NewsMedizinTyp-2-Diabetes: Kardiovaskuläre Komplikationen nach Wechsel auf Sulfonylharnstoff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ-2-Diabetes: Kardiovaskuläre Komplikationen nach Wechsel auf Sulfonylharnstoff

Freitag, 20. Juli 2018

/Fotoimpressionen, stock.adobe.com

Toronto – Der Wechsel zu einem Sulfonylharnstoff ist für Patienten mit Typ-2-Diabetes, die unter der Therapie mit Metformin keine ausreichende Kontrolle des Blutzuckers erreichen, mit einem erhöhten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Dies kam in einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 362: k2693) heraus, nach der eine die Kombination des Sulfonylharnstoffs mit Metformin weniger riskant ist als der Wechsel auf eine alleinige Sulfonylharnstoff-Behandlung.

Metformin ist Mittel der ersten Wahl zur Behandlung des Typ 2-Diabetes. Viele Patienten erreichen zunächst eine gute Blutzuckerkontrolle. Nach einiger Zeit kommt es jedoch wegen des Fortschreitens der Erkrankung erneut zu einem Anstieg des HbA1c-Werts. In dieser Situation wird Metformin häufig mit einem Sulfonylharnstoff kombiniert oder aber die Patienten wechseln auf eine Monotherapie mit dem Sulfonylharnstoff.

Anzeige

Dieser Wechsel ist nicht unproblematisch, da es unter der Behandlung mit einem Sulfonylharnstoff häufig zu einem Anstieg des Körpergewichts kommt und das Risiko von Hypoglykämien steigt. Beides könnte das kardiovaskuläre Risiko der Patienten erhöhen: Übergewicht ist ein etablierter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hypoglykämie können Herzrhythmusstörungen auslösen.

Ein Team um Samy Suissa von der McGill University in Toronto hat hierzu die Daten aus dem britischen Clinical Practice Research Datalink analysiert, das die elektronischen Krankenakten von britischen Hausarztpatienten speichert.

77.138 Patienten im Durchschnittsalter von 64 Jahren hatten zwischen 1998 und 2013 die Therapie ihres Typ-2-Diabetes mit Metformin begonnen. Von diesen erhielten später 25.699 ein Sulfonylharnstoff entweder als Zweitmedikament oder in Monotherapie nach einem Wechsel.

In den folgenden durchschnittlich 1,1 Jahren war die Sulfonylharnstoff-Behandlung (Wechsel und zusätzliche Gabe kombiniert) mit einer erhöhten Rate von Herzinfarkten (7,8 versus 6,2 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre) sowie einem Anstieg der Todesfälle (27,3 versus 21,5 pro 1.000 Personenjahre) verbunden. Außerdem gab es einen Trend zu einem Anstieg von ischämischen Schlaganfällen (6,7 versus 5,5 pro 1.000 Personenjahre) und kardiovaskulären Todesfällen (9,4 versus 8,1 pro 1.000 Personenjahre).

Ob dies eine Komplikation der Therapie mit dem Sulfonylharnstoff oder Folge der fortschreitenden Diabeteserkrankung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Allein ein deutlicher Anstieg der Hypoglykämien (5,5 versus 0,7) dürfte auf den Einsatz von Sulfonylharnstoffen zurückzuführen sein.

In einer zweiten Analyse hat Suissa Patienten, die zusätzlich mit einem Sulfonyl­harnstoff behandelt wurden, mit denen verglichen, die auf eine Monotherapie mit einem Sulfonylharnstoff gewechselt hatten.

Ergebnis: Nach einem Wechsel auf ein Sulfonylharnstoff kam es deutlich häufiger zu Herzinfarkten (13,2 versus 5,0 pro 1.000 Personenjahre) und auch häufiger zu Todesfällen (49,1 versus 18,9 pro 1.000 Personenjahre). Die Assoziationen schwächten sich nach einer statistischen Bereinigung der Ungleichgewichte zwischen den beiden Gruppen zwar ab (offenbar entschieden sich die Ärzte bei kränkeren Diabetikern eher für den Wechsel als für die Kombination).

Es blieb jedoch eine Hazard Ratio von 1,51 auf einen Herzinfarkt (95-%-Konfi­denzintervall 1,03–2,24) und eine Hazard Ratio für das Sterberisiko von 1,23 (1,00–1,50). Hinsichtlich der Endpunkte ischämischer Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod oder schwere Hypoglykämie wurden keine signifikanten Unterschiede gefunden.

Suissa rät aufgrund dieser Ergebnisse, dass bei einem Wirkungsverlust von Metformin eine Kombinationstherapie einem Wechsel auf ein Sulfonylharnstoff vorgezogen werden sollte. Wie bei allen retrospektiven Datenbankanalysen lässt sich allerdings nicht ausschließen, dass doch eine Bevorzugung von Sulfonylharnstoffen bei Patienten mit ungünstigen Risiken für das Ergebnis verantwortlich ist. Da zu dieser Frage keine Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien vorliegen, müssen Ärzte ihre Entscheidungen auf den Ergebnissen unsicherer epidemiologischer Studien treffen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juli 2019
Sydney – Das bei Diabetes erhöhte Herzinsuffizienzrisiko ist unter den Geschlechtern nicht gleichmäßig verteilt: Bei Frauen geht die Diabeteserkrankung mit einer stärkeren Risikoerhöhung einher als
Frauen mit Diabetes stärker für Herzinsuffizienz gefährdet als männliche Patienten
11. Juli 2019
Dresden/London – Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse arbeiten in vernetzten Verbünden und ihre Reaktionen auf steigende Blutzuckerspiegel werden von sogenannten Leader-Zellen koordiniert – zumindest
Hierarchie der Betazellen koordiniert Insulinproduktion
10. Juli 2019
Nashville/Tennessee – Die Mikroangiopathie, eine klinisch nur schwer zu erfassende Komplikation des Diabetes mellitus, erhöht nach Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in Circulation
Mikroangiopathie erhöht Amputationsrisiko
8. Juli 2019
Salt Lake City – Die Blockade des Enzyms Dihydroceramid-Desaturase, dem abschließenden Enzym der Ceramidsynthese, könnte ein neuer Ansatz zur Behandlung des Metabolischen Syndroms sein. In
Blockade der Ceramidsynthese verbessert Insulinwirkung bei Mäusen
4. Juli 2019
Glasgow – Eine gute Stoffwechseleinstellung kann Menschen mit Typ-2-Diabetes vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, offenbar aber nicht vor Krebs. In Schottland sterben laut einer aktuellen Analyse
Krebs wird häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetikern
3. Juli 2019
Löwen – Eine dreimonatige Behandlung mit pasteurisierten Akkermansia muciniphila hat in einer randomisierten Pilotstudie den Stoffwechsel von Patienten mit Metabolischem Syndrom verbessert und das
Probiotikum verbessert Stoffwechsel bei Metabolischem Syndrom
28. Juni 2019
Berlin – Die steigende Zahl von Typ-1-Diabetikern in Deutschland erfordert neben ambulanten auch einen Ausbau der stationären Versorgungsstrukturen. Das fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER