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Politik

AOK: Millionenschaden durch Abrechnungsbetrug und Korruption

Donnerstag, 19. Juli 2018

Eisenberg – Der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland sind in den vergangenen beiden Jahren Schäden in Millionenhöhe durch Abrechnungsbetrug oder Korruption im Gesundheits­wesen entstanden. Insgesamt belaufe sich der Schaden in den beiden Jahren auf rund 2,8 Millionen Euro, teilte die Krankenkasse heute in Eisenberg mit. Es sei das höchste Schadensniveau seit 2004 erreicht worden. „Wir stellen fest, dass die Zahl der Fälle steigt“, sagte ein AOK-Sprecher. Das sei ein bundesweiter Trend. Der tatsächliche Schaden dürfte noch größer sein, da nicht alle Fälle bekannt würden.

Die aufgedeckten Schäden in den beiden Bundesländern verteilen sich laut AOK auf ganz unterschiedliche Leistungsbereiche wie Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Krankentransporte oder auch ärztliche Leistungen. Ein Schwerpunkt liege aber mit allein rund 30 Prozent des Schadens auf der ambulanten Pflege. Es gehe etwa um die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen sowie den Einsatz von Personal ohne fachliche Qualifikation. Es gebe auch Fälle der Erschleichung oder des Verkaufs suchtrelevanter Arzneimittel, Fälle von Bestechung und von Missbrauch elektronischer Gesundheitskarten.

Staatsanwaltschaft aktiv

Insgesamt sei in 68 Fällen eine Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. In Einzel­fällen seien die Täter zu Haftstrafen verurteilt worden. Auf Fälle von Abrechnungsbetrug oder Korruption wird die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland nach eigenen Angaben auf drei Wegen aufmerksam. Es gebe eigene Prüfungen und es gebe Hinweise von Versicherten sowie Vertragspartnern aus dem Gesundheitswesen.

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Die AOK ist nach eigenen Angaben der größte Krankenversicherer in Rheinland-Pfalz und dem Saarland und hat 1,2 Millionen Versicherte. Sie hat sich mit anderen Kranken­kassen in den beiden Ländern seit 2010 in einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, um Abrechnungsbetrug zu bekämpfen. Wünschenswert seien eine oder mehrere Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die sich ausschließlich mit Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen befassen könnten, teilte die AOK weiter mit.

Abgesehen von abgeschlossenen Schadensfällen laufen bei einer speziellen Ermittlungs­gruppe des Polizeipräsidiums Westpfalz 18 Ermittlungsverfahren. Darüber hatte zuvor der SWR berichtet. Die Verfahren richten sich der Polizei zufolge gegen Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Physiotherapeuten-Praxen und Pflegedienste. Stelle sich bei Ermittlungen ein Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen „mit nicht nur geringfügiger Bedeutung für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung“ heraus, werde die zuständige Staatsanwaltschaft unterrichtet. © dpa/aerzteblatt.de

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