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Medizin

US-Leitlinie verdoppelt Zahl der Hypertoniker in ärmeren Ländern

Montag, 16. Juli 2018

/dpa

Dhaka/Bangladesch – Die umstrittene Leitlinie der US-Kardiologen („2017 ACC/AHA“), die den Grenzwert für eine Hypertonie auf 130/80 mmHg gesenkt hat, führt nicht nur in reicheren Ländern zu einer Zunahme von behandlungsbedürftigen Hochdruck­erkrankungen. Laut einer Analyse in JAMA Network Open (2018; 1: e180606) würde sich auch in ärmeren Ländern wie Nepal die Zahl der Erwachsenen auf über 40 % verdoppeln.

Grenzwert 130 zu 80: US-Leitlinie macht fast jeden zweiten Erwachsenen zum Hypertoniker

Washington/Dallas – Das American College of Cardiology (ACC) und die American Heart Association (AHA) haben nach zwei Jahren Konsequenzen aus der SPRINT-Studie gezogen. Eine auf der AHA-Jahrestagung in Anaheim/Kalifornien vorgestellte Leitlinie senkt den Grenzwert für eine arterielle Hypertonie von 140/80 mmHg auf 130/90 mmHg. Damit haben fast die Hälfte aller erwachsenen US-Amerikaner einen zu (...)

Das nördlich von Indien an Rande des Himalaya-Gebirges gelegene Nepal ist zwar nur ein kleines Land mit gerade einmal 29 Millionen Einwohnern. Aufgrund seiner gerin­gen Wirtschaftsleistung und einer überwiegend in der Landwirtschaft beschäftigten Bevölkerung kann es jedoch repräsentativ für andere Entwicklungsländer zumindest in Asien gelten.

Und anders als in den meisten anderen ärmeren Ländern gibt es seit Kurzem gute Daten zum Gesundheitszustand der Bevölkerung. Die Nichtregierungsorganisation New Era hat kürzlich (im Auftrag des Gesundheitsministeriums Nepals und finanziert aus US-Mitteln) den Gesundheitszustand einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung untersucht. Dabei wurde auch der Blutdruck gemessen.

Wie Muhammad Nazmus Sakib vom Impulse Hospital in Dhaka/Bangladesch und Mitarbeiter berichten, hatten nach der früheren US-Leitlinie („JNC 7"), die den Grenzwert zur Hypertonie noch bei 140/90 mmHg festlegte, 21,2 % der untersuchten Personen eine behandlungsbedürftige Hypertonie. Bei Anwendung der Leitlinie die das American College of Cardiology zusammen mit der American Heart Association im November 2017 vorgestellt hat und die den Grenzwert bei 130/80 mmHg setzt, würden 44,2 % der Bevölkerung als hyperton eingestuft.

Der Anteil der Hypertoniker ist damit fast so hoch wie in einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Situation in den USA. Dort hat die Leitlinie 2017 ACC/AHA zu einem Anstieg der Prävalenz von 31,6 auf 45,6 % geführt. Die Studie, die die Daten der National Health and Nutrition Examination Survey von 2011 bis 2014 zur Grundlage hatte, ist methodisch mit der nepalesischen Studie vergleichbar (Circulation 2018; 137: 109–118).

Die Ergebnisse dürften viele Experten überraschen, die lange Zeit davon ausgingen, dass Wohlstandserkrankungen wie die arterielle Hypertonie in ärmeren Ländern sehr viel seltener sind. In Nepal leben jedoch 59 % der Bevölkerung in den Städten, wo Bewegungsmangel und andere Risikofaktoren für die arterielle Hypertonie ebenso verbreitet sind wie in den reicheren Ländern.

Zumindest unter den oberen Bevölkerungsschichten hat die Adipositas zugenommen. Eine frühere Untersuchung der Nepal Hypertension Society kam zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Hypertoniker in ländlichen Regionen in den letzten 25 Jahren verdreifacht hat (Indian Heart Journal 2012; 64: 128–31).   © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #711280
P.Peschel
am Dienstag, 24. Juli 2018, 17:21

Neue Werte = Neue Patienten

Mehr Patienten - Mehr Therapien und mehr Profit...
Wow - einfach Werte senken und schon habe ich mir neue Patienten gebacken...
so geht es nun schon seit Jahrzehnten - erfolgreich und profitabel!!!
Avatar #711280
P.Peschel
am Dienstag, 24. Juli 2018, 17:19

Neue Werte = Neue Patieneten

Mehr Patienten - Mehr Therapien und mehr Profit...
Wow - einfach Werte senken und schon habe ich mir neue Patienten gebacken...
so geht es nun schon seit Jahrzehnten - erfolgreich und profitabel!!!
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 17. Juli 2018, 09:16

Bloß eine Ernährungsangelegenheit?

Damit Gefäße keine mechanischen Schäden erleiden (welche die Ursache für arteriosklerotische Veränderungen sind), ist deren Festigkeit wahrscheinlicher wichtiger als ein normaler Blutdruck. Es ist davon auszugehen, dass gesunde Gefäßgewebe ebenso dem Mehrfachen der im Betrieb herrschendem Belastung standzuhalten imstande sind, wie das bei technischen Anlagen der Fall ist.
Seltsamerweise fehlt das Thema Festigkeit der Gefäßgewebe in der Welt der Medizin gänzlich. Liegt der Grund dafür etwa gar in dem Umstand, dass diese Gefäßeigenschaft bloß eine Ernährungsangelegenheit ist?
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