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Medizin

Wo Schlangenbisse am gefährlichsten sind

Freitag, 13. Juli 2018

Die Arabische Sandrasselotter (Echis coloratus), eine der gefährlichsten Giftschlangen /dpa

Seattle – Insgesamt 93 Millionen Menschen weltweit leben in Regionen, in denen sie nach dem Biss einer Giftschlange nicht rechtzeitig ein Behandlungszentrum erreichen, wo ihnen ein Gegengift verabreicht werden könnte, das laut einer Studie im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31224-8) ohnehin nur für 119 von 278 Schlangenarten zur Verfügung steht.

Wie viele Menschen jährlich von Schlangen gebissen werden, ist nicht bekannt. Die meisten Vorfälle ereignen sich in abgelegenen Regionen, wo die Gebissenen auf keine ärztliche Hilfe hoffen können, und Todesfälle werden in den meisten Ländern nicht registriert. Aktuelle Schätzungen gehen von jährlich 1,8 bis 2,7 Millionen Schlangen­biss-Vergiftungen und 81.000 bis 138.000 Todesfällen aus.

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Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) beklagt, dass es für viele Gifte kein Gegengift gibt, obwohl es im Zeitalter der „Biologika“ möglich wäre, gegen jedes Toxin spezifische Antikörper-Präparate zu entwickeln. Die heute verfügbaren Antitoxine werden zumeist noch wie vor hundert Jahren in Tieren hergestellt, und die dabei erzeugten Immunglobuline sind in der Regel schlecht verträglich.

Die WHO betrachtet Schlangenbisse deshalb als vernachlässigte Erkrankung („neglected disease“). In einer Resolution zur diesjährigen Weltgesundheits­versammlung wird eine stärkere Unterstützung der betroffenen Länder gefordert.

Eine Untersuchung des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle hat jetzt die Regionen identifiziert, in denen es zu den meisten Schlangenbissen kommt. Dazu gehören Länder in Westafrika (etwa Ghana), Zentralafrika (etwa Kamerun), Südamerika (etwa Kolumbien) und Südasien (etwa Indien). In diesen Ländern gibt es Regionen mit bis zu sieben Giftschlangen der ersten Kategorie (hoch-giftig mit häufigen Bissen). 

In Myanmar und Bangladesch gibt es in bestimmten Regionen bis zu drei Schlangenarten, für die es derzeit kein Gegengift gibt, obwohl es zu Schlangenbissen kommt. In Westafrika (Mali, Senegal und Guinea) und in Namibia sind es bis zu zwei Schlangenarten ohne verfügbares Gegenmittel. 

Es gibt auch Giftschlangen, die fast niemals Menschen beißen, da sie in abgelegenen Gegenden leben und sich scheu verhalten. Dazu gehört der Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus), dessen Giftgemisch 50-mal giftiger ist als das einer Indischen Kobra und dessen bei einem Biss durchschnittlich abgesonderte Giftmenge theoretisch ausreichen würde, um über 230 erwachsene Menschen zu töten. Der Inlandtaipan lebt jedoch nur in Regionen der Outbacks in Australien, wohin sich nur selten Menschen begeben.

Für den Menschen wesentlich gefährlicher ist die Westafrikanische Sandrasselotter  Echis ocellatus), die in Westafrika in der Nähe menschlicher Behausungen vorkommt und deren Bisse für mehr Tote verantwortlich sein sollen als von allen anderen afrikanischen Giftschlangen zusammengenommen. Für den Biss mit Echis ocellatus gibt es derzeit kein Gegengift, seit der Hersteller Sanofi die Produktion von Fav-Afrique eingestellt hat.

Die wichtigste Giftschlange in Indien ist die Kettenviper (Daboia russelii), die wie die Indische Kobra zu den „Big Four“ gehört und jährlich zu 900 Todesfällen führt, obwohl mehrere Gegengifte kommerziell verfügbar sind. © rme/aerzteblatt.de

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