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Colitis ulcerosa: Rolle der Ernährung überschätzt

Dienstag, 17. Juli 2018

/sunabesyou, stock.adobe.com

Berlin – Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) haben Experten die S3-Leitlinie für die Behandlung der chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung Colitis ulcerosa (CU) aktualisiert. Dabei legten sie ein besonderes Augenmerk auf die erhöhten Infektionsrisiken von CU-Patienten sowie Ernährungsaspekte.

Bundesweit sind rund 150.000 Menschen an der chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung Colitis ulcerosa (CU) erkrankt. Colitis ulcerosa, die meist im jungen Erwachsenenalter beginnt, verläuft in Schüben und begleitet die Betroffenen in der Regel ein Leben lang. Obwohl die Krankheit nicht selten ist, dauert es bei vielen CU-Patienten noch immer lange, bis sie die richtige Diagnose und eine adäquate Therapie erhalten.

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Wertvolle Hinweise

„Umso wichtiger war uns die Aktualisierung der Leitlinie“, sagt DGVS-Experte Axel Dignaß. Besonders in den Händen von Hausärzten und der Patienten selbst könne sie wertvolle Hinweise für eine frühzeitige Diagnosestellung und optimale Behandlung der Krankheit geben.

Eine zentrale Erkenntnis: Die Rolle der Ernährung im Zusammenhang mit der Erkrankung wurde viele Jahre überschätzt. Laut der S3-Leitlinie gibt es keine wissenschaftlich belegte Ernährungsform, die das Risiko für die Entstehung einer CU-Erkrankung reduziert – abgesehen vom Stillen. Denn Kinder, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, haben ein um fast ein Viertel reduziertes Risiko, später an CU zu erkranken, als nicht oder nur kurz gestillte Kinder.

Während eine Prävention über die Ernährung also nicht effektiv möglich zu sein scheint, komme der Ernährung bei bereits bestehender CU eine große Bedeutung zu. So hätten Patienten wegen wiederkehrender Durchfälle und der Schädigung der Darmschleimhaut ein hohes Risiko für eine Mangelernährung und würden so zusätzlich geschwächt.

Besonders Kinder weisen häufig – in bis zu 85 Prozent der Fälle – Zeichen einer Mangelernährung auf. Neben starken Proteinverlusten wirken sich auch eine zu geringe Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin D, Folsäure oder Zink negativ auf Wachstum und Entwicklung aus. Die Versorgung mit Nährstoffen sollte daher regelmäßig überprüft und fehlende Nährstoffe als Tablette oder Infusion zugeführt werden, empfiehlt die Leitlinie. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #760339
CU-Patient
am Sonntag, 10. Februar 2019, 22:11

Als Patient kann ich dem nur widersprechen

Ich habe CU seit sehr langer Zeit, hatte bis jetzt 2 richtig schwere Schübe. Beim ersten beginnende Sepsis (rückwirkend vermutlich wegen Aza-Einnahme), dann sehr viel Prednisolon, dann Chemo. Nichts half bis auf ein Studienpräparat von Uni Heidelberg.
Zweiter wurde von einer bis zu der Zeit linksseitigen Colitis (nur ein Teil des Darms entzündet) nach 9 Monaten zu einer Pancolitis (kompletter Darm entzündet). Habe ich erwähnt, dass ich in diesen Monaten massiv Prednisolon zu mir nehmen durfte?
Und der Arzt wollte mir auch noch weiss machen, dass es doch irgendwie ein wenig besser geworden wäre, was natürlich genausowenig Sinn macht, wenn aufeinmal der gesamte Darm entzündet ist!

Das einzige was diesmal geholfen hat war a) Einsatz von Salofalk-Klysmen sowie b) absolut strikte Diät.
Es sollte jeder halbwegs kundigen Person klar sein, dass Salofalk-Klysmen alleine keine Pancolitis komplett behandeln können.
Diese Behandlungsmethode kam genauso direkt von der CED-Spezialklinik aus Heidelberg.
Diät besteht primär aus Meidung von Industriezucker und ursprünglich auch noch weiteren Lebensmitteln inkl. Milch, etc. Die Meidung von Industriezucker sollte generell beibehalten werden.
Fruktose ist hingegen akzeptabel (natürlich nicht übertreiben). Als Ersatz gibt es auch z.B. Xucker.
Für genauere Informationen -> Heidelberg kontaktieren! Das kann ich nur jedem schweren Fall empfehlen!

Nur dadurch ging endlich alles zurück. Ich kam davor nicht mal mehr unter 25mg Predni, und selbst mit diesen 25mg Predni ging es mir hundsmiserabel (selbst wenn ich die Nebenwirkungen von Predni abziehe).

Ich habe danach sogar einige Tests gemacht z.B. Speiseeis (mit Industriezucker) gegessen und mein Darm hat jedesmal recht schnell darauf "verärgert" reagiert. Gleiches auch mit irgendwelchen Süssigkeiten. Ich verzichte jetzt auf alles, ohne jegliche Ausnahmen.
Mir wurde damals beim ersten massiven Schub Flüssignahrung empfohlen und auch stationär gegeben und die besteht primär aus Industriezucker. War also rückwirkend das wirklich schlechteste was man machen konnte und hat sicherlich auch zum damals fürchterlichten Verlauf beigetragen.

In diesen Leitlinien steht darüber gar nichts. Es ist erschreckend, dass soetwas nicht einmal erwähnt wird, bzw. wenigstens explizit gegen Flüssignahrung gesprochen wird, obwohl es mir von Experten vor 2 Jahren gesagt wurde und auch funktioniert hat (und wie gesagt ich bin einer von der richtig schweren Fällen, bei mir ist endlich nach diesen Umstellungen alles unter Kontrolle. Bei mir geht jetzt auch Vollkornbrot etc.).
Avatar #751901
CarlaS
am Samstag, 1. September 2018, 10:55

Selber von Morbus Crohn betroffen - meine Ernährung

Hallo zusammen
Als Selbstbetroffene mit Morbus Crohn lese ich mich in viele Themen ein und informiere mich. Es stimmt, dass es sehr viele Berichte zur "richtigen" Ernährung gibt. Leider sind es oft nur Studien, welche positiv über diverse Nahrungsmittel schreiben und diese aufzeigen. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine gesunde Ernährung bei bereits Erkrankten helfen kann, auch wenn es nur indirekt der Darm­er­krank­ung hilft. Das allgemein Wohl steigt, wenn ich auf die Nahrung schaue, was sich positiv für den Darm auswirkt, so meine Erfahrungen. Im Moment kursieren sehr viele Berichte über die Erdbeere im Internet herum. Beispielweise hier:
https://www.morbus-crohn-news.de/erdbeeren-als-hilfe-gegen-darmerkrankungen/
Ob Erdbeeren tatsächlich helfen (ok, gemäss Studie ja), ist sicherlich schwierig zu sagen. Dennoch sind im Allgemeinen Erdbeeren gesund, was in meinen Augen indirekt auch gut für die Krankheit, respektive für den Darm, ist.
Liebe Grüsse
Carla
LNS

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