NewsMedizinFußball: Gleichgewichts­probleme durch häufige Kopfbälle
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fußball: Gleichgewichts­probleme durch häufige Kopfbälle

Freitag, 13. Juli 2018

/dpa

Newark/Delaware – Amateurfußballer, die viele Kopfbälle durchführen, haben häufiger Gleichgewichtsprobleme. Dies kam in einer Laborstudie heraus, die auf einer Tagung der American Academy of Neurology in Indianapolis vorgestellt wurde.

Fußball ist eine der wenigen Sportarten, bei denen der Kopf zur Beförderung des Balles eingesetzt wird. Der Ball trifft dabei auch bei Amateuren nicht selten mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf das Schädeldach. Ein Großteil der kinetischen Energie wird zwar durch die Verformung des luftgefüllten Balles aufgefangen. Der Impuls kann jedoch ausreichen, um leichtere Erschütterungen im Gehirn auszulösen.

Anzeige

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Amateurkicker, wenn sie danach befragt werden, häufiger Schmerzen oder leichte Schwindelgefühle nach einem Kopfstoß angeben (Neurology 2017; 88: 901–908). Bei kopfballstarken Freizeitkickern lassen sich mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung auch Defekte der Nervenfasern nachweisen (Radiology 2013; 268: 850–7). Bei dem britischen Profi Jeff Astle (361 Pflichtspiele, 174 Tore) wurde 2002 nach dem Tod im Alter von 59 Jahren eine chronisch-traumatische Enzephalopathie diagnostiziert.

Auf eine weitere mögliche Folge macht jetzt ein Team um Fernando Santos von der Universität von Delaware in Newark aufmerksam. Die Neurologen untersuchten 20 Freizeitfußballer im Alter von 22 Jahren. Diese mussten sich auf einer Matte aus Schaumstoff bewegen, während die Forscher durch schwache elektrische Ströme hinter den Ohren das Gleichgewichtsorgan stimulierten. Diese galvanisch-vestibuläre Stimulation löst einen leichten Schwindel aus, der den Gang über den weichen Untergrund weiter erschwert.

Den Teilnehmern fiel es umso schwerer, ihre Füße zu platzieren und ausladende Bewegung mit der Hüfte zu vermeiden, je mehr Kopfballstöße sie bisher bei Spielen oder im Training absolviert hatten. Pro 500 Kopfstößen verfehlten die Füße das Ziel um 9 Millimeter und die Hüftadduktion nahm um etwa 0,2 Grad zu.

Die Spieler hatten durchschnittlich 451 Kopfbälle pro Jahr angegeben, wobei die Zahl zwischen 16 und 2.100 Kopfbällen variierte. Eine Schwäche der Studie war, dass die Zahl der Kopfbälle nach den Angaben der Fußballer in einem Fragebogen errechnet wurde, was zu Fehlern infolge einer ungenauen Erinnerung führen kann. Insgesamt scheinen die Daten jedoch robust zu sein. Kopfbälle könnten demnach auf Dauer eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Fußballspielen einschränken, die in der schwindelfreien Körperbeherrschung besteht. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

1. Februar 2019
Dallas – Ist zu viel Sport gefährlich? Extreme Freizeitsportler wiesen in einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Cardiology (2019; doi: 10.1001/jamacardio.2018.4628) häufig vermehrte
„Versteinerte Herzen“ für extreme Freizeitsportler bisher kein Risiko
16. Januar 2019
Eindhoven – Körperliche Aktivität kann (auch) bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Sterblichkeit senken. Ärzte sollten ihren Patienten deshalb ein Sportprogramm verordnen, zu dem die European Society
Kardiologen mahnen mehr Sport für Diabetiker an
9. Januar 2019
Rio de Janeiro – Muskelzellen setzen nach sportlicher Aktivität das Peptid Irisin frei, das möglicherweise im Gehirn positive Auswirkungen auf das Gedächtnis hat. In tierexperimentellen Ergebnissen in
Studie: Wie Sport einen Morbus Alzheimer verhindern könnte
7. Januar 2019
Baltimore – Erhöhte körperliche Aktivität kann bei Menschen mit bipolarer Erkrankung die Stimmung und das Energieniveau verbessern. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Vadim Zipunnikov vom Department
Sport und Bewegung bei bipolaren Erkrankungen hilfreich
4. Januar 2019
Heilbronn – Welche Marathon-Teilnehmer Fitnesstracker, Lauf-Apps oder GPS-Sportuhren nutzen, haben Wissenschaftler der Hochschule Heilbronn um Monika Pobiruchin und Martin Wiesner untersucht. Sie
Wer nutzt Fitnesstracker – und warum?
3. Januar 2019
Frankfurt am Main – Medizinische Laien überschätzen häufig den Energieverbrauch durch Bewegung. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) hingewiesen. „Tatsächlich
Jeder Schritt zählt
2. Januar 2019
Köln – Viele Deutsche wollen nach einer aktuellen Umfrage auch im kommenden Jahr einen Bogen um Fitnessstudios machen. Bei einer Onlineerhebung des Instituts YouGov gaben gut drei Viertel (78 Prozent)
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER