NewsÄrzteschaftColitis ulcerosa: Rolle der Ernährung überschätzt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Colitis ulcerosa: Rolle der Ernährung überschätzt

Dienstag, 17. Juli 2018

/sunabesyou, stock.adobe.com

Berlin – Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) haben Experten die S3-Leitlinie für die Behandlung der chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung Colitis ulcerosa (CU) aktualisiert. Dabei legten sie ein besonderes Augenmerk auf die erhöhten Infektionsrisiken von CU-Patienten sowie Ernährungsaspekte.

Bundesweit sind rund 150.000 Menschen an der chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung Colitis ulcerosa (CU) erkrankt. Colitis ulcerosa, die meist im jungen Erwachsenenalter beginnt, verläuft in Schüben und begleitet die Betroffenen in der Regel ein Leben lang. Obwohl die Krankheit nicht selten ist, dauert es bei vielen CU-Patienten noch immer lange, bis sie die richtige Diagnose und eine adäquate Therapie erhalten.

Anzeige

Wertvolle Hinweise

„Umso wichtiger war uns die Aktualisierung der Leitlinie“, sagt DGVS-Experte Axel Dignaß. Besonders in den Händen von Hausärzten und der Patienten selbst könne sie wertvolle Hinweise für eine frühzeitige Diagnosestellung und optimale Behandlung der Krankheit geben.

Eine zentrale Erkenntnis: Die Rolle der Ernährung im Zusammenhang mit der Erkrankung wurde viele Jahre überschätzt. Laut der S3-Leitlinie gibt es keine wissenschaftlich belegte Ernährungsform, die das Risiko für die Entstehung einer CU-Erkrankung reduziert – abgesehen vom Stillen. Denn Kinder, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, haben ein um fast ein Viertel reduziertes Risiko, später an CU zu erkranken, als nicht oder nur kurz gestillte Kinder.

Während eine Prävention über die Ernährung also nicht effektiv möglich zu sein scheint, komme der Ernährung bei bereits bestehender CU eine große Bedeutung zu. So hätten Patienten wegen wiederkehrender Durchfälle und der Schädigung der Darmschleimhaut ein hohes Risiko für eine Mangelernährung und würden so zusätzlich geschwächt.

Besonders Kinder weisen häufig – in bis zu 85 Prozent der Fälle – Zeichen einer Mangelernährung auf. Neben starken Proteinverlusten wirken sich auch eine zu geringe Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin D, Folsäure oder Zink negativ auf Wachstum und Entwicklung aus. Die Versorgung mit Nährstoffen sollte daher regelmäßig überprüft und fehlende Nährstoffe als Tablette oder Infusion zugeführt werden, empfiehlt die Leitlinie. © hil/sb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #751901
CarlaS
am Samstag, 1. September 2018, 10:55

Selber von Morbus Crohn betroffen - meine Ernährung

Hallo zusammen
Als Selbstbetroffene mit Morbus Crohn lese ich mich in viele Themen ein und informiere mich. Es stimmt, dass es sehr viele Berichte zur "richtigen" Ernährung gibt. Leider sind es oft nur Studien, welche positiv über diverse Nahrungsmittel schreiben und diese aufzeigen. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine gesunde Ernährung bei bereits Erkrankten helfen kann, auch wenn es nur indirekt der Darm­er­krank­ung hilft. Das allgemein Wohl steigt, wenn ich auf die Nahrung schaue, was sich positiv für den Darm auswirkt, so meine Erfahrungen. Im Moment kursieren sehr viele Berichte über die Erdbeere im Internet herum. Beispielweise hier:
https://www.morbus-crohn-news.de/erdbeeren-als-hilfe-gegen-darmerkrankungen/
Ob Erdbeeren tatsächlich helfen (ok, gemäss Studie ja), ist sicherlich schwierig zu sagen. Dennoch sind im Allgemeinen Erdbeeren gesund, was in meinen Augen indirekt auch gut für die Krankheit, respektive für den Darm, ist.
Liebe Grüsse
Carla
LNS

Nachrichten zum Thema

13. November 2018
Houston – Eine Colitis, die zu den schweren Komplikationen einer Behandlung mit Immun-Checkpointinhibitoren gehört, kann offenbar mit einer fäkalen Bakterientherapie, auch Stuhltransplantation
Stuhltransplantation lindert Colitis nach Krebsimmuntherapie
16. Oktober 2018
Dortmund – Einen Vertrag zur besseren Versorgung von Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe mit der GWQ ServicePlus geschlossen. GWQ
Neuer Versorgungsvertrag für Patienten mit chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen
6. Juli 2018
Erlangen/Nürnberg – Ein neuer überregionaler Sonderforschungsbereich „Immun-Epitheliale Signalwege bei chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen“ ist an der Friedrich-Alexander-Universität
Neuer Forschungsbereich zu entzündlichen Darm­er­krank­ungen gestartet
23. Oktober 2017
Tokio – Zwei im Mund vorkommende Klebsiella-Bakterien, die häufig gegen Antibiotika resistent sind, können bei Mäusen eine entzündliche Darm­er­krank­ung auslösen, wenn die Tiere eine genetische
Morbus Crohn/Colitis ulcerosa: Machen resistente Bakterien aus dem Mund den Darm krank?
17. Oktober 2017
Hongkong – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die lange Zeit als rein „westliche“ Erkrankungen betrachtet wurden, sind in den vergangenen Jahren in neu industrialisierten Ländern deutlich häufiger
Entzündliche Darm­er­krank­ungen in Schwellenländern immer häufiger
27. September 2017
Stockholm – Patienten, die bereits in ihrer Jugend an einer chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ung leiden, haben schon im jungen Alter ein erhöhtes Risiko für die Entstehung gastrointestinaler
Chronisch-entzündliche Darm­er­krank­ungen in der Kindheit erhöhen Krebsrisiko
26. Juli 2017
Ottawa - Kinder, die auf dem Land aufwachsen, erkranken seltener an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im American Journal of Gastroenterology
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER