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Politik

Morbi-RSA sollte neu gedacht werden

Freitag, 20. Juli 2018

/Bjoern Wylezich, stockadobecom

Berlin – Der morbiditätsorientierte Risiko­struk­tur­aus­gleich (Morbi-RSA), der den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen regelt, sollte ganz neu gedacht werden. Das hat Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands, gestern in Berlin angeregt. Er habe zwar noch keine Lösung, aber sollte man „nicht zulassen, dass darüber debattiert wird, ob es nicht andere Formen der Gewährleistung des Ausschlusses von Risiko­selektion und der Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen gibt, als den Morbi-RSA?“, betonte Knieps.

Es stelle sich die Frage, ob der Morbi-RSA an sich vielleicht ein Problem darstelle und ob der Ansatz, diesen immer weiter zu verfeinern, der richtige sei. Er sei der Auf­fassung, dass die bisherige Linie – Fehler des Morbi-RSA würden durch Verfeinerungen desselbigen behoben – eine „Sackgasse“ sei. „Mehr RSA ist nicht gleich ein besserer RSA“, sagte Knieps. Er bezieht sich damit auch auf das Sondergutachten des Wissen­schaftlichen Beirats zur Weiterentwicklung des Risiko­struk­tur­aus­gleichs (RSA) beim Bundesversicherungsamt (BVA), das dieser kürzlich vorgelegt hatte.

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Mängel ja, aber ...

Aus Sicht von Knieps zeigt das Gutachten, dass es nach wie vor Mängel beim Risikostruktruausgleich (RSA) in der regionalen Struktur – von der Arztdichte über Krankenhausdichte, aber auch unterschiedliche Verteilung von Versichertenrisiken von Stadt und Land – gibt, die über den jetzigen Morbi-RSA nicht ausreichend abgebildet werden. Im Ergebnis blieben die Gutachter aber schwammig.

Es gebe zwar eine Reihe von Instrumenten, um der Sache abzuhelfen. Aber offen­sichtlich halte der Beirat keines der Instrumente für so ausgereift, dass er klare Empfehlungen mache. „Er hat gewisse Präferenzen für regionale Beitragssätze, sagt aber gleich, dass umfassende Vorarbeiten erforderlich sind, um das durchführen zu können“, sagte Knieps. Wie eine kleine Betriebskrankenkasse, die bundesweit geöffnet sei, regionale Beitragssätze auf Landes-, Bezirks- oder sogar Kreisebene kalkulieren sollte, sei ihm ohnehin nicht klar. „Diese Empfehlung ist für mich verbaut“, so Knieps.

Regionale Zu- oder Abschläge, die dem Beirat zufolge in einem Einnahmen- und Ausgabenausgleich münden könnten, kann er sich zumindest vorstellen. „Das Instrument würde in die Richtung gehen, regionale Unterschiede anzuerkennen“, meinte er. Die anderen Regionalmodelle, die noch debattiert werden, würden daran kranken, dass die Parameter willkürlich gewählt worden seien. Zudem sei das Raumordnungsmodell nicht untersucht worden. Aus Sicht von Knieps sollte die Politik eine Übergangsregelung schaffen. „Ich könnte mir einen Regionalfaktor vorstellen, der mit Beginn 2019 wirken könnte, der aber dann kontinuierlich geprüft wird“, sagte er.

Kritik übte er an einer bestehenden Intransparenz der Daten. Die Berechnungen der Gutachter beim BVA seien für die Krankenkassen nicht nachvollziehbar, weil es keine repräsentative Datenstichprobe aus dem RSA gebe. Man sei völlig auf die Definitions­hoheit und die Datenhoheit des Bundesversicherungsamtes angewiesen. Er halte es für „absolut dringlich“, endlich Datentransparenz zu schaffen. Dann könne man mehr eigene Vorschläge machen, sagte Knieps.

Prognose: Über- und Unterdeckung wird größer

Der BKK Dachverband erneuerte die Forderung, dass beim Morbi-RSA dringend Korrekturen angebracht sind. Eigene konservative Hochrechnungen zeigten, dass die Schere zwischen Unter- und Überdeckung bis 2022 bei rund fünf Milliarden Euro liegen könnte, wenn alles bleibe wie gehabt.

Die Überdeckung des AOK-Systems betrage dann 3,1 Milliarden Euro, die Unterdeckung der Ersatzkassen läge bei rund zwei Milliarden Euro. Damit erhielten die AOKs deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds, als sie an Leistungsausgaben hätten. Die anderen Krankenkassen, insbesondere die Ersatzkassen, würden deutlich zu wenige Mittel dafür erhalten. © may/aerzteblatt.de

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