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Medizin

Studie: Asthma erhöht Risiko auf Vorhofflimmern

Donnerstag, 12. Juli 2018

/zlikovec, stockadobecom

Trondheim/Norwegen – Erwachsene mit Asthma bronchiale erkrankten im Verlauf einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Cardiology (2018; doi: 10.1001/jamacardio.2018.1901) häufiger an einem Vorhofflimmern. Am höchsten war das Risiko bei Patienten mit unkontrolliertem Asthma.

Das Asthma bronchiale ist eine auf die Atemwege begrenzte Erkrankung. Die zugrun­deliegende Entzündungsreaktion und die bei den Exazerbationen verminderte Lungen­funktion können jedoch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. Nachdem frühere Untersuchungen das Asthma bronchiale bereits mit einem erhöhten Risiko auf eine koronare Herzkrankheit, Schlaganfälle oder eine Herzinsuffizienz in Verbindung gebracht haben, hat ein Forscherteam der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim nach einer Assoziation zum Vorhofflimmern gesucht.

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Aivaras Cepelis und Mitarbeiter werteten hierzu die Daten der Helseundersøkelsene i Nord-Trøndelag (HUNT) aus. Die Studie begleitet seit 1984 Einwohner der Provinz Nord-Trøndelag. Von den 54.567 Teilnehmern, die zu Beginn der Studie nicht unter Vorhofflimmern litten, gaben 3.934 Teilnehmer (7,2 %) an, dass ein Arzt bei ihnen schon einmal eine Asthmadiagnose gestellt habe. 2.485 Teilnehmer (4,6 %) litten zum Zeitpunkt der Umfrage unter einem aktiven Asthma.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 15,4 Jahren entwickelten 2.071 Teilnehmer (3,8 %) der zu Beginn im Mittel 46 Jahre alten Teilnehmer ein Vorhof­flimmern. Für die Teilnehmer mit einer ärztlichen Diagnose ermittelte Cepelis ein um 38 % erhöhtes Risiko. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,38 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,61 statistisch signifikant. 

Teilnehmer mit einem aktiven Asthma hatten ein um 76 % erhöhtes Risiko (adjustierte Hazard Ratio 1,76; 1,47–2,10). Dass die aktive Erkrankung das Risiko stärker erhöht als eine unter Umständen in der Vergangenheit liegende Erkrankung, ist für Cepelis ein Hinweis für eine Kausalität der Assoziation.

Einen weiteren Hinweis liefert der Vergleich von Patienten, deren Erkrankung durch Medikamente kontrolliert werden konnte, mit Teilnehmern, bei denen dies nicht der Fall war. Patienten mit kontrolliertem Asthma hatten ein nur tendenziell erhöhtes Risiko (adjustierte Hazard Ratio 1,08; 0,84–1,40). 

Bei Teilnehmern mit teilweise kontrolliertem Asthma war das Risiko dagegen um 61 % (adjustierte Hazard Ratio 1,61: 1,15–2,26) und bei Patienten mit unkontrolliertem Asthma um 93 % (adjustierte Hazard 1,93; 1,09–3,42) erhöht. 

Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung ist in epidemiologischen Studien ein wichtiges Argument für eine Kausalität. Dass eine Studie aus Taiwan (Int J Cardiol 2014; 176: 464–9) vor einigen Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen ist, liefert eine weitere Bestätigung. 

Cepelis rät den Ärzten, Patienten mit unkontrolliertem Asthma auf ein mögliches Vorhofflimmern zu untersuchen. Die frühzeitige Behandlung des Vorhofflimmerns könnte dann ein erhöhtes Schlaganfallrisiko vermeiden, das in anderen Studien (Am J Epidemiol 2012; 176: 1014–24) mit Asthmaerkrankungen in Verbindung gebracht wurde. © rme/aerzteblatt.de

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