NewsMedizinSpäte Mahlzeiten könnten das Risiko für Brust- und Prostatakrebs erhöhen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Späte Mahlzeiten könnten das Risiko für Brust- und Prostatakrebs erhöhen

Freitag, 20. Juli 2018

/dmitrimaruta, stock.adobe.com

Berlin – Wer vor 21 Uhr zu Abend isst oder mindestens 2 Stunden vor dem Zubett­gehen die letzte Mahlzeit zu sich nimmt, hat ein geringeres Risiko für Brust- und Prostatakrebs. Verglichen mit Menschen, die nach 22 Uhr zu Abend essen oder kurz vor dem Zu-Bett-gehen, sinkt das Risiko für die beiden Krebsarten um 20 %. Diesen Zusammenhang fanden Forscher vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) in einer Beobachtungsstudie, die im International Journal of Cancer publiziert wurde (2018; doi: 10.1002/ijc.31649).

Frühere Studien haben vor allem den Zusammenhang der Art der Nahrung (rotes Fleisch, Obst und Gemüse) mit Krebs untersucht und weniger das Ernährungsmuster. Die Forscher analysierten daher die Daten von 621 Menschen mit Prostatakrebs und 1.205 mit Brustkrebs sowie von 872 Männern und 1.321 Frauen als Kontrolle. Sie befragten die Teilnehmer zu ihren Ess- und Schlafgewohnheiten, ihrem Essenszeit­punkt und ihrem Chronotyp.

Anzeige

Zudem sollten die Teilnehmer angeben, ob sie die Empfehlungen zur Krebsprävention einhalten. Keiner hatte zuvor in einem Schichtsystem gearbeitet, was das Krebsrisiko bekanntermaßen erhöht – vor allem bei Brust- und Prostatakrebs (International Journal of Cancer 2015, European Journal of Epidemiology 2018). Die größte Studie konnte den Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Schichtarbeit jedoch nicht bestätigen (Journal of the National Cancer Institute 2016).

Das Risiko für Prostatakrebs nahm bei denjenigen, die mindetens 2 Stunden vor dem Zu-Bett-gehen aßen, um 26 % zu  (Odd Ratio = 0,74; 0,55–0,99); das Brustkrebsrisiko stieg um 16 % (OR = 0,84; 0,67–1,06). Einen ähnlichen Vorteil beobachteten die Forscher bei den Teilnehmern, die vor 21 Uhr und nicht erst nach 22 Uhr die letzte Mahlzeit zu sich nahmen. Den größten Vorteil hatten aber jene, deren Chronotyp zu den Morgenmenschen zählte und auch jene, die die Empfehlungen zur Krebsvorsorge beachteten (OR = 0,66 bzw. 0,65).

Zirkadianer Rhythmus beeinflusst den Effekt der Ernährung auf Krebs

Die Studie unterstreiche die Bedeutung des zirkadianen Rhythmus in der Forschung zu Ernährung und Krebs, erklärt ISGlobal-Forscher Manolis Kogevinas, Hauptautor der Studie. „Die Auswirkungen könnten besonders in Kulturen wie Südeuropa wichtig sein, wo Menschen spät zu Abend essen.“ Andere Einflussfaktoren, wie etwa das Rauchen oder der sozioökonomische Status, wurden in der Studie ebenfalls berücksichtigt. Kogevinas kann sich nur schwer vorstellen, dass ein weiterer noch nicht berück­sichtigter Faktor das Krebsrisiko stärker als die Essenszeiten beeinflusst haben könnte.

Um die Gründe für den beobachteten Zusammenhang zu erklären, müssen weitere Studien folgen. Eine Theorie erklärt ISGlobal-Forscherin Dora Romaguera: „Alles deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt des Schlafs unsere Fähigkeit beeinflusst, Nahrung zu metabolisieren.“ Tierexperimentelle Beweise würden bereits vorliegen, die zeigen, dass das Timing der Nahrungsaufnahme sich auf den Stoffwechsel und die Gesundheit auswirke, kommentierte Romaguera. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Essenszeiten andere Krebsarten in ähnlicher Art und Weisen beeinflussen, ergänzt Kogevinas. „Auch bei Diabetes, Übergewicht und Herzinfarkten gibt es in Studien Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Mahlzeit.“ © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2018
Berlin – In wenigen Monaten will auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine quantitative Empfehlung zum Zuckerkonsum aussprechen. Das Positionspapier zur Zuckerreduktion soll Anfang 2019
DGE-Empfehlung für Zuckerkonsum angekündigt
18. Oktober 2018
Kuopio – Eine vollkornreiche Ernährung gilt neben anderen Lebensstilfaktoren als besonders gesundheitsförderlich – unter anderem soll sie das kardiovaskuläre Risiko reduzieren, zur Erhaltung eines
Betaine könnten gesundheitsförderliche Wirkungen von Vollkornproduken mitverantworten
17. Oktober 2018
Berlin – Die Vereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) mit der Industrie für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten ist bei Opposition, Verbraucherschützern und
Grüne kritisieren Klöckners Pläne für weniger Fett und Zucker
17. Oktober 2018
Berlin – Das öffentliche Bewusstsein dafür, dass Männer an Brustkrebs erkranken können ist sehr gering. Daher wollen die Deutsche Krebshilfe und die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSK) den
Brustkrebs bei Männern: Deutsche Krebshilfe sieht Wissenslücken
16. Oktober 2018
Berlin – Für eine gesündere Ernährung sollen Fertiggerichte wie etwa Tiefkühlpizza künftig schrittweise mit weniger Fett, Salz und Zucker auskommen. Auch Portionsgrößen von Produkten sollen kleiner
Klöckner einigt sich mit Industrie auf weniger Fett und Salz in Fertiggerichten
16. Oktober 2018
Otago – Nach der Auffassung neuseeländischer Forscher ist die Ernährung für die Entwicklung einer Gicht weit weniger wichtig als bislang angenommen. Entscheidend sei vielmehr die genetische
Gene für die Entwicklung der Gicht wichtiger als gedacht
15. Oktober 2018
Berlin – Damit kleine Kinder nicht an Zucker gewöhnt werden, will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bis Ende 2019 süßende Zutaten in Babytees aus dem Verkehr ziehen. „Die Produkte für
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER