gefunden, bei einem auch der Stamm ST167 mit einer NDM-5-Resistenz.

Damit lag die Vermutung nahe, dass der Besitzer seine Hunde infiziert hatte. Genetische Untersuchungen bestätigten, dass der Besitzer und seine Hunden mit den gleichen Bakterien infiziert waren.

Die Studie ist der erste nachgewiesene Transfer von NDM-Bakterien zwischen Hunden und Menschen. NDM-5-Bakterien sind bei Hunden vermutlich sehr selten. Bisher wurde nur ein einziger Fall in Algerien isoliert. Andere carbapenemresistente Bakterien wurden jedoch bei Hunden in den USA, Frankreich und auch in Deutschland nach­gewiesen. Sie sind selten, doch die Zahl könnte durch den Einsatz von Carbapenemen in der Humanmedizin steigen, befürchtet Grönthal. Er riet den mikrobiologischen Labors, auch bei Abstrichen von Hunden die Empfindlichkeit gegenüber Carbapenemen und Breitspektrum-Cephalosporinen zu prüfen und bei einer verminderten Empfindlichkeit eine Multiresistenz in Betracht zu ziehen. © rme/aerzteblatt.de

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