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Politik

Auf ein Tässchen Kaffee mit Angela Merkel

Mittwoch, 11. Juli 2018

Angela Merkel am 14. September 2017 in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“. /dpa

Paderborn – Vor fast einem Jahr lud Altenpfleger Ferdi Cebi Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Wahlkampfveranstaltung ein, ihn an seinem Arbeitsplatz zu besuchen. Angela Merkel sagte zu. Nun laufen die Vorbereitungen im St. Johannisstift.

„Für mich ist es so ein bisschen traurig, dass Gesetze festgelegt werden, obwohl die Politik noch nie wirklich in den Beruf reingeblickt hat, und da würde ich Sie einfach gerne mal einladen, dass Sie einmal zu uns in die Einrichtung kommen.“ Mit diesen Worten hatte Cebi Merkel in sein Pflegeheim eingeladen. Das war am 14. September 2017 in der Wahlkampfsendung „Klartext, Frau Merkel“ des ZDF. Die Kanzlerin sagte ihr Kommen damals zu. Nun hält sie offenbar ihr Versprechen und plant, am kommenden Montag die Altenhilfe des St. Johannisstifts in Paderborn zu besuchen.

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Eine große Chance

Die Einrichtung zeigt sich über den geplanten Besuch erfreut. Es sei eine Chance, das Image des Pflegeberufs zu verbessern, sagt Martin Wolf, Vorstandssprecher des Johannisstifts. Er hatte im Vorfeld nicht gewusst, dass Cebi der Kanzlerin nicht nur Fragen stellen, sondern sie auch gleich ins Stift einladen würde. Überrascht habe es ihn aber nicht, erklärt er. „Wir sehen das alles als Riesenchance.“ Cebi rappt neben seiner Tätigkeit als Altenpfleger; zwei Alben hat er unter dem Namen „Idref“ veröffentlicht. Seine Lieder handeln häufig von seinem Beruf, manchmal machen Bewohner des Johannisstifts mit und treten in seinen Musikvideos auf.

Der Besuch der Kanzlerin am kommenden Montag soll in drei Teilen verlaufen: Zunächst besucht sie die stationäre Altenpflege, trifft auf Ferdi Cebi und Bewohner des Stifts in ihren Zimmern. So kann Merkel den Alltag des Pflegeberufs direkt miterleben. Hier sei Vorsicht geboten, um keinen Stress unter den Bewohnern zu verursachen, so Wolf. Auch sollten sie natürlich einverstanden sein, wenn Merkel zu ihnen kommt. Das Heim sei schließlich ihr Zuhause, ihre Privatsphäre solle respektiert werden – doch gerade dieser Teil des Besuchs sei der Kanzlerin wichtig gewesen, berichtet Wolf. „Das ist natürlich ein schmaler Grat.“

Die Bewohner des Johannisstifts haben offenbar keine Berührungsängste. Schnell fanden sich Bereitwillige für ein Treffen mit der Kanzlerin. Im zweiten Teil des Besuchs wird es darum gehen, sich mit Merkel zu einer Tasse Kaffee zu treffen. Daran wollen mehr Bewohner teilnehmen, als die Örtlichkeiten Platz bieten. So musste eine Auswahl getroffen werden. „Es soll ja ein kleiner Rahmen bleiben“, findet Wolf. Ferdi Cebi plant bei der Gelegenheit eine kleine Rap-Einlage. Und Merkel wird sicher mit den Menschen ins Gespräch kommen: „Das ist immerhin ihr aktiver Wunsch“, so Wolf.

Die letzte Station des Besuchs soll schließlich die Begegnung zwischen der Kanzlerin und dem Pflegepersonal sein. Die Pflegenden haben dazu bereits jeweils ein kurzes Statement vorbereitet. Anschließend ist Zeit für eine kritische Diskussion. „Wir wollen darstellen, welche schönen und positiven Seiten der Beruf hat und uns gleichzeitig dafür einsetzen, dass sich die Rahmenbedingungen überall und nicht nur hier bei uns im Johannisstift zum Positiven weiterentwickeln“, sagt Wolf. Der Altenpflegeberuf wird seiner Auffassung nach zu negativ dargestellt, beispielsweise wegen der niedrigen Gehälter. Dabei sei die Tätigkeit immerhin sinnvoll und sinnstiftend, betont Wolf.

Der Vorstandssprecher möchte vor allem, dass die Kanzlerin die Mühen sieht, die sich das Johannisstift macht, um eine tolle Pflegearbeit zu leisten. Von der Politik braucht es nach seinen Worten ein Bündel von verschiedenen Maßnahmen, um die schwierige Situation zu bewältigen. Bereits jetzt müsse das Johannisstift jede zweite Anfrage ablehnen, weil nicht genügend Betten vorhanden seien, obwohl der Bereich der ambulanten Altenpflege um jährlich 20 Prozent wachse. Ferdi Cebi und seine Kollegen werden Angela Merkel viel zu erzählen haben.

Zuletzt hatte Merkel sich 2010 – nach einem monatelangen Koalitionsstreit um die Gesundheitsreform – den Problemen von Ärzten, Kliniken und Kassen annehmen wollen. Sie kündigte damals eine Gesundheitsrundreise an, um mehr Einblick in Nöte und Probleme von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten zu erhalten. Die Rundreise hatte Merkel aber zunächst verschoben und dann nicht mehr angetreten. © kna/may/aerzteblatt.de

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