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Politik

HIV-Präexpositions­prophylaxe: Parteien stellen sich hinter Spahn

Freitag, 20. Juli 2018

/milosducati, stockadobecom

Berlin – Die Ankündigung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), dass die HIV-Präexpositionsprophylaxe künftig von den Krankenkassen bezahlt werden soll, stößt bei den Parteien im Bundestag auf Zustimmung. Union, SPD, Grüne, FDP und Linke stützten die Forderung des CDU-Ministers. Die AfD äußerte sich bisher nicht. Rückendeckung gab es auch von der Deutschen Aidshilfe.

„Wir als Union unterstützen das Vorhaben des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters, die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufzunehmen“, sagte Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. Alle Maßnahmen, um die Zahl neuer HIV-Infektionen zu senken, seien zu begrüßen.

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„Ein Mehr an Prävention ist auch aus Sicht der Versichertengemeinschaft sinnvoll. Dabei sollte aus meiner Sicht unbedingt geprüft werden, an welche Personengruppen sich die Maßnahmen richten werden. Hier könnten zum Beispiel die Mitarbeiter im Gesundheitswesen infrage kommen, die von besonderen Ansteckungsrisiken betroffen sind“, sagte Maag.

„Ich bin sehr erfreut, dass Versicherte einen Anspruch auf Übernahme der Kosten für die PrEP haben werden“, erklärte Hilde Mattheis (SPD), zuständige Berichterstatterin der SPD-Fraktion für sexuelle Vielfalt und LGBT im Gesundheitsausschuss. Nachdem das Medikament seit 2016 in der EU zugelassen wurde und belegt sei, dass es das HIV-Ansteckungsrisiko deutlich mindere, „ist es konsequent, dass wir diesen Schritt gehen und die PrEP Kassenleistung wird“.

Ein Meilenstein

Der Vorschlag zeige auch, dass der Druck aus den Organisationen und Verbänden im Bereich Aids/HIV und der LGBT-Community wirke. Die SPD wolle den Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsminsiteriums (BMG) „umgehend prüfen und so bald wie möglich beschließen“.

Achim Kessler, Sprecher für Gesundheitsökonomie der Fraktion Die Linke und Obmann im Ausschuss für Gesundheit, bezeichnete das Vorhaben als „wichtigen Meilenstein im Kampf für den selbstbestimmten Umgang mit dem Krankheitsrisiko Aids“. Ein kostenfreier Zugang unter medizinischer Begleitung sei entscheidend für die Angleichung der Gesundheitschancen auch derjenigen, deren niedriges Einkommen sie bisher von einem Zugang zu PrEP ausgeschlossen habe.

Lob von den Grünen

„Großes Lob an Minister Spahn! Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für Hochrisiko-Patienten verfügbar zu machen, ist der richtige Weg, um die Zahl der HIV-Infektionen zu senken“, erklärte Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Grünen. Sie wies darauf hin, dass PrEP ein Medikament mit Nebenwirkungen bleibe, das nur für einen kleinen Kreis von Patienten sinnvoll sein könne und eine enge und qualifizierte ärztliche Begleitung erfordere.

„Prävention ist gerade bei HIV kostengünstiger als die Therapie und entlastet damit auch die Krankenkassen. Wichtig ist, dass nun auch die privaten Kranken­versicherungen nachziehen und die Behandlungskosten der PrEP übernehmen – hier werden im Vergleich zur gesetzlichen  Kran­ken­ver­siche­rung überproportional viele Neuinfektionen gemeldet“, so Schulz-Asche.

HIV-Präexpositions­prophylaxe soll Kranken­kassenleistung werden

Berlin – Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) soll in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufgenommen werden. Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) erklärt. Er wolle dafür sorgen, „dass Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur (...)

„Mich freut die derzeitige Entwicklung um die PrEP nicht nur als Mitglied der FDP-Fraktion, sondern auch als Infektiologe mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Behandlung von HIV-infizierten Menschen“, sagte Andrew Ullmann, Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Gesundheit. Offenbar habe jetzt endlich auch die Bundesregierung erkannt, dass in der Prävention mehr getan werden müsse.

Wichtig bei PrEP sei aber, dass eine gut strukturierte fachärztliche Betreuung der Patienten stattfindet. „Wir setzen uns daher für ein Gesamtkonzept ein, welches nicht nur den Zugang zu Arzneimitteln sicherstellt, sondern die Rahmenbedingungen für gute Versorgung durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte schafft“, so Ullmann. Mit dieser Strategie wolle man Neuinfektionen verhindern und damit Menschen viel Leid und Ängste ersparen sowie Behandlungskosten verringern. Das sei „ohne Frage eine Win-win-Situation“.

Zugang erleichtern

„Die Kassenfinanzierung wird Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. Sie ist der entscheidende Schritt, um das Potenzial dieser Maßnahme auszuschöpfen“, sagte Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. Schätzungsweise 5.000 Menschen ließen sich bisher die PrEP verschreiben – laut einer Studie der Universität Essen überwiegend Besser­verdienende. „Schutz vor HIV darf nie am Geldbeutel scheitern.

Es ist dringend an der Zeit, diese Lücke in der HIV-Prävention zu schließen“, betonte Holz. Aufgrund der Kosten beziehen zurzeit nicht wenige Menschen die Medikamente kostengünstig aus dem Ausland – teils ohne ärztliche Begleitung. Auch wegen der damit verbundenen Risiken will Spahn einen regulären Weg für alle eröffnen.

Bei der HIV-Prophylaxe PrEP nehmen HIV-negative Menschen laut Aidshilfe mit besonders hohem HIV-Risiko vorsorglich ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen. Es schützt zuverlässig vor einer Ansteckung. Wichtig ist dabei eine fachlich versierte medizinische Begleitung, bei der unter anderem regelmäßige HIV-Tests und Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten durchgeführt werden.

Darüber hinaus wäre es der Aidshilfe zufolge sinnvoll, für Menschen mit erhöhtem Risiko regelmäßige Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten generell zu übernehmen, auch ohne PrEP und wenn keine Symptome vorliegen. „So können Infektionen erkannt werden, die sonst unbehandelt und übertragbar bleiben. Das kommt allen zugute“, so Holz. © may/aerzteblatt.de

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