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Medizin

Screening: „Wearable“ kann Diagnose von Vorhofflimmern erleichtern

Mittwoch, 11. Juli 2018

/Photographee.eu, stockadobecom

La Jolla/Kalifornien – Ein kleiner mit einem Pflaster auf dem Brustkorb befestigter Rekorder, der über 2 Wochen die EKG-Signale aufzeichnet, hat in einer randomisierten Studie die Früherkennung des Vorhofflimmerns deutlich verbessert, wie die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 146–155) publizierten Ergebnisse zeigen.

Da das Vorhofflimmern, das für ein Drittel aller Schlaganfälle verantwortlich ist, bei den meisten Patienten nur zeitweise auftritt, wird es bei Routineuntersuchungen beim Arzt häufig nicht entdeckt. Bei jedem fünften Patienten wird die Diagnose erst nach dem ersten Schlaganfall gestellt. Ein Langzeit-EKG kann die Diagnoserate erhöhen. Die zur Verfügung stehenden Geräte waren jedoch lange Zeit sehr klobig und für ein Screening deshalb kaum geeignet.

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Inzwischen ist die Miniaturisierung weit vorangeschritten. Die heutigen Geräte sind kaum größer als eine Streichholzschachtel und können einfach mit einem Pflaster auf die Haut geklebt werden. Stromversorgung und Speicher ermöglichen eine Aufzeichnung über mehrere Wochen. 

Das Scripps Translational Science Institute in La Jolla hat jetzt ein in den USA bereits zugelassenes Gerät an einer Gruppe von Personen getestet, die entweder aufgrund ihres Alters (über 75 Jahre) oder aufgrund einer Begleiterkrankung (bei Frauen ab 55 Jahren und Männern ab 65 Jahren) ein erhöhtes Risiko hatten. Die 2.655 Teilnehmer der mSToPS-Studie („mHealth Screening To Prevent Strokes“) erhielten entweder sofort oder nach vier Monaten einen EKG-Rekorder, der die EKG-Signale über zwei Wochen aufzeichnete.

Wie Steven Steinhubl und Mitarbeiter berichten, wurde in der Gruppe, die den Rekorder zuerst erhielt, in den ersten vier Monaten bei 53 von 1.366 Teilnehmern (3,9 %) ein Vorhofflimmern diagnostiziert. In der Vergleichsgruppe wurde in der gleichen Zeit die Diagnose nur bei 12 von 1.293 Teilnehmern (0,9 %) gestellt. Der Unterschied von 3,0 % war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,8 bis 4,1 % statistisch signifikant. 

In einer zweiten Analyse wurde die Zahl der Diagnosen im Verlauf eines Jahres in beiden Screeninggruppen mit einer Kontrollgruppe verglichen, die nicht am Screening teilgenommen hatte: Die Inzidenz war bei den gescreenten Personen mit 6,7 auf 100 Personenjahre deutlich höher als in der Kontrollgruppe, wo 2,6 Neudiagnosen auf 100 Personenjahre kamen. Die Differenz von 4,1 Personenjahren war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,9 bis 4,2 Personenjahren ebenfalls signifikant.

Die Patienten hatten in Verlauf der 2-wöchigen Aufzeichnung median 9,8 Episoden eines Vorhofflimmerns, das im Mittel 185,5 Minuten anhielt und sich über 0,9 % der Gesamtzeit erstreckten. Nur etwa jeder sechste gab bei einer Nachfrage an, dass er die Episode bemerkt habe.

Das Screening hatte zur Folge, dass mehr Patienten als in der Vergleichsgruppe eine Behandlung mit oralen Antikoagulanzien (5,7 versus 3,7 pro 100 Personenjahre) begannen. Damit ist allerdings der Nutzen des Screenings noch nicht belegt. Es gibt zwar randomisierte Studien, in denen eine orale Antikoagulation die Rate der Schlaganfälle gesenkt hat. Diese Studien wurden aber an symptomatischen Patienten oder an Patienten mit deutlich längeren Episoden eines Vorhofflimmerns durchgeführt. 

Eine orale Antikoagulation ist jedoch nicht ohne Risiken. Sie kann unter anderem durch Hirnblutungen einen Schlaganfall auslösen. Diese Gefahr muss mit den Nutzen der Therapie verglichen werden, der bei Patienten, die nur wenige kurze Episoden eines Vorhofflimmerns haben, geringer sein dürfte als bei Patienten mit langen Episoden, die die Bildung von Blutgerinnseln im Vorhof ermöglichen. Es bleibt abzuwarten, ob die hierzu notwendigen Studien tatsächlich durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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