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Medizin

Sommerhitze verschlechtert kognitive Leistungen von Studierenden

Donnerstag, 12. Juli 2018

/anyaberkut, stockadobecom

Boston – Extreme Hitze kann die kognitive Leistungsfähigkeit einschränken. Dies zeigen Untersuchungen an US-Studenten in PLoS Medicine (2018; doi: 10.1371/journal.pmed.1002605), die während einer sommerlichen Hitzewelle durchgeführt wurden.

Die Universitäten in Neuengland verfügen über pittoreske Studentenwohnheime. Viele stammen aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Sie wurden im damals beliebten Neo-Georgian-Style errichtet mit dicken Wänden und kleinen Fenstern. Im Sommer, wenn die Außentemperatur auf mehr als 30 °C steigt, staut sich in den Gebäuden die Hitze und die Temperaturen liegen auch in der Nacht häufig über 20 °C. Studierende, die in den neueren Wohntürmen aus den 1990er-Jahren wohnen, haben es besser. Die Zimmer verfügen dort über Klimaanlagen, die die Temperatur aus angenehmere Temperaturen abkühlen.

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Ein Team um Jose Guillermo Cedeño-Laurent von der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston hat diese Umstände genutzt, um den Einfluss hoher Temperaturen auf die kognitiven Leistungen der Studenten zu untersuchen. Die Zimmer von 44 Studenten, von denen 24 in klimatisierten Wohnheimen und die anderen 20 in nicht klimatisierten Gebäuden lebten, wurden mit einem Gerät ausgerüstet, das die Temperatur in den Studentenzimmern kontinuierlich aufzeichnete.

An 12 Tagen im Sommer 2016 erhielten die Studenten morgens einen Anruf auf ihrem Handy mit der Bitte, 2 kognitive Tests zu absolvieren. Im ersten Test, dem „Stroop color-word test“ (STROOP), sollten sie die Farbe von Wörtern korrekt identifizieren, die zu ihrer Verwirrung eine andere Farbe bezeichneten. Im zweiten Test („visual addition/subtraction test“ ADD) mussten sie einfache Rechenaufgaben lösen.

In den ersten Tagen, als die Außentemperaturen im Bereich von 20 °C lagen, gab es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede. Doch dann stiegen die Außentemperaturen für 5 Tage auf bis zu 35,6 °C an. Auch nachts kühlte es sich nicht merklich ab.

An diesen Tagen ließen die morgendlichen Testergebnisse bei den Studierenden in den nicht klimatisierten Wohnheimen deutlich nach. Im STROOP-Test lagen die Reaktionszeiten im Durchschnitt um 155 ms (13,4 %) über denen der Studenten in den klimatisierten Wohnheimen. Im ADD-Test benötigten die Studenten aus den nicht klimatisierten Wohnheimen im Schnitt 288 ms (11,4 %) länger. Die nächtliche Hitze hatte das Denken der Studenten verlangsamt. 

Die größten Unterschiede gab es laut Cedeño-Laurent in den ersten Tagen nach dem Ende der Hitzewelle, als die Außentemperaturen zurückgegangen waren, die Studierzimmer hinter den dicken Wänden der älteren Wohnheime jedoch weiterhin hohe Temperaturen aufwiesen. Diese Studenten hatten länger unter der Hitzewelle zu leiden als andere.

Die Studie hat nicht untersucht, ob die Studenten aus den älteren Wohnheimen auch im Studium Nachteile erlitten haben. Dies dürfte davon abhängen, ob sie sich zum Lernen in ihren Zimmern aufhielten oder andere Orte fanden. Die Auswirkungen waren jedoch beträchtlich. Die Verlängerungen im ADD-Test während der Hitzewelle entsprechen laut Cedeño-Laurent denen eines Schlafentzugs über 24 Stunden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #110369
jpink
am Donnerstag, 12. Juli 2018, 21:38

Mem(merei)

Ein Vergleich zwischen den heutigen Studierenden-/innen/Innen-In und Studenten meiner Zeit wäre interessant. Damals gab es das auch schon, Studenten, die sich urlaubsreif wähnten und ähnliche Nummern. Vielleicht waren das die Vorläufer der heutigen Studierenden-/innen-In-/Innen?

Letztlich eine "Studie", die die Welt einmal mehr infiziert mit dem Virus, daß immer die anderen und die Umstände schuld seien. Zumindest für die mehr oder minder sorgfältig etablieren Opfergruppen dieser Endzeit. Der Aktualität wegen, solare Überbelichtung taugt schon mal nicht als Entschuldigung, daß man nix auf die Kette bekommt, geistige Unterbelichtung als Erklärung für allerlei Scheitern aber durchaus.
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