NewsPolitikMehr Nachweise von antibiotika­resistenten Keimen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Mehr Nachweise von antibiotika­resistenten Keimen

Montag, 23. Juli 2018

/dpa

Berlin – Bei einer wachsenden Zahl von Patienten in Deutschland werden Keime mit Resistenzen gegen wichtige Reserveantibiotika nachgewiesen. Das geht aus Daten des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger (NRZ) der Ruhr-Universität Bochum hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin kürzlich veröffentlichte.

Daten von Patienten mit Verdacht auf Antibiotikaresistenzen zeigen: 2017 fanden sich in fast jeder dritten Probe eine Carbapenemase. Das sind Enzyme, die von Bakterien produziert werden und Resistenzen unter anderem gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme verursachen. Insgesamt waren es 2.533 solcher Fälle (2016: 2.262).

Anzeige

Bei betroffenen Patienten fallen damit die meisten sehr gut wirksamen Antibiotika aus – Ärzte müssten auf die „Reserve der Reserve“ zurückgreifen, sagte der Biologe Niels Pfennigwerth vom NRZ. Diese Medikamente hätten oft Nachteile wie Nebenwirkungen. Als besorgniserregend beschreiben die Autoren um Pfennigwerth insbesondere eine merkliche Zunahme von Keimen mit mehr als einer Carbapenemase. Die Folge: Die Therapiemöglichkeiten würden in der Regel noch weiter eingeschränkt.

Der NRZ-Bericht basiert auf gut 8.000 Proben (2016: 7.402) vor allem von Kranken­hauspatienten, die 355 Labore in Deutschland 2017 an das NRZ schickten. Solche Abklärungen gibt es in der Regel dann, wenn bei einem Patienten mehrere Antibiotika nicht ansprechen. Bei einem wachsenden Teil von Proben geht es auch um die Frage, ob Resistenzen gegen das Reserveantibiotikum Colistin vorliegen.

Die Zunahme an Einsendungen um fast acht Prozent sind für Niels Pfennigwerth Zeichen eines gestiegenen Bewusstseins für diese Erreger, aber ebenso Folge einer tatsächlichen Zunahme von Resistenzen. Er sprach von einer „bedenklichen Entwicklung“, mahnte aber auch vor Alarmismus. „In Deutschland haben wir im Vergleich zu Italien und Griechenland noch ein niedriges Niveau.“ Repräsentative Daten gebe es allerdings nicht. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Juli 2019
Berlin – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (beide CDU) haben erneut auf die Gefahren durch den verbreiteten Antibiotikaeinsatz in der Geflügelmast
Klöckner und Spahn verweisen erneut auf Gefahren durch Antibiotika in Tiermast
17. Juli 2019
Berlin – Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) drängt die Politik zum Handeln, um den umstrittenen Antibiotikaeinsatz in der Tiermast einzuschränken. „Der massive Einsatz von Reserveantibiotika in
Marburger Bund mahnt Antibiotikareduktion in Tiermast an
12. Juli 2019
Oxford – Die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP), das vor allem bei schweren Infektionen stark ansteigt, kann in der ambulanten Behandlung von Patienten mit akuten Exazerbationen einer
CRP-Schnelltest kann Antibiotika bei COPD-Exazerbationen einsparen
11. Juli 2019
Sydney – Rund 20 % der Silbermöwen in Australien sind mit multiresistenten Bakterien infiziert. Das berichten Forscher der Murdoch University in Perth in einer Studie im Journal of Antimicrobial
Viele australische Möwen tragen multiresistente Keime
8. Juli 2019
Bonn – Einen ganzheitlichen Blick auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt verfolgt die neue Arbeitsgruppe „One Health“ des Universitätsklinikums und der Universität Bonn. Über die Grenzen von
Bonner Arbeitsgruppe untersucht Verbreitung von Antibiotikaresistenzen
3. Juli 2019
London – Grippeinfektionen der Lunge verlaufen bei Mäusen, deren Darm zuvor durch Antibiotika von Bakterien befreit wurde, häufiger tödlich. Die Gründe sind nach einer Studie in Cell Reports (2019;
Wie Antibiotika die Abwehr von Grippeviren in den Lungen behindern
1. Juli 2019
Amsterdam – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rät vom Einsatz von Bakterienlysaten zur Behandlung von Atemwegsinfektionen ab, da es nach Einschätzung des Ausschusses für Humanarzneimittel
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER