NewsPolitikMehr Anerkennung für Menschen mit Downsyndrom eingefordert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Mehr Anerkennung für Menschen mit Downsyndrom eingefordert

Mittwoch, 18. Juli 2018

/dpa

Berlin – Die Vorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, hat für mehr gesellschaftliche Anerkennung für Menschen mit Downsyndrom geworben. Menschen mit Trisomie 21 hätten der Gesellschaft viel zu geben, „als Musiker, als Schauspieler oder als Bedienung in einem Restaurant und vor allem als Mensch“, sagte die ehemalige Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin und SPD-Bundestagsabgeordnete.

„Stattdessen ist es heute Alltag, dass Eltern eines Kindes mit Downsyndrom gefragt werden, ob sie ,das’ denn nicht gewusst hätten – wobei der Abbruch der Schwanger­schaft gleich mitgedacht wird.“ Schmidt äußerte sich vor einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute im Caritas-Zentrum Köln-Kalk, wo die Kanzlerin die vom Downsyndrom betroffene Natalie Dedreux treffen wird. Die damals 19-Jährige hatte im September 2017 einen viel beachteten Auftritt in der ARD-„Wahlkampfarena“, als sie Merkel auf den Umgang mit Trisomie 21 ansprach.

Anzeige

Nicht bemitleidenswert

„Frau Dedreux zeigt eindrucksvoll, dass Menschen sich klar und mutig für ihre Anliegen einsetzen können – auch wenn sie mit Trisomie 21 leben“, sagte die Vorsitzende der Lebenshilfe. „Mit ihrer selbstbewussten und lebensfrohen Art widerlegt sie das Bild von Menschen mit Behinderung als bemitleidenswert und Opfer eines schweren Schicksals.“

Schätzungen zufolge werden neun von zehn Föten mit dem Verdacht auf Trisomie 21 abgetrieben. „Sich für einen Abbruch zu entscheiden, ist immer schwierig und hat zumeist sehr persönliche Gründe“, sagte Schmidt. Von Eltern eines Kindes mit Trisomie 21 höre sie aber immer wieder, „dass sie sich viel weniger Sorgen gemacht hätten, wenn sie schon früher gewusst hätten, wie das Leben mit und für ihr Kind mit Downsyndrom ist“.

Skeptisch äußerte sich Schmidt zu Überlegungen, dass Krankenkassen künftig Bluttests in der Schwangerschaft zur Früherkennung des Downsyndroms bezahlen. 18 Prozent der Befunde seien falsch, sagte die Lebenshilfe-Vorsitzende. Der Test sei zwar sinnvoll für Frauen mit einem besonderen Risiko auf ein Kind mit Downsyndrom und sollte dann auch von der Krankenkasse bezahlt werden.

„Den Test für alle Frauen ohne spezifisches Risiko zu bezahlen, hieße dagegen, eine Reihenuntersuchung auf Downsyndrom einzuführen“, warnte Schmidt. „Das wäre das Signal: Wir als Gesellschaft suchen systematisch nach Menschen mit Downsyndrom, um eine Abtreibung zu ermöglichen.“

Zufrieden zeigte Schmidt sich mit den Plänen der großen Koalition, betreuten Menschen mit Behinderung künftig das Wahlrecht einzuräumen. Dabei geht es um rund 80.000 Menschen. „Ich bin froh, dass wir dies im Koalitionsvertrag vereinbart haben und die Koalitionsfraktionen dies nach der Sommerpause auf den Weg bringen wollen“, sagte Schmidt. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. April 2018
Brüssel – In Belgien werden künftig Schätzungen zufolge immer weniger Kinder mit Downsyndrom auf die Welt kommen. „In etwa fünf Jahren werden es wahrscheinlich unter zehn Kinder pro Jahr in Flandern
In Belgien werden immer weniger Kinder mit Downsyndrom geboren
21. März 2018
München/Berlin/Frankfurt – Für einen Ausbau der Förderangebote auch für Erwachsene mit Downsyndrom hat sich Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) ausgesprochen. Dazu müssten entsprechende
Auch Erwachsene mit Downsyndrom benötigen Förderung
14. April 2015
Berlin – Bundesweite Daten zu vorgeburtlichen Tests auf Trisomie 21 sowie fundierte Auswertungen zu Schwangerschaftsabbrüchen bei und Geburten von Kindern mit Down-Syndrom liegen in Deutschland
Down Syndrom-Bluttest: Abgeordnete kritisieren ungenügende Vergleichsdaten
20. März 2015
Berlin – Erstmals nach 25 Jahren wenden sich mit einer gemeinsamen, interfraktionellen „Kleinen Anfrage“ Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen an die Bundesregierung. Dabei richten sie das Augenmerk
Bluttest auf Down-Syndrom: Bundestagsabgeordnete schließen sich zusammen
7. Juli 2014
Bordeaux – Die Trisomie 21 ist keine Chromosomen-Anomalie der Neuzeit. Dies belegt der Fund eines Skeletts in einem Grab aus dem 5. bis 6. Jahrhundert, dessen Knochen einem Bericht im International
Down-Syndrom mindestens 1.500 Jahre alt
22. April 2014
Boston – US-Forscher haben herausgefunden, warum Menschen mit Down-Syndrom häufig an einer B-Zell-Leukämie erkranken. Im Zentrum stehen mehrere Gene, die dem Bericht in Nature Genetics (2014; doi:
Gen treibt Leukämie bei Down-Syndrom voran
5. September 2013
Baltimore – Die einmalige Gabe eines sogenannten Hedgehog-Agonisten kurz nach der Geburt hat in einer Studie in Science Translational Medicine (2013; doi: 10.1126/scitranslmed.3005983) die für das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER