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Politik

Neue Ausschreibung: BfArM stockt Cannabisvolumen auf

Freitag, 20. Juli 2018

Das im Auftrag der Cannabisagentur des BfArM angebaute Cannabis dient ausschließlich medizinischen Zwecken und wird in Form von Blüten oder als zubereitetes Arzneimittel in Apotheken abgegeben. /dpa

Bonn – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat heute eine neue Ausschreibung für den Anbau und den Kauf von Cannabis zu ausschließlich medizinischen Zwecken veröffentlicht. Die Ausschreibung umfasst jetzt statt ursprüng­lich geplanten 6,6 Tonnen ein Gesamtvolumen von 10,4 Tonnen Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 Kilogramm. Eine erste Ausschreibung hat das BfArM aufgrund eines Beschlusses des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom März 2018 aufheben müssen.

Das Gericht hatte die Auffassung eines Unternehmens bestätigt, die verbleibende Frist zur Einreichung der vollständigen Bewerbungsunterlagen sei nach einer Änderung des Verfahrens nicht mehr ausreichend gewesen. Insgesamt hatten sich an der ersten Ausschreibung 118 Bieter beziehungsweise Bietergemeinschaften beteiligt. Das BfArM plant die Zuschlagserteilung in diesem neuen Ausschreibungsverfahren für die erste Jahreshälfte 2019.

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Zehn Lose

Die neue Ausschreibung sieht statt zehn Losen 13 Lose zu je 200 Kilogramm Jahres­menge in einem Zeitraum von vier Jahren vor. Die in Deutschland zu produzierende Menge wurde damit um etwa 950 Kilogramm pro Jahr aufgestockt. Bei der ursprüng­lichen Kalkulation vor Inkrafttreten der Gesetzesänderung konnte sich das BfArM nur an den Patienten mit Ausnahmeerlaubnis orientieren. Inzwischen liegen aktuellere Zahlen vor, die eine Anpassung der Menge zur Folge hatten.

Nach den Ausschreibungsbedingungen kann ein Bieter maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten. Insofern ist vorgesehen, mit mindestens drei Bietern jeweils einen Vertrag über Anbau, Ernte, Weiterverarbeitung und Lieferung von Cannabis in standardisierter pharmazeutischer Qualität zu schließen. Unternehmen, die den Zuschlag erhalten, müssen dann den Anbau unter betäubungs- und arzneimittel­rechtlichen Vorgaben umsetzen.

Deutsches Medizinalcannabis soll ab 2020 zur Verfügung stehen

Bei erfolgreichem Ablauf geht das BfArM davon aus, dass Cannabis voraussichtlich ab 2020 aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen wird. Der Anbau in Deutschland soll zur Versorgung schwerkranker Patienten beitragen. Derzeit wird Cannabis hierzu noch ausschließlich aus dem Ausland nach Deutschland importiert, aus Kanada und den Niederlanden. In beiden Ländern ist eine (Teil-)Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken geplant. Die Versorgung sieht die Bundesregierung dadurch aber nicht gefährdet, da etwa Kanada ein getrenntes System für die Versorgung mit Medizinalcannabis aufrechterhalten wolle (Bundesdrucksache 19/2753).

Schon länger kritisieren unter anderem Vertreter der Linken und des Deutschen Hanfverbands, dass die geplanten Produktionsmengen nicht ausreichend seien. Eine Kleine Anfrage (Bundesdrucksache 19/1230) zeigte, dass die Importmenge bei Weitem die in der ersten Ausschreibung geplante Anbaumenge übersteigen würde. Die Bundesregierung stellt jedoch klar, dass ihr keine Erkenntnisse vorliegen würden, dass die im Sommer 2017 aufgetretenen Lieferschwierigkeiten für Cannabisblüten fortbestünden. Aus diesem Grund hat das Verwaltungsgericht Köln auch mehrere Klagen wegen Ausnahmeerlaubnissen zum Eigenanbau aufgrund von Lieferengpässen abgewiesen.

Mehr als 6.500 Patienten erhalten Cannabis auf Kosten der GKV

In der Begleiterhebung des BfArM zum Einsatz von Mediznalcannabis wurden bisher knapp 400 Patienten erfasst. Davon war bei 68 Prozent die Indikation Schmerz, 15 Prozent litten an Anorexie/Wasting, acht Prozent an einer Spastik, sechs Prozent an Überkeit oder Erbrechen und weniger als ein Prozent am Tourettesyndrom, Insomie, Colitis ulcerosa oder ADHS.

Der GKV-Spitzenverband teilte Ende September 2017 mit, dass von etwa 12.000 eingereichten Anträgen rund 6.800 genehmigt wurden, was einer Genehmigungsquote von 57 Prozent entspricht. Dabei sei jedoch die Möglichkeit der erneuten Antrag­stellung nach erstmaliger Ablehnung zu berücksichtigen. Ein Teil der Genehmigungen sind daher als Genehmigung gleich zweier Anträge zu werten.

Seit März 2018 liegen auch Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker­verbände (ABDA) vor: Im vergangenen Jahr gaben die Apotheken rund 44.000 Einheiten Cannabisblüten auf Kosten der GKV ab. Dabei stieg die Zahl demnach von Quartal zu Quartal an. Wieviel Kilogramm Cannabis 44.000 Einheiten entsprechen, kann die ABDA nicht sagen. Bei Einheiten handle es sich entweder um eine Cannabis-haltige Rezeptur oder unverarbeitete Cannabis-Blüten. Die Einzelmengen können sehr unterschiedlich ausfallen.

Nachfrage nach medizinischem Cannabis deutlich angestiegen

Berlin – Die Verordnung von medizinischem Cannabis ist seit einer Gesetzesänderung vor einem Jahr kontinuierlich gestiegen. Im vergangenen Jahr gaben die Apotheken rund 44.000 Einheiten Cannabisblüten auf Kosten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ab, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) heute in Berlin mitteilte.

© gie/aerzteblatt.de
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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 21. Juli 2018, 23:28

Als Suchtmediziner

habe ich naturgemäß mit vielen erwachsenen ADHS-Patienten zu tun, die im Verlauf iher "Eigentherapie" häufig bei einem massiven Alkohol- oder Drogenkonsum hängen geblieben sind. Nach meiner Erfahrung lindert Cannabis zwar die Symptome, aber eher dadurch, dass es das Leben mit den Einschränkungen durch ADHS ertragbar macht als dass es die Störung beseitigt.
Avatar #749369
Ambush
am Samstag, 21. Juli 2018, 12:08

Cannabis bei ADHS ohne jegliche Evidenz


http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html bzw.: "Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen." ... der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist... und zwar insgesamt und nicht nur bezogen auf Cannabis bei ADHS ...
Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt...und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben... man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. "Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!" ...eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz... .daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis gegen ADHS mitverantwortlich...

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5607-cannabis-und-adhs-studie-zu-sativex-zeigt-keinen-signifikanten-nutzen-bei-adhs/

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5565-medizinischer-einsatz-von-cannabis-bei-adhs/

bei ADHS sollte man dann doch lieber klassisch und gemäß wissenschaftlicher Evidenz auf das "gute, alte" Ritalin vertrauen:

in Deutschland wird in der Tat verglichen mit kulturell eher angloamerikanisch beeinflussten Ländern (UK, Irland, Holland, Dänemark) die medikamentöse Therapie mit Stimulantien bei ADHS sehr zurückhaltend eingesetzt. Das ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. Ich selbst hätte ohne die Therapie mit dem Standard-Medikament bei ADHS niemals mein 1er-Abitur erreichen und mein Studium abschließen können, sondern wäre möglicherweise ohne irgendwann als Junkie am Bahnhof gelandet.
Je weiter man in Europa nach Osten kommt, desto kulturell rückständiger ist man (auch) in Sachen ADHS . In Russland z.B. ist Methylphenidat generell verboten und die schärftsen Ritalin-Gegner in Deutschland findet mna bei der AfD. Und auch in Deutschland wird Methylphenidat mangels adäquater ärztlicher Versorgungslandschaft für ADHS eben sehr oft im Internet bestellt (persönlich in der Vergangenheit solche Fälle mitbekommen). Dass die große Mehrheit der sogenannten Hirndoper (es geht bei der Hirndoping-Debatte in Wahrheit nur um Ritalin und nur um ADHS , die parallel genannten Wirkstoffe Modafinil etc. haben nur Alibi-Funktion, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) verkappte Fälle von undiagnostiziertem ADHS sind und es dieses Hirndoping als verkappte Therapie der ADHS seit mindesten den 60er Jahren gibt, wird auch von den meisten Psychiatern leider nicht verstanden. Zuletzt gab es eine “bemerkenswerte” Studie über die Häufigkeit von ADHS in der Allgemeinpsychiatrie mit Prof. Arno Deister (Präsident der DGPPN und damit ein absolutes Schwergewicht) als Co-Autor http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Erbenis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechenden Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebenfalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.
LNS

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