NewsÄrzteschaftOrganspende: Urologen fordern Gesetzesänderung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Organspende: Urologen fordern Gesetzesänderung

Montag, 16. Juli 2018

/dpa

Düsseldorf – Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat Systemkorrekturen bei der Organspende gefordert, um die Spenderzahlen zu steigern. Der Fachgesellschaft zufolge hat Deutschland in der Transplantationsmedizin den internationalen Anschluss verloren – zumindest, was das Engagement für die Organspende und die Trans­plantations­ergebnisse betrifft.

„Wir sind heute in der Lage, medizinisch, chirurgisch, logistisch und technisch alles Nötige zu leisten, aber wir können es nicht, weil uns zu wenig Organe zur Verfügung stehen“, kritisierte DGU-Präsident Paolo Fornara. Ihm zufolge war in Deutschland die Zahl der postmortalen Organspender 2017 mit 797 Spendern niedriger als 20 Jahre zuvor. „In einem Land, in dem man häufig behauptet, es habe eines der besten Gesundheitssysteme weltweit, muss uns das zum Nachdenken anregen“, sagte der DGU-Präsident.

Anzeige

Positionspapier erstellt

Um das zu ändern, hat die Fachgesellschaft nun zehn Thesen und Forderungen in einem Positionspapier zusammengefasst. „Man braucht ein ganzes Paket von Systemkorrekturen, damit Deutschland nicht weiter das Schlusslicht bleibt“, erklärte Fornara. Dazu müssen nach Überzeugung des DGU-Präsidenten endlich die notwendigen Gesetzesänderungen vorgenommen werden.

So plädiert die Fachgesellschaft für die Einführung einer Widerspruchslösung: „Die Zeit ist reif, in Deutschland die Widerspruchslösung einzuführen oder zumindest eine verpflichtende Erklärung von allen erwachsenen Bürgern zu verlangen und zu dokumentieren, wie sie persönlich zur Organspende stehen. Eine Pflicht zur Organspende darf es nie geben – wohl aber die Pflicht, seine persönliche Haltung dazu zu erklären“, heißt es dazu in dem Positionspapier.

Laut DGU zeigen Erfahrungen in anderen Ländern jedoch, dass die Widerspruchslösung allein zu wenig bewirkt. Deshalb hat sie ein ganzes Maßnahmenpaket zur Verbesserung von Organspende und Organtransplantation gefordert: Dazu gehört ein stärkeres Engagement der Krankenhäuser, allen voran der Universitätskliniken, eine ausreichende Finanzierung, die öffentliche Wertschätzung von Spendern, die sich unter anderem in einer ausreichenden Absicherung über die Kranken- und Renten­versicherung niederschlägt, sowie eine gestaffelte aufwandsgerechte Vergütung.

Darüber hinaus muss nach Ansicht der DGU die Arbeit der Transplantations­beauftragten besser unterstützt werden. „Transplantationsbeauftragte sind das Bindeglied zwischen Entnahmekrankenhäusern und der Deutschen Stiftung Organtransplantation“, sagte Fornara. Ihre Tätigkeit werde aber durch Landesrecht unterschiedlich geregelt. „Hier bedarf es einer bundeseinheitlichen Lösung: Qualifikation, Ausgestaltung der Aufgabe, Zuständigkeit und Weiterbildung müssen einheitlich sein“, so Fornara. © hil/sb/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2018
Berlin – Etwa 30.000 Hausärztinnen und Hausärzte werden in den nächsten Wochen Post zum Thema Organ- und Gewebespende vom Deutschen Hausärzteverband (DHÄV) und der Bundeszentrale für gesundheitliche
Hausärzte als Multiplikatoren für die Organspende
11. Oktober 2018
Passau – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will bis zum nächsten Sommer die mögliche Neuregelung der Organspende einleiten. „Wir sollten bis Mitte des nächsten Jahres eine Entscheidung
Spahn will Entscheidung über neue Organspenderegelung bis Mitte 2019
1. Oktober 2018
Bern – Die Schweizer können künftig ihr Ja oder Nein zur Organspende in einem Nationalen Organspenderegister eintragen lassen. Die nationale Stiftung für Organspende und Transplantation
Schweizer können Haltung zur Organspende in Datenbank eintragen
26. September 2018
Dresden – Immer mehr ärztliche Einrichtungen unterstützen die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende – jetzt auch die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer. „Jeden Tag sterben in Deutschland drei
Sächsische Landesärztekammer plädiert für Widerspruchslösung bei der Organspende
25. September 2018
Berlin – Für eine intensive Auseinandersetzung der Bevölkerung mit dem Thema Organspende warben Ärzte und Politiker am 24. September bei einer Podiumsdiskussion aus der Reihe Forum Wissen und
Organspende: Ärzte und Politiker ringen um den richtigen Weg
19. September 2018
Berlin – Die Unions-Bundestagsfraktion strebt noch in diesem Jahr Orientierungsdebatten zur Neuregelung der Organspende und zu vorgeburtlichen Bluttests in der Schwangerschaft an. Wie der Vorsitzende
Union will Orientierungsdebatten zu Organspende und Pränataltests
18. September 2018
Berlin – Die Stiftung Organtransplantation (DSO) dringt auf Änderungen bei der Finanzierung von Organspenden. „Es kann nicht sein, dass Krankenhäuser Geld bekommen und trotzdem nicht einen einzigen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER