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Politik

Fünf Parteien für Bundestagsdebatte zu vorgeburtlichen Bluttests

Montag, 23. Juli 2018

gojalia/stock.adobe.com

Berlin – Zehn Bundestagsabgeordnete aus fünf Parteien wollen eine Ethikdebatte über Bluttests bei Schwangeren zur Erkennung von Behinderungen bei Embryonen anstoßen. Die Vertreter von CDU/CSU, SPD, FDP, Linken und Grünen fordern in einem interfraktionellen Positionspapier laut Bild am Sonntag eine Bundestagsdiskussion über Risiken und Nutzen dieser Diagnostik. Auch die Fraktionsvorsitzenden von Union und Grünen, Volker Kauder (CDU) und Katrin Göring-Eckardt, hätten demnach zugesagt, das Papier „Vorgeburtliche Bluttests – wie weit wollen wir gehen?“ zu unterzeichnen.

Der G-BA hatte im Herbst 2016 ein Bewertungsverfahren eingeleitet, in dem geprüft wird, ob nichtinvasive Pränataltests eine Regelleistung der Krankenkassen bei Risikoschwanger­schaften werden. Der Vorsitzende Josef Hecken hatte dazu erklärt, der G-BA habe den Auftrag, wissenschaftlich-technisch zu überprüfen, ob mit dem neuen Verfahren bestimmte Gendefekte zuverlässig erkannt werden könnten. Es sei aber Aufgabe des Gesetzgebers, eine ethisch-politische Diskussion über das Verfahren zu führen.

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Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits­wesen (IQWiG) hatte Ende Juni mitgeteilt, dass Untersuchungen des Blutes Schwangerer Trisomie 21 zuverlässig bestimmen können. „Für Trisomie 21 sind die Tests mit über 99 Prozent ähnlich sensitiv und spezifisch wie die invasiven Methoden“, heißt es. Die Zuver­lässigkeit der Tests auf die seltenen Trisomien 13 und 18 ließen sich nicht robust schätzen. Das Institut hatte im Auftrag des G-BA Studien zu den diagnostischen Eigenschaften nichtinvasiver Pränataltests ausgewertet und Szenarien zu einer möglichen Nutzung dieser Tests in der Schwangerschaftsvorsorge skizziert.

Würde schwangeren Frauen mit erhöhtem Risiko für die Geburt eines Kindes mit Downsyndrom eine solche nichtinvasive Pränataldiagnostik angeboten, ließe sich vermutlich ein Teil der Fehlgeburten vermeiden, die bei invasiver Diagnostik wie der Fruchtwasseruntersuchung auftreten, betonte das Institut.

Die frühere Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD), die das Papier laut Bild ebenfalls unterzeichnet hat, erklärte, ein Test für alle Frauen bedeute die Einführung einer Reihenuntersuchung auf Downsyndrom. „Das halte ich für ein falsches Signal“, sagte Schmidt. „Es käme einer Aufforderung gleich, systematisch nach Menschen mit Downsyndrom zu suchen, um eine Abtreibung zu ermöglichen. Das bedeutet für mich in der Konsequenz, dass ein Leben mit Downsyndrom als lebensunwert gesehen wird.“

Der Vize-Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Rudolf Henke (CDU), sagte der Zeitung, die Debatte, ob die Gesellschaft eine Charakterisierung der Ungeborenen anhand ihrer genetischen Merkmale haben wolle, könne man nicht allein den Ärzten und Krankenkassen überlassen. „Das geht uns alle an. Das sind wir gerade auch den Kindern schuldig“, so der Mitunterzeichner des Papiers.

Auch Menschen mit Downsyndrom könnten ein „beglückendes Leben“ führen, betonte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein-Westfalen. Den im Vergleich zur Frucht­wasseruntersuchung für Mutter und Kind risikoärmeren Bluttest wolle er aber nicht verhindern: „Wenn man damit Fruchtwasseruntersuchungen vermeidet, darf man das Schwangeren nicht vorenthalten.“ © kna/may/aerzteblatt.de

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