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Medizin

HIV-Suppression schützt serodiskordanten Partner auch bei Risikosex

Mittwoch, 18. Juli 2018

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Sydney – HIV-positive Männer können durch die regelmäßige Einnahme von antiretroviralen Medikamenten ihre Partner vor einer Infektion schützen. In einer Kohortenstudie kam es trotz häufigem ungeschütztem Analverkehr niemals zu einer nachgewiesenen Infektion. Dies zeigen die jetzt in Lancet HIV (2018; doi: 10.1016/S2352-3018(18)30132-2) publizierten Ergebnisse der „Opposites Attract“-Studie, die bereits im letzten Jahr auf einer Aids-Tagung in Paris vorgestellt wurden.

Die Studie umfasst 358 serodiskordante schwule Paare aus Australien, Bangkok und Rio de Janeiro, von denen 343 an wenigstens einer Nachuntersuchung teilgenommen hatten. Bei den Nachuntersuchungen wurde jeweils bei dem HIV-positiven Partner die Viruslast bestimmt und bei dem seronegativen Partner ein HIV-Test durchgeführt. Außerdem füllten die Paare Fragebögen zu ihrem Sexualverhalten aus.

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Nicht bei allen HIV-Infizierten war es unter der Therapie zu der für den Partnerschutz erforderlichen Virussuppression gekommen: Nur bei 3 von 4 HIV-Patienten (75 %) lag die Viruslast bei allen Tests unter der Nachweisgrenze von 200 Kopien pro Milliliter. Auf der anderen Seite hatten sich nicht alle HIV-negativen Partner auf die Einnahme oder Wirksamkeit der Medikamente bei ihrem HIV-positiven Partner verlassen: Jeder dritte (34 %) hatte eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP) betrieben.

Trotz der Lücken oder vielleicht auch wegen des doppelten Schutzes (HIV-Suppression plus PrEP) kam es während 588,4 Partnerjahren kein einziges Mal zu einer Infektion unter den Partnern, trotzdem sie insgesamt 16.800-mal kondomlosen Analverkehr hatten. Die meisten dieser Sexualkontakte, nämlich 12.447, entfielen auf Paare, in denen der HIV-positive Patient eine Virussuppression erreicht hatte und sein serodiskordanter Partner keine PrEP betrieben hatte.

Insgesamt 3 Teilnehmer haben sich im Verlauf der Studie dann doch infiziert. Die phylogenetischen Analysen, die das Team um Andrew Grulich vom Kirby Institute in Sydney daraufhin durchführen ließ, ergaben jedoch, dass sich die Teilnehmer nicht bei ihrem Lebenspartner angesteckt hatten.

Die Studie bestätigt die vor 2 Jahren veröffentlichten Ergebnisse der PARTNER-Studie, an der 1.116 serodiskordante Paare aus Europa teilgenommen hatten. Auch dort war es in 1.238 Partnerjahren niemals zu einer Infektion gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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