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Politik

Pflegewandel: Betreute Wohngemeinschaften boomen

Mittwoch, 11. Juli 2018

/dpa

Berlin – Prognosen zufolge gibt es in Berlin in Zukunft immer mehr Pflegebedürftige – dennoch stagniert die Zahl der Pflegeeinrichtungen. Der Trend geht vielmehr hin zur betreuten Wohngemeinschaft (WG). Von 2012 bis 2017 habe es eine Zunahme um mehr als ein Viertel auf 645 solcher WGs gegeben, sagte der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert.

Diese WGs hätten 4.900 Bewohner – immer noch eine Minderheit im Vergleich zu den fast 40.000 Menschen, die aus Gründen wie Alter, Krankheit oder Behinderung in 584 stationären Einrichtungen leben.

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Aus WGs kommen dem Lageso zufolge auch deutlich weniger Beschwerden. Lediglich zwölfmal rückten Prüfer 2017 nach Hinweisen an – anders als bei stationären Einrichtungen darf die Heimaufsicht bei diesen WGs nicht ohne Anlass kontrollieren. Vor-Ort-Prüfungen sind dort in der Regel auch nur dann möglich, wenn die Bewohner zustimmen. Zum Vergleich: Bei den Heimen gab es rund viermal so viele Prüfungen aus einem bestimmten Anlass und mehr als 460 turnusmäßige Prüfungen.

Beim Check in WGs gehe es oftmals um rechtliche Fragen, so Allert – beispielsweise um zu klären, ob es sich tatsächlich noch um eine WG handelt oder bereits um ein verkapptes Heim mit mehreren WGs in einem Haus. Ob der Boom der Pflege-WGs in Zukunft weitergehen kann, ist für Allert fraglich. Er verwies auf den angespannten Wohnungsmarkt in Berlin, der dem Angebot womöglich Grenzen setzen könne.

Die Beschwerden über die Zustände in Berliner Heimen sind laut Lageso im Vorjahr zahlreicher geworden. Die Heimaufsicht registrierte 328 Beschwerden, knapp 70 mehr als 2016. Etwa in der Hälfte der Fälle beschwerten sich Angehörige, es gibt aber auch anonyme Hinweisgeber und Kritik aus den Reihen der Pflegekräfte. Häufig werde etwa die Qualität des Essens bemängelt, sagte Allert. Generell lägen die beanstandeten Sachverhalte oft länger zurück und seien daher schwer zu überprüfen.

Prüfer stellten nach Allerts Angaben 2017 nach Beschwerden und bei Regelprüfungen 66 Mängel in 42 Einrichtungen fest. In den meisten Fällen (19) sei es um die Personalausstattung gegangen, etwa fehlende Fachkräfte. Auf der Mängelliste standen zudem Aspekte der Arbeitsorganisation und Dokumentation, Fehler bei der Medikamentenvergabe und Hygienemängel.

In Einzelfällen ging es um freiheitsentziehende Maßnahmen, zum Beispiel wenn ein Heimbewohner in ein Gitterbett gelegt wird, aus dem er nicht mehr selbst aufstehen kann. Wegen Mängeln habe kein Heim geschlossen werden müssen. Allert erklärte, das Verhängen von Belegungsstopps sei das wirkungsvollste Druckmittel auf Betreiber. Auch Beratungen durch die Heimaufsicht spielten eine wichtige Rolle.

Mehr Anerkennungsanträge

Menschen mit ausländischen Abschlüssen in Gesundheits- und Heilberufen – nicht nur Geflüchtete – wollen dem Report zufolge zunehmend eine Anerkennung ihrer Qualifikation in Deutschland. Die Antragszahlen beim Lageso sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Allein 15.000 Beratungskontakte verzeichnete die Behörde im Vorjahr. Allert sprach von einem „guten Trend“ – etwa an angesichts des Pflegermangels in Deutschland –, aber der Zuwachs sei noch lange nicht ausreichend.

An ausländische Ärzte erteilte das Lageso 2017 mehr als 400 Approbationen. Im Pflegebereich gab es zwar keine Aufschlüsselung zur Herkunft –insgesamt erhielten aber mehr als 900 Kranken- und mehr als 700 Altenpfleger die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung zu führen. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 11. Juli 2018, 22:44

Ja klar

für diese "WGs" gelten ja de Vorschriften des Heimgesetzes zu Personalausstattung und Qualitätssicherung nicht. Selbst in Seniorenresidenzen entstehen solche "WGs", betreut vom hauseigenen Pflegedienst...
Ich behandle eine Altenpflegehelferin(!), die monatelang zusammen mit einer kaum deutsch sprechenden Aushilfe die Nachtwache in einer "Demenz-WG" übernehmen musste. Spitze sind sogenannte "Beatmungs-WGs", in denen zwei bis vier beatmete Apalliker pro Zimmer pro Kopf und Monat 20.000 EUR Umsatz für den Betreiber generieren... Man sollte lieber das Heimgesetz entrümpeln, als es durch solche Konstruktionen unterlaufen zu lassen
LNS

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